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Rekord: Fast 1000 Meldungen

GZ Plus IconHarzburger Bergmarathon wird zur Wasserschlacht

Der Hannoveraner Frank Kühlke (3. v. r.) gewinnt vor einem Duo des Laufteams Wolfshagen und Matti Bruns vom MTK Bad Harzburg (Startnummer 143) den Halbmarathon beim 18. Bad Harzburger Bergmarathon. Fotos: Neuendorf

Der Hannoveraner Frank Kühlke (3. v. r.) gewinnt vor einem Duo des Laufteams Wolfshagen und Matti Bruns vom MTK Bad Harzburg (Startnummer 143) den Halbmarathon beim 18. Bad Harzburger Bergmarathon. Fotos: Neuendorf

Rekord trotz extremer Bedingungen: Obwohl Regen, Blitz und Donner den Bad Harzburger Bergmarathon für alle zu einer Herausforderung machen, haben die Organisatoren allen Grund zur Freude. Fast 1000 Meldungen bedeuten eine unerwartete Bestmarke.

Von Björn Gabel Montag, 09.06.2025, 17:00 Uhr

Natürlich geht jede Veranstaltung in die Geschichtsbücher ein. Die 18. Auflage des Bad Harzburger Bergmarathons am Samstag aber taugt für ein besonderes Kapitel, was nicht nur mit dem Wetter zu tun hatte.

Was Pfingsten 2025 so speziell machte, verdeutlicht diese Zahl. Mit offiziell 972 Meldungen gab es die nächste Bestmarke zu feiern – nicht irgendeine. „Das sind fast 200 Läufer mehr als voriges Jahr“, rechnete Hannes Woll vor, der mit seiner Frau Monika wieder die Hauptarbeit im Vorfeld geleistet hatte. Wie üblich gingen nicht alle Gemeldeten an den Start, aber mit 822 Finishern konnte Woll bestens leben.

Stürze im Zielbereich

Die riesige Resonanz entschädigte auch für das, man kann es nicht anders sagen, Sauwetter, das über Bad Harzburg herrschte. Dabei hatte das Ausrichtertrio aus TSG, LAV 07 und MTK noch Glück im Unglück. Bei den stark besetzten Nachwuchsläufen blieb es trocken, wie auch bei fast allen Starts. Ab 11 Uhr aber schüttete es wie aus Eimern, wer unterwegs war, wurde pitschnass. Dazu blitzte und donnerte es sporadisch, der Wind war auch nicht ohne. Solch extremen Bedingungen hatten bisher nur einmal geherrscht, wie sich Bergmarathon-Dauergäste erinnerten. Ein Fall fürs Geschichtsbuch also.

Geschafft: Christian Dibowski aus Lüneburg und Florentine Beese aus Hannover holen sich den Sieg auf der Marathondistanz.

Geschafft: Christian Dibowski aus Lüneburg und Florentine Beese aus Hannover holen sich den Sieg auf der Marathondistanz.

Es kam so viel Wasser herunter, dass einige Läuferinnen und Läufer trotz der Warnung aus der Sprecherkabine förmlich über den Zielstrich rutschten und ungewollten Bodenkontakt aufnahmen. Auf der Strecke war es laut Hannes Woll auch auf dem Abschnitt unterhalb des Wasserhäuschens extrem rutschig, was zu weiteren Stürzen führte. „Das DRK musste nur ein paar Pflaster verteilen, es sind zum Glück keine größeren Sachen passiert“, sagte Woll. Acht Teilnehmer gaben allerdings auf.

Auch der Start- und Zielbereich war zeitweise wie leer gefegt. Aber Bad Harzburg hat den Vorteil der großen Rennbahntribüne, auf der es jede Menge trockene Plätze gab. Den meisten Aktiven sei ohnehin eine Wasserschlacht lieber als eine Hitzeschlacht, sagte Woll, der trotz der schlechten Bedingungen „unheimlich viel Lob“ bekam.

Das gab gleich er an die Helfer weiter, die teils stundenlang im Wald ausharrten. Auch das Trockenlegen zum Beispiel der vielen Pavillons erwies sich im Nachgang als Herausforderung.

