Mittwoch, 25.07.2018

Die deutsche Fußballmeisterin Chantal Niehus will kürzer treten

Leserbrief

Harlingerode/Wolfsburg. Wer kann schon von sich selbst behaupten, deutscher Meister zu sein? Die 16-jährige Fußballerin Chantal Niehus kann es. Mit den B-Juniorinnen des VfL Wolfsburg hat es die Harlingeröderin in dieser Saison geschafft, den Titel zu holen. Wie fühlt es sich eigentlich an, so einen Meilenstein erreicht zu haben, von dem viele Sportler nur träumen können?

Harlingerode/Wolfsburg. Wer kann schon von sich selbst behaupten, deutscher Meister sein? Die 16-jährige Fußballerin Chantal Niehus kann es. Mit den B-Juniorinnen des VfL Wolfsburg hat es die Harlingeröderin in dieser Saison geschafft, den Titel zu holen. Wie fühlt es sich eigentlich an, so einen Meilenstein erreicht zu haben, von dem viele Sportler nur träumen können?

Freudentränen

Chantal war überwältigt und die eine oder andere Freudenträne sei gefallen, erzählt sie. „Wir haben aber wirklich viel dafür getan“, resümiert sie die vergangenen vier Jahre, in denen sie in dem Wolfsburger Verein intensiven Leistungssport betrieben hat. Mit dem Fußballspielen hat sie bereits als kleines Mädchen im Alter von vier Jahren begonnen. „Die ganze Familie ist fußballbegeistert und darum wollte es Chantal einfach mal ausprobieren“, erzählt ihre Mutter Bianca.

Lust auf Probetraining

Gesagt, getan: Erst kickte sie in einem Verein in ihrem Dorf, verbesserte sich immer weiter, bis sie es in die Kreisauswahl schaffte. „Irgendwann wurde ich vom VfL Wolfsburg angesprochen, ob ich nicht mal Lust hätte, auf ein Probetraining vorbeizukommen“, berichtet die Mittelfeld-Spielerin und fuhr sofort hin.

Die Entscheidung für den Verein hieß gleichzeitig aber auch, dass die Schülerin Abstriche in ihrem Privatleben machen musste. Unter der Woche stand vier Mal Training auf dem Plan und an den Wochenenden waren jeweils die Spiele angesetzt, sagt sie. Dabei durfte die Schule nicht zu kurz kommen und ihre Freunde wollten sie ebenfalls noch zu Gesicht bekommen. Das bedeutete für die Schülerin viel Stress. Der Aufwand habe sich aber gelohnt, dafür, dass Chantal mit ihrer Mannschaft den Titel nach Hause holen konnte.

Die Meisterschale war aber nicht die einzige Auszeichnung, die Chantal in diesem Jahr in den Händen hielt. Die 16-Jährige, die vor einem Monat ihren Realschulabschluss absolviert hat, bekam bei der Zeugnisübergabe die sogenannte Pierre-de-Coubertin-Medaille überreicht. Der Preis ist nach einem Franzosen benannt, der Chantal zunächst unbekannt war: Coubertin war Pädagoge, Historiker und – noch viel wichtiger – Initiator der Olympischen Spiele der Neuzeit.

Schulisches Engagement

Die Schülerin bekam diese Auszeichnung nicht nur wegen ihrer stetigen sehr guten Sportnoten verliehen, sondern auch wegen ihres schulischen Engagements. „Mit so einem Preis habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich war total überrascht“, erzählt Chantal.

Nach ihrem Schulabschluss kommen große Veränderungen auf sie zu. Weil sie im August beim Landkreis Goslar eine Ausbildung im Fachbereich Abfallwirtschaft beginnt, wird sie beim Fußballspielen kürzer treten. Chantal und ihre Mutter sind sich einig darüber, dass die Arbeit auf jeden Fall vorgehe. Darum musste sie auch ihrem geliebten VfL den Rücken kehren und sich einen anderen Verein suchen, bei dem das Training in ihren Zeitplan passt.

Jetzt trainiert sie zwei Mal die Woche beim BSC Acosta in Braunschweig, zwar nicht mehr auf Bundesebene, aber immerhin steht jetzt der Spaß wieder mehr im Vordergrund. Dieser kam natürlich auch in Wolfsburg nicht zu kurz, da ging es aber eher darum, etwas zu erreichen, sagt die Harlingeröderin.

Auch wenn Chantal jetzt keinen so intensiven Leistungssport mehr betreibt, wird sie dem Fußball treu bleiben. Sie weiß gar nicht, was ihr an der Sportart so gut gefällt. Ihr fällt es schwer, es in Worte zu fassen. Was sie aber weiß, ist, dass sie ohne das runde Leder nicht leben kann.








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