Hallenfußball schlittert im Harz in die Krise
Volle Ränge, gute Stimmung: Der Samtgemeinde-Cup in Schladen ist noch nicht vom mangelnden Interesse am Hallenfußball betroffen. Allerdings bieten der SV Schladen und der VfR Dorstadt als Ausrichter auch mehr als nur reinen Sport. Foto: Drechsler
Turnierabsagen, kleinere Teilnehmerfelder, mangelndes Interesse: Wer Hallenfußball im Harz anbietet, der hat mit immer mehr Problemen zu kämpfen. Eine Bestandsaufnahme.
Mit dem Wilhelm-Maitzen-Pokal in Bad Harzburg beginnt an diesem Wochenende die Hallenfußballsaison im Nordharz. Sieben Mannschaften hat der Ausrichter für das Bezirksturnier, eines von insgesamt vieren, am Samstag eingeplant. Wer genau kommt, konnte TSG-Fußballobmann Michael Bothe am Mittwochvormittag jedoch noch nicht sagen. Es gab rund 72 Stunden vor dem Anpfiff noch einige Wackelkandidaten.
In Bad Harzburg stehen sie mit dieser Entwicklung nicht allein. Turnierabsagen, kleinere Teilnehmerfelder, Schwierigkeiten, Helfer zu finden – das sind die Themen, die die ausrichtenden Vereine zunehmend beschäftigen und die Organisation immer mehr zu einer Herausforderung machen.
Nur vier Zusagen in Vienenburg
Eine Bestandsaufnahme: Die FG Vienenburg/Wiedelah hat ihr für den 18. Januar geplantes und etabliertes Bezirksturnier abgesagt, stellt aber zumindest noch einen Wettbewerb für Kreismannschaften auf die Beine. Für das Bezirksturnier hatte die FG zwar ohnehin nur sieben Mannschaften eingeplant, bekam aber nur vier Zusagen, wie Vorsitzender Frank Chrzanowski erzählt. „Und bis in den Raum Braunschweig wollten wir nicht auch noch suchen. Das ist ja dann nicht mehr attraktiv für die Zuschauer.“ Ob das Bezirksturnier eine Zukunft hat, sei fraglich, so Chrzanowski.
Fußball-Hallenturniere des GSC
Delay Sports kommt nach Goslar
Die SG Bredelem/Astfeld schaut sogar ganz in der Röhre und hat ihr für Ende Januar geplantes Turnier abgesagt. Der FC Zellerfeld und die SVG Oberharz bekommen am 11. Januar hingegen noch ein Bezirksturnier hin, aber nur noch mit zehn statt bisher zwölf Mannschaften.
„Tendenz ist sehr erscheckend“
Im Ideenstadium blieb derweil der Versuch des SV Rammelsberg, anlässlich seines 70-jährigen Bestehens zwischen den Jahren eine Art inoffizielle Stadtmeisterschaft auf die Beine zu stellen. Auch in diesem Fall war das Interesse viel zu gering. „Wir wollten mit acht Mannschaften spielen, hatten aber nur vier Zusagen“, erzählt Jens Hartwig, Beisitzer im SVR-Vorstand, der anfügt: „Die Tendenz ist erschreckend, sehr, sehr erschreckend.“
Wird Hallenfußball also zum Auslaufmodell? Ganz so einfach ist es nicht, das Thema ist vielschichtig. So hat es der FC Seesen geschafft, am Wochenende 27./28. Dezember ein neues Turnier auf die Beine zu stellen, allerdings nur auf Kreisebene – und mit Mannschaften aus Peine, Northeim und Kassel. „Es ist schon ein Krampf und viel schwieriger als früher“, sagt FC-Trainer Dennis Gläser, selbst ein glühender Verfechter des Hallenfußballs. „Man muss sehr geduldig sein und immer dran bleiben.“

„Da macht sich heute keiner einen Helm mehr“: Jens Bergmann, Organisator der Zellerfelder Hallenserie, hat verstärkt mit kurzfristigen Absagen von Mannschaften zu kämpfen. Foto: Drechsler
Augenfällig ist, dass vor allem viele höherklassige Mannschaften kein Interesse mehr am Winterzeitvertreib haben. Ein Lied davon singen kann Jens Bergmann, der zum 22. Mal die Zellerfelder Hallenturnierserie ausrichtet. Für das Bezirksturnier habe er rund 30 bis
40 Mannschaften über das DFB-net angeschrieben. Viele antworteten nicht einmal, noch mehr sagten ab. „Vielleicht hätte man es noch mal geschafft, zwölf Mannschaften zusammenzubekommen“, sagt Bergmann. „Ich habe diesmal aber bei zehn einfach aufgehört.“ Die Vorsicht zahlte sich aus, denn kurz nach der Auslosung sagte auch die eingeplante TSG Bad Harzburg ab, für die jetzt der VfL Duderstadt aus dem Kreisturnier aufrückt. Das zumindest haben sie im Oberharz gut besetzen können.
Trainer sehen zu große Verletzungsgefahr
„Es ist der allgemeine Zeitgeist. Keiner hat mehr Zeit, keiner hat mehr Lust“, benennt Bergmann seine Sicht für den Abwärtstrend. Viele Trainer würden zudem die Verletzungsgefahr als Grund für den Verzicht auf Hallenfußball angeben. „Aber die gab es vor 30 Jahren auch schon“, gibt der FCZ-Vorsitzende zu bedenken. Er weist weiter darauf hin, dass es immer schwerer falle, Helfer für eine Mehrtagesveranstaltung zu gewinnen. Weil so ein Turnier aber eine wichtige Einnahmequelle sei, will Bergmann wohl die Tradition fortführen. „Wir werden das im Sommer entscheiden.“
Fußball-Hallenturnier in Schladen
Immer mehr Kicker aus Goslar am Start
Einen neuen Anlauf will trotz der Absage auch die SG Bredelem/Astfeld nehmen. „Vielleicht gehen wir auf einen anderen Termin, vielleicht zwischen den Jahren“, sagt Organisator Claus-Eberhard Roschanski. Bisher war der SG-Cup immer eine Art Schlusspunkt der Saison. „Die Spieler haben inzwischen aber keine Lust mehr, so lange in der Halle zu spielen“, glaubt Roschanski.
In Schladen funktioniert‘s noch
Konkurrenz gibt es für sein Turnier auch durch den Samtgemeinde-Cup in Schladen, der vor einigen Jahren auf diesen Termin umzog – und weiterhin bestens funktioniert. 14 Mannschaften spielen wieder an drei Tagen den Sieger aus, weil auch das Drumherum mit vollen Rängen, stimmungsgeladener Atmosphäre, Bierpreisen für die Mannschaften und einer Cup-Party passt.
Roschanski schlägt angesichts des Abwärtstrends vor, dass sich alle Veranstalter im Nordharz mal zusammensetzen. Sollte es zu so einem Treffen kommen, könnte womöglich auch eine Tendenz beendet werden, die es den Vereinen noch schwerer macht. Einige von ihnen laden zwar gerne ein, wollen aber selbst bei anderen Turnieren nicht mehr spielen. So kann das natürlich nichts werden.
Copyright © 2025 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.