Freitag, 17.02.2017

Berufsberatung mit einem Roboter

Leserbrief
Kommentieren

Goslar. Der „What’sMeBot“ der Bundesagentur für Arbeit will unentschlossenen Jugendlichen den richtigen beruflichen Weg weisen. Die Junge Szene hat den Bot einem kritischen Test unterzogen.

Welcher Beruf ist für mich geeignet? Um das herauszufinden, gibt es viele Möglichkeiten. Praktika bieten zum Beispiel einen ersten Einblick in Betriebe, auf Ausbildungs-Messen kann man sich dagegen allgemein über verschiedene Berufsfelder informieren.

Die Bundesagentur für Arbeit hat jetzt einen sehr innovativen Weg gewählt, um Jugendliche zu beraten. Mit dem „What’sMeBot“ können Unentschlossene eine Art Psychotest machen, um eine Einschätzung zu erhalten. Die Idee läuft ganz modern über WhatsApp ab, ungefähr wie ein Chatgespräch: Ein sogenannter Social Bot schickt Fragen, die man entweder mit einem Emoji oder einer Zahl beantwortet.

Acht Szenarien durchläuft man dabei, bis man einem Typ zugewiesen wird: Dabei kann man als handwerklich-technisch, künstlerisch-kreativ, kaufmännisch-verwaltend oder sozial-pflegerisch eingestuft werden. Zusätzlich bekommt man auch gleich noch einen Ausbildungsberuf vorgeschlagen.

Neugierig geworden, haben wir uns für die Junge Szene mal an den Bot rangewagt und die Fragen beantwortet. Treffen die Einschätzungen unserer Fähigkeiten und Interessen ins Schwarze, oder liegen sie komplett daneben?

Stefanie Buchholz: Kritzelei nicht entscheidend

Der Test ,,What’sMeBot“ von der Bundesagentur für Arbeit erzielte bei mir das Ergebnis, dass ich zu den handwerklich-technisch interessierten Typen zähle. Echt jetzt? Um ehrlich zu sein, bin ich nicht mal in der Lage, ein Regal alleine aufzubauen, geschweige denn mein kaputtes Fahrrad oder Handy zu reparieren. Die anderen drei möglichen Ergebnisse dieses Tests würden da doch eher zu mir passen. Ich selbst hätte mich in die Kategorie sozial-pflegerischer Typ eingeordnet, wobei eher im sozialen, als im pflegerischen Bereich.

Ich denke, anhand der im Test gestellten Fragen, kann man nur schwer das passende Berufsfeld für jemanden ermitteln. Ob ich beispielsweise in einer langweiligen Unterrichtsstunde etwas in meinem Block kritzel oder nicht, verrät meiner Meinung nach nicht, ob wirklich eine künstlerische Ader in mir schlägt oder ich einfach nur so verzweifelt bin, dass ich mich irgendwie beschäftigen muss. Allerdings ist der Test sehr amüsant.

Maren Jensen: Absoluter Gegensatz zur Realität

Obwohl ich schon seit meiner Kindheit genau weiß, wo mich meine berufliche Zukunft hinführen soll, war es interessant, den Test der Bundesagentur für Arbeit auszuprobieren. In nur wenigen Sekunden bekam ich die Fragen zugeschickt.

Mein Ergebnis: Ein handwerklich-technischer Beruf. Grundsätzlich kein Problem – in vielen Handwerksberufen werden schließlich händeringend Kräfte gesucht. Dennoch entsprechen Maschinenbau und Elektrotechnik in keinster Weise meinen Fähigkeiten. Daneben war ich ein wenig enttäuscht, da der Vorschlag absolut gegensätzlich von meinem tatsächlichen Wünschen war. Jugendliche, die also schon ungefähr eine Ahnung haben, könnten durch den Test nur noch mehr verwirrt werden.

Die gestellten Fragen empfand ich zudem häufig als unpassend. In manchen Fällen hätte ich am liebsten mehrere der Antwortmöglichkeiten abgeschickt und bei manchen Fragen gar keine. Deshalb würde ich den Test nicht weiterempfehlen.

Marieke Düber: Ein kreativer Handwerksberuf?

Mal sehen, ob ich laut dem Test den richtigen Weg eingeschlagen habe. Bei den Fragen musste ich aber schon ziemlich mit den Augen rollen, sie waren doch sehr suggestiv und die möglichen Antworten wirkten auch sehr eindeutig. Mein Ergebnis lautet dann, ich sei der künstlerisch-kreative Typ. Kommt hin, auch wenn in mir nicht der nächste Picasso oder Van Gogh steckt. Da ich aber Kunstgeschichte studiert habe und auch Schreiben viel mit Kreativität zutun hat, würde ich dem Testergebnis durchaus zustimmen.

Der Berufsvorschlag des Bots war dann aber doch wieder ein Griff ins Klo: Mir wurde ans Herz gelegt, doch Steinmetz zu werden, auch wieder ein handwerklicher Beruf und nicht meine erste Wahl bei dieser Richtung. Das Programm scheint eine gezielte Intention zu haben: Jugendliche sollen motiviert werden, ins Handwerk einzusteigen. Sicherlich wird da Nachwuchs gebraucht, aber muss der Bot das wirklich so propagieren? Das wirkt nicht wirklich seriös.

Andre Peters: Idee gut, Umsetzung eher nicht so

Als ich bei der Bundesagentur für Arbeit den originalen Test ausgefüllt habe, wurde mir von dem handwerklichen Bereich abgeraten. Das hat den Grund, dass dieser Berufszweig meinen Interessen widerspricht. Ich wurde aber vom „What’sMeBot“ als „leidenschaftlicher Handwerker“ abgestempelt. An sich finde ich die Idee dieses Berufseignungstestes gut, da es Jugendlichen helfen soll, auf den richtigen Berufsweg aufmerksam zu machen. Auch der Fakt, dass sie den YouTuber „Julien Bam“ für den Test rangeholt haben, ist sehr attraktiv für Teenager. Sogar, dass sie Emojis als Alternative zu „1,2,3,4“ genommen haben, zeugt von Interesse an der Jugend und deren Zukunft.

Leider gibt es aber auch zu wenig Antwortmöglichkeiten, oft konnte ich nicht meine realistischste Reaktion wählen, sondern musste auf das, was am ehesten von den Möglichkeiten zutrifft, zurückgreifen. Allem in allem kann ich also sagen, dass die Idee gut ist, aber die Umsetzung mir eher missfällt.

 



Weitere Topthemen aus der Region:
  • Archiv
    Interesse der Öffentlichkeit ist gering
    Mehr
  • Archiv
    Ein weißes Wochenende – und dann?
    Mehr
  • Archiv
    Feuerwehr-Übung stellt schwierige Aufgaben
    Mehr
  • Archiv
    Feierlicher Advent mit den Service-Clubs
    Mehr
  • Archiv
    Zehn neue Schilder
    Mehr
  • Archiv
    Besinnlichkeit trifft Temperament
    Mehr
  • Archiv
    Harzklub bittet zum Basteln und Backen
    Mehr
  • Archiv
    Neue Mitte wird erstmals zum Treffpunkt
    Mehr
  • Archiv
    Preis für Clausthaler Forscher
    Mehr
  • Archiv
    Selten waren so viele Sternsinger im Einsatz
    Mehr