Das hat die Staffelreform bisher gebracht
Vor allem in der Nordharzliga, hier eine Szene aus der Partie zwischen dem TSV Gielde und dem FC Groß Döhren, macht sich die Staffelreform positiv bemerkbar. Das Niveau ist gestiegen. Foto: Gietemann
Auch wenn alles glatt gelaufen ist: Die Staffelreform im Fußballkreis Nordharz erfüllt bisher nicht alle Hoffnungen. Und ein großes Problem bleibt bestehen.
Ein halbes Jahr ist rum im Fußballkreis Nordharz – und damit auch ein halbes Jahr für die neue Ligenstruktur des Herrenspielbetriebs. Was hat die Staffelreform gebracht? Und hat sie die Erwartungen erfüllt? Die GZ hat nachgefragt.
So viel vorweg. So richtig zu mäkeln hat niemand etwas, auch wenn nicht alles aufgegangen ist, was sich der Spielausschuss erhofft hat. Noch nicht, muss es eher heißen, denn jede Reform braucht Zeit, um ihre gewünschte Wirkung zu entfalten. Und es gibt im Amateurfußball grundlegende Probleme, denen auch mit einer gestrafften Struktur nicht beizukommen ist.
Im Kreisspielausschuss zumindest sind sie mit der Entwicklung zufrieden, resümiert Dirk Knoblauch. „Die Umstellung ist relativ gut gelungen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, „und auch über die Entfernungen kann sich niemand beklagen.“ Durch die Staffeln mit 14 oder 15 Mannschaften sei zudem für alle Mannschaften ein regelmäßiger Spielbetrieb gewährleistet. Alles gut also? Nein, sagt Knoblauch. Mit der Reform sollten es in den Staffeln eigentlich ausgeglichener zugehen. „Das Leistungsgefälle ist noch da“, muss Knoblauch feststellen, „aber das muss sich noch hinrütteln und braucht einen gewissen Zeitraum.“
Radikaler Schnitt wirkt sich aus
Und der kommt nicht von ungefähr. Nach dem radikalen Schnitt im vergangenen Sommer hat es Mannschaften in die 1. oder 2. Nordharzklasse gespült, die dort aufgrund ihrer Leistungsstärke nicht hingehören – und wie zum Beispiel der
SV Rammelsberg, der auf dem besten Weg sind, in die Nordharzliga zurückzukehren.
Bezirks- und Kreisebene
So geht es im neuen Jahr in den Fußball-Ligen weiter
Das erwartet auch Michael Liebke, Vorsitzender des Nordharzliga-Spitzenreiters FC Groß Döhren. „Die Nordharzliga wird im nächsten Jahr noch eine stärkere Nummer, wenn man sieht, wer da wahrscheinlich raufkommen kann und wer aus der Bezirksliga runterkommt.“ Schon jetzt sei das Niveau deutlich höher als zu den Zeiten, in denen die Top-Liga noch zweigleisig war. „Da hat auch mal ein guter Torschütze gereicht, um eine Mannschaft am Leben zu halten. Das funktioniert jetzt nicht mehr.“
Lob für Sportanlagen
Auch sonst hat Liebke nichts zu meckern, was angesichts der glänzenden sportlichen Lage nicht überraschend kommt. Gut, es gibt eine längere Fahrt nach Cremlingen, aber das ist es auch schon. Ausdrücklich lobt Liebke die guten Sportanlagen im Kreis Wolfenbüttel.
Wolfenbüttel, das macht auch für Luca Brandes einen besonderen Reiz aus. Der Trainer des Nordharzligisten TSV Gielde hat viele persönliche Verbindungen in diesen Raum und freut sich auf das Wiedersehen mit alten Bekannten. Aber auch generell sieht er viele Vorteile der Reform. Er sei „schon immer Fan der alten Bezirksklasse“ gewesen, mit der die eingleisige Nordharzliga gern verglichen wird.
„Angenehmer Touch“
Als besonders gelungen sieht es Brandes an, dass die ersten drei Teams aufsteigen und ein Verein, der angreifen will, daher nicht unbedingt Meister werden muss. „Das gibt der Sache einen angenehmen Touch“, sagt Brandes. Und wird es auch weiter geben, wenn es nach Knoblauch geht. So lange es aus dem Bezirksspielausschuss keine anderen Signale gebe, solle es bei drei Aufsteigern bleiben.
Ein Freund der Reform war bisher Dennis Gläser, Trainer des FC Seesen: „Ich fand das die ganze Zeit eine sinnvolle Idee.“ Dann aber schiebt er ein dickes Aber hinterher, denn ein zentrales Anliegen sei bisher nicht aufgegeben. „Eigentlich sollte die Diskrepanz zwischen den Mannschaften nicht mehr so groß sein, aber das ist leider nicht erfolgt. Das ist weiter eine Zweiklassen-Geschichte, da hat sich fast nichts getan.“ Seine Einschätzung unterstreicht ein Blick auf die Tabelle der Staffel 1 der 1. Nordharzklasse, in der Seesen um den Aufstieg kämpft. Den FC als Tabellenzweiten trennen nach gerade einmal 13 Partien schon 26 Punkte vom WSV Wiedelah, der derzeit den ersten Abstiegsplatz belegt.
„Gefälle größer geworden“
Ähnlich sieht es in der Staffel 1 der 2. Nordharzklasse aus, die vom VfR Langelsheim angeführt wird. Ihn trennen allein von Rang drei bereits 13 Punkte, der sofortigen Rückkehr in die 1. Nordharzklasse steht also kaum etwas entgegen. „Das Gefälle ist relativ groß“, sagt der sportliche Leiter, Dirk Schäning, „und ist wahrscheinlich noch größer geworden.“ Es werde noch ein paar Jahre dauern, bis sich alles eingependelt habe.
Fußball-Nordharzliga
Der FC Groß Döhren macht das Dutzend voll
Der VfR ist im Übrigen der einzige Verein im gesamten Nordharzkreis, der nach der Reform beim Thema Entfernung gekniffen ist. Die Rede ist von der 2. Mannschaft, die ebenfalls in der 2. Nordharzklasse spielt, aus Wettbewerbsgründen aber in die Staffel 2 eingruppiert wurde und nun pausenlos nach Salzgitter und Wolfenbüttel fährt. Aus heutiger Sicht sei es ein Fehler gewesen, die Mannschaft für diese Klasse zu melden, sagt Schäning. „Das würde ich nicht noch mal machen, aber wir hatten auch nur ein paar Stunden Zeit.“
Bei dieser Reform wird es nicht bleiben
Zufrieden mit der Staffelreform zeigt sich Kreisvorsitzender Rüdiger Nowak, der sagt: „Ich habe zumindest bisher nichts Negatives gehört.“ Allerdings sei abzusehen, dass es bei dieser Reform nicht bleiben werden, Stichwort weiter sinkende Mannschaftszahlen. Man müsse nur auf die A-Junioren schauen, die schon gemeinsame Sache mit Braunschweig und Peine machen. Zwar sei der Kreis Nordharz in einer starken Position, weil er sich rechtzeitig formiert habe. Auf die Dauer werde das aber nicht reichen, wenn die Entwicklung sich so fortsetze.
Diese treibt auch Seesens Trainer um. Es werde, egal für wen, immer schwerer, überhaupt eine vernünftige Mannschaft auf die Beine zu stellen, sagt Gläser. Und selbst wer über eine gute Struktur verfüge, sei nicht davor gefeit, dass ihm im nächsten Jahr alles um die Ohren fliege. Da helfe dann auch eine Staffelreform nicht.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.