Freitag, 02.06.2017

Der Yesterday-Man

„Pacta sunt servanda“, Verträge sind einzuhalten. Dieses oberste Prinzip politischer Verlässlichkeit galt schon zu römischen Zeiten und sollte eigentlich auch für den Präsidenten der USA gelten.

Nicht aber für Präsident Trump, den großen Tower-Erbauer. So wie er einst wolkenkratzende Gebäude errichtete, so reißt er sie auch wieder ein. Vorzugsweise mit dem Hinterteil, um im Bild seiner vulgären Auftritte zu bleiben.

Nun hat er das Pariser Klimaschutzabkommen vom 12. Dezember 2015 aufgekündigt. Ein weltweit gefeierter Vertrag, der 195 Staaten, darunter die großen Luftverschmutzer China (28 Prozent Weltanteil) und USA (16 Prozent) dazu verpflichtete, ihre CO2-Emissionen zu mindern und damit die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Aber Trump glaubt ja nicht an den Klimawandel.

Damit ist er übrigens in gar nicht mal so schlechter Gesellschaft und dennoch ist da ein wichtiger Unterschied: Denn weltweit gibt es ernst zu nehmende Wissenschaftler, die Zweifel am menschengemachten Klimawandel haben.

Die Zweifler untermauern dies mit physikalischen Berechnungen und argumentieren, dass das weltumspannende Klima, das Weltwetter, über so gigantische Kräfte verfüge, gegen die der Mensch selbst bei bösestem Vorsatz, die Erdatmosphäre zu vergiften, vollkommen machtlos sei. Sie argumentieren vielmehr, dass die unzweifelhafte Erwärmung unseres Planeten Ausdruck eines zyklischen Klimawandels ist, und verweisen auf Eiszeiten und tropische Phasen im Laufe der Erdgeschichte, die ja kaum durch Autoabgase oder Kohleheizkraftwerke hervorgerufen sein konnten.

Wie immer man zum Thema Klimawandel stehen mag; er findet unzweifelhaft statt. Und Trump unterliegt dabei einem gehörigen Denkfehler. Denn Fakt ist, dass Autoabgase die Städte verpesten, dass in Smogstädten die Sonne kaum mehr sichtbar ist und dies der Gesundheit der Menschen schadet. Fakt ist auch, dass fossile Energien wie Kohle , Öl und Gas wertvolle Ressourcen sind, die wir ohne Rücksicht auf nächste Generationen verballern. Und Fakt ist auch, dass ein gestrandeter Öltanker mit seiner Ladung über Jahrzehnte Fauna und Flora einer Küste vernichtet. Und dass jeder Tropfen Erdöl viel zu wertvoll ist, um in einem Ottomotor zu verbrennen. Öl ist beispielsweise ein wichtiger Grundstoff zur Herstellung von Medikamenten.

Dieser Fakt ist mir aber der bedeutendste: Wir Menschen haben zwar im Moment das Sagen auf dieser Erde, ruhmvoll ist es aber nicht, wie wir mit ihr umgehen. Unser militärischer wie ziviler Umgang mit der Atomkraft zeigt diesen Mangel an Weitsicht und Verantwortung exemplarisch auf. Denn was auch immer der Mensch ersinnt, er will es dann auch verwirklichen. Doch hat die Spezies Mensch als eines der wenigen Lebewesen auch die Gabe, moralische Kategorien zu entwickeln und mit deren Hilfe zu erkennen, umzusteuern und Zukunft zu denken.

In der Nutzung der regenerativen Energien stecken so viele wunderbare Möglichkeiten, dass wir diese Chance auch ungeachtet ideologischer Klimadiskussionen nutzen müssen. Wer je die Kraft des Windes auf einem Segelboot erlebt hat, wie wir ohne eigene Kraftanstrengung und ohne einen Cent Energiekosten Ziele erreichen können, der muss fasziniert sein von den Chancen, die Wind und Sonne, Wasserkraft und Erdwärme uns bieten. Der Menschheitstraum vom „perpetuum mobile“ ist im übertragenen Sinn fast wahr geworden: Wir bekommen Energie aus der Natur, ohne ihr etwas zu nehmen.

Aber Herrn Donald Tumb war es wichtiger, seine durchsichtigen Wahlversprechen (America first) bei seinen (für) dumm gehaltenen Wählern einzulösen. Sie sind borniert, Mr. President. Ihre Politik ist die von gestern, denn Sie sind nicht wirklich im Thema.

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de