Montag, 28.05.2018

„In meinen Bildern sehe ich mich selbst“

Leserbrief

Goslar. Nur wenige Worte wollte Ulrich Müller-Pontow, Pfarrer der Frankenberger Kirchengemeinde, zur Eröffnung der Kunstausstellung im Café International sagen. „Die Bilder von Hadiz Hajizadeh sprechen für sich“, erzählte er.

"Ein Geschenk für die Gemeinde"

Wovon er aber berichtete, war die Entstehungsgeschichte der Kunstausstellung der 21-jährigen Iranerin: „Hadiz hat sich an den Kirchenvorstand gewendet und gefragt, ob sie ihre Bilder ausstellen darf.“ Zunächst sei er skeptisch gewesen, ob sie zu den Räumlichkeiten des Kleinen Heiligen Kreuzes passen würde, gestand Müller-Pontow. Als Hadiz ihm aber Bilder auf ihrem Handy gezeigt hat, war ihm klar, dass ihre Bilder „ein Geschenk für die Gemeinde“ seien.

Der Pfarrer ist glücklich darüber, dass die Ausstellungseröffnung in den Rahmen von Goslars bunten Wochen fällt, denn farbenfroh sind Hadiz’ Gemälde auf jeden Fall. Seit mehr als vier Jahren malt sie schon in Öl. Neben den modernen Malereien interessiert sich die junge Frau aus Teheran für die Fotografie. Besonders gern ist sie mit ihrem Handy unterwegs und nimmt Bilder auf. Fotos, die im Iran entstanden sind, hat sie in ein Album geklebt, das sie ebenfalls im Rahmen ihre Ausstellung präsentiert. Mit ihren Fotografien zeigt die 21-Jährige, welch professionelle Bilder mit der iPhone-Kamera entstehen können.

"Jeder soll sich seine eigenen Gedanken machen"

Bei ihren Werken ist es Hadiz wichtig, dass jeder Mensch eine andere Meinung haben kann. Vor der Ausstellung hat sie zwar jedem Werk einen kleinen Titel gegeben, – sowohl auf Deutsch als auch in ihrer Muttersprache Farsi –, aber das seien nur ihre Gedanken, sagt sie. Sie freut sich, wenn sich jeder Betrachter eigene Gedanken macht.

„Wenn ich meine Bilder anschaue, dann erkenne ich mich selbst“, beschreibt sie und deutet auf ihr Lieblingsgemälde, das den Titel „ohne angesicht“ trägt. Es zeigt eine Frau ohne Gesicht, die traurig und ängstlich ist. Hadiz erinnert sich an die Zeit zurück, als sie noch im Iran gelebt hat. Bevor sie nach Deutschland kam, habe sie sich genauso gefühlt wie die Frau auf dem Bild.

Glücklich in Goslar

Doch das Blatt hat sich gewendet: Hadiz erzählt, dass sie in Goslar glücklich ist. Das spiegelt sich auch in ihren Bildern wider. Gemälde, die hier in Deutschland entstanden sind, wirken nicht mehr so düster. Stattdessen sind sie farbenfroher und zeigen, dass Hadiz auf einem guten Weg der Integration ist.

Die Integrationsbeauftragte der Stadt Goslar Galina Gerhart sieht das genauso und lobt das Projekt des Cafés International. Ihrer Ansicht nach würde Integration nur dann gelingen, wenn Menschen gemeinsam Aktivitäten unternehmen. „Sport, Musik und Kunst sind eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen. Man muss nicht viel reden und versteht sich trotzdem untereinander.“

Ausstellung bis 30. Juni

Für ihre Zukunft hat Hadiz feste Pläne. „Ich möchte meine Sprache verbessern und bald mit einem Studium beginnen. Modedesign soll es werden“, sagt sie. Zurzeit erfreut sich die Künstlerin einfach daran, dass sie ihre Werke mit der Öffentlichkeit teilen kann.

Bis zum 30. Juni sind Hadiz’ Bilder im Kleinen Heiligen Kreuz zu sehen. Montags bis freitags ist die Ausstellung in der Zeit von 10 bis 12 Uhr geöffnet, am Samstag von 15 bis 17 Uhr und sonntagvormittags nach den Gottesdiensten.







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