Zähl Pixel
Kenneths Einwurf

GZ Plus IconVom Moment, wenn der Ball im Netz einschlägt

Fußballspieler in Aktion bei einem Spiel vor Zuschauern, einer führt einen Fallrückzieher aus

Der deutsche Nationalspieler Klaus Fischer erzielt mit einem Fallrückzieher das 4:1 gegen die Schweiz. Der Treffer wird zum „Tor des Foto Jahrhunderts“ gewählt. Foto: picture alliance/dpa

Mit der Kunst des Toreschießens beschäftigt sich Kenneth Schuller in seiner Kolumne im Monat März.

author
Von Kenneth Schuller
Freitag, 13.03.2026, 17:27 Uhr

Sie sind im Fußball das Salz in der Suppe und oftmals schon alleine ihr Eintrittsgeld wert: Traumtore. Als der Kölner Ragnar Ache jüngst im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim zum Fallrückzieher ansetzte, sah man in diversen Zeitlupeneinstellungen, wie sich schon im Ansatz auf der Tribüne ungläubiges Staunen breitmachte. Als der Ball dann im Tor einschlug, gab es kein Halten mehr und unglaublicher Jubel entbrannte. Ache hatte den perfekten Moment erwischt – die Surfer sprechen von der perfekten Welle, die einem meist nur einmal im Leben begegnet.

Das perfekte Timing

Wird es Ache auch so gehen? In dieser Situation passte auf jeden Fall alles zusammen. Die Flanke von der Rechtsaußenposition kam perfekt, aus Aches Positionierung war nur noch der Fallrückzieher möglich, das Timing beim Absprung war genau auf die Flughöhe des Balles ausgerichtet und er traf den Ball perfekt mit dem äußeren Vollspann, sodass der Ball sich von Nationalkeeper Oliver Baumann wegbewegte und im kleinen Netz der langen Ecke einschlug.

Ein ähnliches Tor gelang im November 1987 Jürgen Klinsmann gegen den FC Bayern München. Damals noch im Trikot des VfB Stuttgart war es für den Weltmeister von 1990 so etwas wie der Startschuss zur Weltkarriere. Gar den Spitznamen Mr. Fallrückzieher bekam Stürmerlegende Klaus Fischer, unter anderem Schalke 04, zugewiesen. Sein Tor gegen die Schweiz im Ländervergleich mit der deutschen Nationalmannschaft wurde dann auch zum Tor des Jahrhunderts gewählt. Fischer selbst gab stets zu bedenken, er habe ja in seiner Karriere nur vier Tore auf diese Art und Weise erzielt. Damit stellt er aber sein Licht unter den Scheffel, denn schließlich war es ihm vergönnt viermal den perfekten Moment zu treffen.

Etwas leichter wiederholbar sind sicherlich die Traumtore nach Dribblings, was sie aber insgesamt sicher nicht viel einfacher macht. Hier ist nicht nur der eine Moment entscheidend, sondern von der Ballannahme über das Ausdribbeln oft mehrerer Gegenspieler bis zum Torabschluss muss alles perfekt sitzen.

Voraussetzung ist eine gute Balltechnik und Koordination gepaart mit gutem Spielverständnis. Als Mutter aller erfolgreichen Soli gilt sicherlich das Tor von Diego Maradona bei der WM 1986 in Mexiko im Viertelfinale gegen England. Sein zweites Tor in dieser Partie wurde auch zum Traumtor, aber eher im umgekehrten Wortsinn zum Albtraum für die Insulaner. Noch spektakulärer war 1993 das Megadribbling von Jay-Jay Okocha im Trikot der Frankfurter Eintracht gegen den Karlsruher SC. Im Strafraum vernaschte er die Abwehrspieler und den späteren Nationaltorhüter Oliver Kahn teils mehrfach, bevor er den Ball nach einem elf Sekunden langen Tänzchen ins Tor einschob.

Techniker mit kleinen Füßen

Oft auch unter die Kategorie Traumtore fallen die der Standard- und Freistoßspezialisten. Mit perfekter Technik ausgestattet, zirkeln sie den Ball über oder um die Mauer, spekulieren oft auf die möglich Bewegungen der Torhüter oder antizipieren diese gar. Unvergessen der Treffer von Roberto Carlos 1997 gegen Frankreich, als er den Ball aus 35 Meter mit dem linken Außenrist und gut 15 Meter Anlauf rechts an der durchaus gut postierten Mauer der Tricolore vorbeizirkelte.

Im Jahr 2010 klärten französische Physikforscher in dem Fachblatt „New Journals of Physics“ dann auf, wie es möglich war, dass der Ball diesen unglaublichen Bogenverlauf nahm und den Weg ins Gehäuse von Fabian Barthez fand. Wie bei vielen Technikern üblich hat Roberto Carlos recht kleine Füße und trug die Schuhgröße 38 (Diego Maradona 39).

Direkt verwandelte Ecke

Mein Spieler Jakob Kastern von der TSG Bad Harzburg zeigte am Wochenende, dass sich auch der Besuch der Amateurklubs immer wieder lohnt. Auch hier waren sein direkt verwandelter Freistoß und ein auf gleichem Wege ins Tor gehender Eckball das Eintrittsgeld wert.

Was alle Torschützen eint, ist dieser unbezahlbare Augenblick, wenn man das Gefühl für den guten Abschluss spürt und die Flugbahn des Balles verfolgen kann, bis dieser ins Netz einschlägt – und das Glücksgefühl eines Treffers sich Bahn bricht.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region