Elisabeth Steinhof – Stationen einer Flucht

Route

1. Königsberg, Stadtteil Roßgarten

Als sich die Rote Armee mit Stalinorgeln ankündigt, verlässt die Familie von Elisabeth Steinhof, damals Bartz, Mitte Januar 1945 ihre Wohnung.

2. Waldburg am Frischen Haff

Zu Fuß gelangt die Familie bei 20 Grad unter Null ins nahe Waldburg am Frischen Haff. Im dortigen Schloss, wo ein Onkel als Diener arbeitet, hat sie schon vor längerer Zeit Mobiliar in Sicherheit gebracht. Als die Russen wenig später einmarschieren und viele Zivilisten töten, hat die Familie Glück: Sie bleibt am Leben – und flieht weiter.

3. Bladiau

Bei Einbruch der Dunkelheit kann die Familie in einem Wohnhaus auf dem Fußboden übernachten, bevor es in aller Frühe weitergeht.

4. Heiligenbeil

Voller Flüchtlinge und verwundeter Soldaten ist der Flugplatz, auf dem Elisabeth Steinhof die Nacht verbringt. „Am nächsten frühen Morgen folgten wir den langen Flüchtlingstrecks über das zugefrorene Frische Haff“, erinnert sie sich. Zwei Tanten, Emiline und Heidemarie, verliert die Familie aus den Augen. Viele Flüchtlinge sterben entkräftet oder beim Beschuss durch russische Militärflugzeuge.

5. Frische Nehrung

In der eisigen Nacht kämpft Elisabeth Steinhof gegen die schreckliche Kälte und drohende Erfrierungen. „Später am frühen Morgen stießen wir auf einen abgestellten Landauer mit Federbetten, aber einem gebrochenen Rad, der sich besser als Schlafstatt geeignet hätte.“

6. Narmeln

Mit Hunderten von anderen Flüchtlingen wird die Familie auf kleinen Beibooten zu einem Schiff der Kriegsmarine gebracht. Über die nächtliche Ostsee geht es Richtung Danziger Bucht.

7. Danzig

In der Ferne sieht Elisabeth Steinhof die zur Abfahrt bereite Wilhelm Gustloff liegen. „Mit den vielen zurückgebliebenen Flüchtlingen und ihren Habseligkeiten beobachteten wir das Ablegen des Passagierschiffes, das später in der größten Schiffskatastrophe untergehen sollte“, sagt sie. Es ist der 29. Januar 1945. Nach einem ganztägigen Marsch erreicht die Familie den Hauptbahnhof, wo sie drei Tage lang auf einen Zug nach Westen wartet.

8. Lauenburg

Ein zweckentfremdeter Viehtransporter bringt die Familie in den ersten Februartagen nach Pommern, wo Elisabeth Steinhof ihren Cousin Horst und ihren Onkel Valentin wiedersieht. Übergangsquartier ist eine Waschküche: „Horst und ich durften auf dem Tisch schlafen, während die anderen auf dem Boden liegen mussten.“ Am 7. Februar gelangen die Flüchtlinge in einen Zug in Richtung Stettin.

9. Kolberg

In einem Filmtheater nahe der Hafenmole übernachtet Elisabeth Steinhof auf unbequemen Kinosesseln. Zwei Tage später geht es weiter – in einem völlig überfüllten Zug der Reichsbahn.

10. Bad Kleinen

Im Gegensatz zu allen anderen Flüchtlingen entscheidet sich die Familie, den Zug zu verlassen. Sie will einen Weg nach Braunschweig suchen, wo die Mutter ihren Sohn vermutet. Mit der Reichsbahn will sie dorthin gelangen.

11. Salzwedel

Zwei Tage lang lagert die Familie im Flur eines halbwegs erhaltenen Wohnhaus, erinnert sich Elisabeth Steinhof.

12. Braunschweig

Hungrig lungert Elisabeth Steinhof am Bahnhof herum, schläft in einem gegenüber liegenden Wohnhauses. „Nahrung in Form einer wässrigen Suppe lieferte eine noch geöffnete nahe Gaststätte“, erinnert sie sich.

13. Vienenburg

Von Braunschweig gelangt die damals 18-Jährige mit ihrer Familie nach Vienenburg, wo die Verlobte ihres Bruders Willy lebt, muss noch einen Bombenangriff britischer Tiefflieger überstehen. Die Vienenburger Stadtverwaltung weist den Flüchtlingen eine Wohnung in der Teichstraße 3 zu. Es ist der 17. Februar 1945.