GSC 08

GSC-Trainer Wölpper: „Systeme werden überbewertet“

15.01.2010
Von Björn Gabel

GSC-Trainer Wölpper: „Systeme werden überbewertet“

Wenn Manfred Wölpper zu Bochumer Zeiten mal so gar nicht mit seiner Mannschaft zufrieden war, dann schickte er die Spieler zur Besinnung für ein paar Stunden unter Tage. Insofern hat es der neue Trainer des GSC 08 richtig getroffen, diese Form des Teambuildings wäre auch im Rammelsberg problemlos möglich.

Goslar aber hatte der 52-Jährige, das sagt er frank und frei, bis vor wenigen Wochen nicht auf der sportlichen Landkarte. „Ich habe mal die Tabelle gelesen, das war aber auch schon alles“, erzählt Wölpper.

Seine ganzes Leben – er arbeitete 25 Jahre lang als Betriebsschlosser in einem Bergwerk – war bisher ausschließlich im Westen der Republik verortet, auch fußballerisch. Er spielte unter anderem in Dülmen, trainierte in Marl-Hüls, Erkenschwick und beim VfB Bochum, mit dessen U 23-Mannschaft er die internationale Nachwuchsrunde gewann. Nach seinem Aus bei den Sporfreunden Lotte im August 2008 war er ohne Job, arbeitete ab und an in der Fußballschule von Ex-Nationalspieler Bernhard Dietz. „Das war eine schöne Erfahrung, aber auf die Dauer nichts.“

„Mit Feuereifer dabei“

Als das Angebot des GSC kam, habe er nicht lange überlegen müssen. „Die Zeit war reif, ich bin topmotiviert. Ich bin mit Feuereifer dabei, gehe aber nicht mit blindem Aktionismus ran“, sagt Wölpper. Dass die Ausgangslage alles andere als rosig ist, konnte ihn auch nicht schocken.

Letzter Platz, elf Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, eine Mannschaft, die sein Vorgänger Goran Barjaktarevic zu großen Teilen nach seinem Gusto zusammengestellt hatte und die eng am Trainer hing – das alles blendet der DFB-Fußballlehrer aus. „Gestern war heute Morgen spätestens vorbei“, lautet einer seiner Lieblingssätze.

Der Blick richtet sich nach vorn, und die ersten Eindrücke seien positiv. „Ich bin recht angetan vom Niveau der Mannschaft“, sagt Wölp- per. „Ich kann tiefe Enttäuschung bei den Spielern nicht erkennen. Im Gegenteil: Sie sind total motiviert, die haben beim Training fast die Halle abgerissen.“

Eines könne er schon jetzt versprechen, die Mannschaft werde zum Rückrundenauftakt am 7. Februar in Lübeck körperlich topfit sein. Was er dem Team bis dahin außerdem vermitteln könne, hänge auch davon ab, wann endlich Training auf einem Rasenplatz möglich sei. Die Bedingungen in der LaOla-Halle seien zwar optimal, das Spiel elf gegen elf aber durch nichts zu ersetzen.

Wölpper sieht sich nicht als Systemfanatiker: „Das wird überbewertet, das Meiste ergibt sich ohnehin auf dem Platz. Es ist doch am besten, wenn die Spieler auf aktuelle Spielanforderungen selbst reagieren.“ Er halte zudem nicht viel davon, sich zu sehr mit dem Gegner zu beschäftigen. Insofern sei es auch nicht von Nachteil, dass er die Fußballszene im Norden und Osten bisher nur in Bruchstücken kennt. „Die Informationen, die wir benötigen“, gibt sich Wölpper überzeugt, „die werden wir auch immer wieder parat haben.“

Noch im Hotel

Er wohnt derzeit in Goslar noch im Hotel, wird in den kommenden Tagen aber eine Wohnung beziehen. Dann ist er erstmals getrennt von seiner Frau, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist und die mit den beiden Töchtern in Marl ein Nagelstudio betreibt. Goslar sei „beeindruckend schön“, das habe er bei einem ersten Gang durch die Stadt schon bemerkt. „Ich werde meiner Frau die Stadt bald zeigen“, sagt Wölpper. Womöglich ja auch den Rammelsberg.

drucken versenden kommentieren Leserbrief schreiben

Zum Thema