Freitag, 16.03.2018

(B)logbuch, die Letzte.....

Heute endet das Logbuch, das in der Regel wöchentlich in der Samstags-Ausgabe der Goslarschen Zeitung erschien. Für die digitalen Leser(innen) hieß es ganz im Stil der journalistischen Netzformate (B)logbuch. Es sollte einen etwas anderen Blick auf das Tagesgeschehen liefern und vor allem eine Brücke schlagen zwischen dem Geschehen hier vor Ort und den Ereignissen auf Berliner Parkett und in der Welt.

Das Logbuch erschien erstmals am 19. Januar 2013 und behandelte – naheliegend – die bevorstehende Landtagswahl, die einen Wechsel in der Landesregierung nach sich zog. Es folgten viele Themen, nicht alle waren der Politik geschuldet. So eines über das seltsame und nicht sehr höfliche Benehmen von Menschen an der Discounterkasse oder über die geheime Sitzordnung bei offiziellen Anlässen, bei denen die Politik automatisch das Primat erhält, obgleich dies nirgendwo niedergeschrieben ist. Aber diese geheime Etikette wirkt bis heute.

Das Logbuch wollte sich einmischen, Akzente setzen, auch mal polarisieren und Diskussionen auslösen. An Ostern 2013 schrieb ich über den Klimawandel. Wohlgemerkt, ist stellte ihn nicht infrage, denn dass der Klimawandel stattfindet, wird ja niemand ernsthaft bezweifeln. Aber dass der Mensch mit seinen umweltschädigendem Handeln in der Lage ist, die ungeheure Kraft des Weltklimas zu beeinflussen, diese Frage ließ ich damals offen.

Die Folge war eine lebhafte und hochemotionale Diskussion über die Frage, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht und es wurde klar: in dieser Frage sind wir gespalten. Die Diskussion dauerte Monate und wanderte durch Verlinkung weltweit in Foren, bis die Teilnehmer schließlich über völlig andere Themen diskutierten.

Ein Thema löste bei einem prominenten Politiker eine Verbalattacke aus, an die ich heute schmunzelnd erinnere: Sigmar Gabriel, ein Wortmächtiger auch beim geschriebenen Wort, polemisierte gegen den Logbuch-Autor, der vor der bevorstehenden Landratswahl Zweifel an der Eignung der Kandidaten begründet hatte. Eine journalistische Betrachtung, die nach meiner Überzeugung zur Grundausstattung der politischen Berichterstattung gehört. Aber Sigmar Gabriel höhnte damals, dass ausgerechnet der bedeutende Chefredakteur der kleinen Goslarschen Zeitung seine unmaßgebliche Kritik über die Kandidaten ausschüttet, statt es bundesweit anderen Medien gleichzutun und das Nominierungsverfahren zu rühmen: dass nämlich bei der Entscheidung, wer in der SPD für die Landratswahl kandidieren solle, alle Bürger dieses Landkreises mitbestimmen dürfen und nicht nur die Parteimitglieder. Nun ja: Diese Weitung war vom damaligen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel eingeführt worden.

Über 400 Logbücher sind seit Januar 2013 geschrieben worden, nicht alle sind erschienen. Manche, weil die Ereignisse sie überholten, andere, weil sie dem Autor als zu schwach erschienen. Sie alle waren bewusst Meinungsartikel auf der samstäglichen Kommentarseite der Zeitung. Viele von ihnen lösten Reaktionen aus, riefen Ärger hervor oder auch Zustimmung, denn die letzte Zeile lud immer zum Dialog ein (Schreiben Sie dem Autor....).

So entstanden über die Jahre Kontakte mit GZ-Leserinnen und Lesern, es kam zu spontanen Gesprächen auf der Straße oder bei Terminen. Ob Lob oder Widerspruch: Für einen Journalisten ist beides die Bestätigung seiner Arbeit. Dafür möchte ich Ihnen heute danken und damit die lange Reihe der (B)logbücher beenden.

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de