Montag, 26.10.2020

„Im selben Boot“ – Eine wahre Geschichte von der Wende

Leserbrief

Die deutsche Wiedervereinigung ist nun schon 30 Jahre her: Das weckt bei Comiczeichnerin Wiebke Peters, alias Zelba, besondere Erinnerungen an die Zeit, in der sie als Teil des ersten gesamtdeutschen Ruderteams Juniorenweltmeisterin wurde.

Eigene Geschichte

Wiebke Petersen wuchs in Aachen und Essen auf, am dortigen Baldeneysee lernte sie auch das Rudern. Heute lebt die 47-Jährige der Liebe wegen in Frankreich. Dort ist sie unter ihrem Pseudonym Zelba eine bekannte Comic-Künstlerin, mit der „bürgerlichen“ Identität eine gefragte Kinder- und Jugendbuchillustratorin.

„Schon fast 30 Jahre! Kaum zu glauben!“, so ging es Wiebke „Zelba“ Petersen durch den Kopf, als sie über das Jubiläum von Mauerfall und Wiedervereinigung nachdachte. Erinnerungen kamen, und eine Geschichte nahm in ihren Gedanken Gestalt an, aus der sie eine Graphic Novel machen wollte: ihre ganz eigene Geschichte aus der Wendezeit.

Abbildung: Verlag Schreiber&Leser
Es ist eine Mädchengeschichte im Leistungssport. Was sie so besonders macht, ist der zeitgeschichtliche Hintergrund der Grenzöffnung, die für das junge Mädchen erst einmal alles durcheinander bringt. Auch im Rudersport.

Da ist Britta, ihre ein Jahr ältere Schwester, wegen der sie zum Rudersport kommt. Wiebke bewundert sie, aber manchmal hasst sie sie auch regelrecht.

Entstanden ist eine sehr persönliche und auch intime Erzählung. Denn es geht auch um das erste Mal „die Tage“ bekommen, um Pubertät und Jungen-Geschichten.

Und dann geht die Grenze auf, was in Essen erst gar nicht richtig registriert wird. Vor allem, wenn man wie Wiebke sechs Tage die Woche trainiert.

Aber dann, in Ratzeburg, im Trainingslager, wo die Auswahl der Junioren-Mannschaft stattfinden soll, treffen Wiebke und ihre neue Ruderpartnerin das erste Mal auf die „Ost“-Konkurrenz. Der deutsche Kader hat sich mit einem Mal verdoppelt. Und die Mädels und Jungs aus der DDR kommen vom Sportinternat und sind viel besser in Form als Wiebke und ihre Teammitglieder, die ihr Training zusätzlich zur Schule absolvieren. Aber ansonsten stellt sie fest, dass die „Ost“-Jungs auch nicht anders als die „West“-Jungs sind.

Wende und Sport

Ganz nebenbei erklärt Zelba alles rund ums Rudern und natürlich auch, wie das mit der Wiedervereinigung damals war. Das gelingt der Zeichnerin sehr anschaulich. Die Seiten sind fast durchgängig in Schwarz-weiß gezeichnet, was aber den Lesefluss nicht stört – ganz im Gegenteil kann der Leser sich auf die Erzählung konzentrieren. Die Bilder sind sehr detailreich, so erkennt man sogar die Gesichter im Hintergrund einer Kneipenszene.

Ein authentischer Bericht und ehrlich bis an die Schmerzgrenze.

„Im selben Boot“ von Zelba, Verlag Schreiber&Leser, 160 Seiten, 22,80 Euro









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