An Rekordzeiten war bei derart viel Regen nicht zu denken. Dean Sauthoff vom Laufteam Wolfshagen, der 2024 die Bestmarke im Halbmarathon um nur vier Sekunden verpasst hatte, wäre ein Streckenrekord allerdings auch bei Top-Bedingungen wohl nicht gelungen. Der Nordharzer Dauersieger hatte am Wochenende zuvor einen Ironman in Hamburg absolviert, der ihm noch richtig in den Knochen steckte. „Ich habe schon nach ein paar Kilometern gemerkt, dass das heute nichts wird“, sagte Sauthoff, der gerade noch Rang drei vor Matti Bruns vom MTK Bad Harzburg ins Ziel rettete.

Fürle spürt den Hammer

Stattdessen lag Sauthoffs Vereinskamerad Alexander Fürle lange auf Siegkurs, ehe ihn zwei Kilometer vor dem Ziel der bei den Läufern gefürchtete Hammer traf. „Mein Kreislauf ist komplett runtergefahren. Ich konnte nichts mehr essen und trinken“, sagte Fürle, der so noch von Frank Kühlke überholt wurde. Der startet für Hannover 96, das auf dieser Strecke mit Sarah-Jasmin Blümel auch die schnellste Frau stellte.

Das erinnert doch eher an einen Crosslauf. Nicht nur Schuhe und Socken brauchen nach dem Bergmarathon einen Vollwaschgang.

Das erinnert doch eher an einen Crosslauf. Nicht nur Schuhe und Socken brauchen nach dem Bergmarathon einen Vollwaschgang.

Apropos Hannover: Superflott unterwegs war Florentine Beese von Pingpank Running aus der Landeshauptstadt, die als Siegerin über die Marathondistanz als Gesamtdritte ins Ziel kam. Nur zwei Männer waren schneller, darunter Sieger Christian Dibowski aus Lüneburg.

Auf Rekordjagd gehen jetzt die Organisatoren. Woll hofft für 2026 auf mehr als 1000 Meldungen – eine Zahl, die er sich eigentlich erst für den 20. Bergmarathon vorgenommen hatte. „Ich habe alle gebeten, für unseren Lauf weiter ordentlich Propaganda zu machen“, sagte Woll.

Der Termin steht, Pfingstsamstag fällt im kommenden Jahr auf den 26. Mai. Wetterprognosen gibt es für diesen Tag noch nicht.

Die Ergebnisse im Überblick

Marathon: 1. Christian Dibowski (RSC Lüneburg Triathlon) 3:12:31 Stunden, 2 Dominic Fehse (Brockenlaufverein) 3:17:48, 3. Alex Dreyer (Berlin) 3:29:49 – 1. Florentine Beese (Pingpank Running) 3:22:58, 2. Christine Fischer-Bedtke (LG Leipzig), 3:29:22, 3. Laura Himmelmann (TCO Oldenburg) 3:56:00

Halbmarathon: 1. Frank Kühlke (Hannover 96) 1:29:15, 2. Alexander Fürle 1:31:32, 3. Dean Sauthoff (beide Laufteam Wolfshagen) 1:31:50 – 1. Sarah-Jasmin Blümel (Hannover 96) 1:41:09, 2. Mandy Giesecke (Harz-Gebirgslaufverein Wernigerode) 1:42:23, 3. Turid Högger (SV Ettenbüttel) 1:45:09

Fit-Lauf (12,4 km): 1. Alexander Kleiner-Bley (LG Braunschweig) 47:57, 2. Samu Fynn Uhde (Hannover 96) 53:02, 3. Michael Schulz (Cremo Runners) 55:27 – 1. Kristin Homann (Harz-Gebirgslaufverein) 1:02:56, 2. Lätizia Borger 1:03:07, 3. Nadine Sqarra 1:04:47

Aktiv-Lauf (6,6 km): 1. Jon-Paul Henriksen (Laufwerk Hamburg) 27:57, 2. Christoph Lehmann (Team Sky) 28:58, 3. Antonio Sanchez Benitez (CD Indea) 29:50 – 1. Martina Baran (Hannover Runners) 29:49, 2. Johanna Faust (LG Neustadt Nord) 30:47, 3. Luisa Merkel (NSV Wernigerode) 32:57

Alle Ergebnislisten sind unter myraceresult.com zu finden.

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