Freitag, 11.05.2018

Aus einer Millionenstadt in den Harz

Leserbrief

Barranquilla/Liebenburg. Am besten lernt man eine Sprache, wenn man sie täglich anwendet und in ein Land reist, in dem sie gesprochen wird. Die deutsche Schule im kolumbianischen Barranquilla verfolgt dieses Konzept bei ihren Schülern, die bereits seit der fünften Klasse Deutsch lernen. Jedes Jahr verbringen die Zehntklässler etwa drei Monate in verschiedenen Städten in Deutschland.

Die 15-jährige Susana Coronell hat es aus der 1,2-Millionen Metropole Barranquilla in den Harz verschlagen. Seit Mitte April wohnt sie bei Familie Bischoff in Liebenburg und besucht mit ihrer 16-jährigen Gastschwester Annika das Goslarer Christian-von-Dohm-Gymnasium. Drei Monate wird die Kolumbianerin in Deutschland bleiben und so ihre Sprachkenntnisse verbessern, die sich jetzt schon wirklich hören lassen können. Erste Berührungspunkte mit Deutsch hatte sie nämlich bereits im Kindergarten. Seit der neunten Klasse werden in ihrer Schule auch die Fächer Geschichte und Biologie auf Deutsch unterrichtet.

In Deutschland studieren

Susana erklärt, dass es auch ein Ziel des Auslandsprojekts sei, den Jugendlichen Universitäten zu zeigen, damit sie möglicherweise in Deutschland studieren. Ob sich Susana das auch vorstellen kann? „Eher nicht“, sagt sie. Vor ihrer Reise nach Deutschland, erzählt sie, habe sie sogar mit dem Gedanken gespielt, eines Tages hier mal zu studieren, aber jetzt komme es wahrscheinlich nicht mehr für sie in Frage. Schon nach der relativ kurzen Zeit, die sie von zu Hause weg ist, habe sie mit Heimweh zu kämpfen gehabt. Darum möchte sie lieber an einer Universität in der Nähe ihrer Heimatstadt studieren. Apropos Heimweh: Um dagegen anzukämpfen, skypt und telefoniert Susana regelmäßig. „Besonders vermisse ich meine Freunde und Familie. Auch wenn ich mich oft mit meiner Schwester streite, vermisse ich sie jetzt sehr“, gesteht sie.

Ihre Gastschwester Annika erzählt, dass ihr aufgefallen sei, dass sich die Menschen in Kolumbien viel näher stehen und sich Freunde viel öfter treffen, als es Annika von sich aus Deutschland kennt. Susana bestätigt das und spricht über ihre beste Freundin in Kolumbien, die nur wenige Minuten von ihr entfernt wohnt und die sie so gut wie jeden Tag sieht. Aber auch mit ihren anderen Freunden trifft sie sich jedes Wochenende, wenn Hausaufgaben und Klassenarbeiten das zulassen.

Generell seien die Menschen in Deutschland und Kolumbien ganz unterschiedlich. Während Kolumbianer sehr offen sind, sind Deutsche eher verhaltener, berichtet die Austauschschülerin. Dabei möchte Susana gar nicht sagen, dass Deutsche unfreundlich oder auch aggressiv seien, wie es im Ausland oft ein Vorurteil ist. „Ich habe mich hier in meiner Gastfamilie und auch sonst immer sehr willkommen und wohlgefühlt“, sagt die Südamerikanerin.

Gegenbesuch im Juli

Von weiteren Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Kolumbien und Deutschland kann sich Annika spätestens Ende Juli überzeugen, denn dann wird die Schülerin den Gegenbesuch antreten und zwei Monate in Barranquilla verbringen. Sie freue sich vor allem darauf, ihre Spanischkenntnisse zu verbessern und eine andere Kultur kennenzulernen. Für die 16-Jährige wird es nicht der erste Auslandsaufenthalt sein: „Ich habe schon an dem Austauschprojekt der Goslarer Stadtjugendpflege mit Israel teilgenommen und war mit meiner Klasse in Italien“, sagt sie.







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