Freitag, 26.08.2016

Weltmeisterinnen im Rückwärtslaufen

Leserbrief
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Wolfshagen. Zwei Schülerinnen aus Wolfshagen haben beim „RetroRunning World Championship“ mehrere Titel gewonnen. Mit der Jungen Szene haben sie über ihre Erfahrungen und Erfolg gesprochen.

„Das kann doch jeder!“ – Vermutlich ist das die erste Reaktion, die einem entgegenschlägt, sobald man Rückwärtslaufen als Sport bezeichnet. Es ist aber tatsächlich eine richtige Sportart: In diesem Jahr fand in Essen die erste offizielle Weltmeisterschaft im Rückwärtslaufen statt.

Auch zwei Schülerinnen aus der Region haben sehr erfolgreich teilgenommen. Die 15-jährige Greta Schnabel und die 14-jährige Isabel Grüne trainieren beim TSV Eintracht Wolfshagen. Markus Jürgens, der amtierende Weltmeister im Rückwärtslaufen über Halbmarathondistanz, hatte beim Verein angefragt, ob nicht Interesse bestehe, bei der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Den beiden Sportlerinnen war das Rückwärtslaufen schon vorher bekannt: „Vor einem Jahr haben wir damit angefangen, aber nur als Übung während des ganz normalen Leichtathletiktrainings.“

Bei der Aussicht, bei der Weltmeisterschaft antreten zu können, fing die Gruppe an, intensiver zu trainieren. Schnell zeigte sich, dass vor allem Greta und Isabel besonderes Talent für die Disziplin hatten. Trotzdem war es für sie anfangs ein bisschen merkwürdig. „Man kennt das ja auch gar nicht als Sportart, und wenn wir trainiert haben, haben die Leute, denen wir begegnet sind, auch komisch geguckt“, erzählt Isabel. Diesen Eindruck hatte auch Greta, aber Rückwärtslaufen ist nun einmal etwas Besonderes: „Es laufen ja eigentlich alle nur vorwärts. Bei so einer Konkurrenz ist es schwer, sehr erfolgreich zu sein. Bei einer wenig verbreiteten Sportart wie Rückwärtslaufen ist das einfacher.“

Für beide Teilnehmerinnen hat sich das harte Training gelohnt, denn sie konnten einige Titel in ihrer Altersgruppe nach Hause bringen. Während sie gemeinsam Gold bei der 4 x 100 Meter Staffel holten, wurde Greta auch noch in den Distanzen 100 Meter, 200 Meter und 400 Meter Weltmeister. Isabel gewann auf der 100 und 200 Meter Strecke jeweils die Silbermedaille. Diese erreichten die beiden auch noch einmal bei der 4 x 400 Meter Staffel.

So leicht, wie viele Menschen sich Rückwärtslaufen vorstellen, ist es aber gar nicht. „Man belastet ganz andere Muskeln dabei, vor allem in den Oberschenkeln und an den Schienbeinen“, erzählen die Weltmeisterinnen. Außerdem hat man nach einem 100-Meter-Sprint rückwärts eine viel längere Regenerationszeit als bei einer vergleichbaren Strecke, die man vorwärts läuft.

Familie und Freunde der beiden waren erst einmal verblüfft, als sie von dem Plan gehört haben, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Im Endeffekt waren sie aber sehr stolz auf die beiden, und auch beeindruckt von ihrem Erfolg. Isabels Nachbarschaft hat ihr zu Ehren sogar einen Empfang veranstaltet, als sie aus Essen zurückkam.

Auch Rolf Nolte, der Trainer der Leichtathletikgruppe, war in seiner Altersgruppe erfolgreich, und hat Titel bei der 4 x 100 Meter und 4 x 400 Meter Staffel so wie auf 800 Meter gewonnen. Er sieht das Rückwärtslaufen als ein gutes Training für alle: „Wir fangen schon bei den ganz Kleinen an, das Rückwärtslaufen zu trainieren. Viele haben nämlich Probleme mit der Koordination, und die kann man so verbessern.“ Innerhalb des regulären Leichtathletiktrainings wird er weiter Einheiten einbauen, in denen das Rückwärtslaufen geschult wird. Bei der nächsten Weltmeisterschaft hofft er, mit noch mehr Teilnehmern aus dem Verein antreten zu können.

Diese findet aber erst in zwei Jahren wieder statt, dieses Mal in Dublin. Auch Isabel und Greta haben sich schon fest vorgenommen, wieder teilzunehmen. Vor allem die Atmosphäre der Weltmeisterschaft und die Möglichkeit, gegen andere Länder anzutreten, hat sie begeistert. Und sie wollen natürlich auch unbedingt ihre Titel verteidigen.








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