Othfresen: Wo die Energiewende schon lange Thema ist

Othfresen: Wo die Energiewende schon lange Thema ist
Blick vom Galgenberg auf Othfresen: Rund um den Hügel erstrecken sich die selten gewordenen Kalkmagerrasenflächen. Foto: Gereke

Nach einigem Blättern in den Bewerbungsunterlagen wird klar, warum in den Augen der Bewerbungsmacher ihr Ort Zukunft hat: „Othfresen ist geil“ prangt dort in großen Lettern. Zu diesem Thema angestupst sprudeln Sätze der Zukunftsfähigkeit aus den Mündern der Ortsratsmitglieder Bernd Möller und Erhard Gernert heraus.
„Würden wir unserem Ort ein Leitbild geben wollen, es würde ,Wachstum durch Gemeinschaft‘ heißen“, erklärt Gernert. „Die Dorfgemeinschaft wird bei uns unheimlich hochgehalten. Das Dorffest ist das Highlight des Jahres – es schweißt zusammen“, ergänzt Ortsbürgermeister Möller.

Strom aus 3,3 Hektar

Und dann beginnt der erste Bürger des Ortes, aufzuzählen. Othfresen biete Zukunft an Arbeitsplätzen. Im Ort gebe es mehr als 60 Gewerbetreibende. Dazu gehören Großbetriebe wie Brennecke Wurstwaren und Einzigartiges in der Welt, wie die Studiengesellschaft für Eisenerzaufbereitung in der ehemaligen Grube Ida. Auch dort gibt es 23 Arbeitsplätze. Und genauso einzigartig ist die Wurzelraumkläranlage. Gebaut wurde sie am ehemaligen Klärteich der Grube Ida. „Sie ist umweltfreundlich und hat nur etwa 20 Prozent der Betriebskosten gegenüber der herkömmlichen Kläranlage bei Klein Mahner“, sagt Gernert.
Der Posthof sei ein Standort mit freien Flächen im Gewerbepark. Othfresen habe schon vor dem Reaktorunglück in Fukushima von der Energiewende gesprochen. Landwirt Pommerehne nahm im vergangenen Jahr auf 3,3 Hektar eine große Photovoltaikanlage in Betrieb. „Zusammen mit den vielen Photovoltaikanlagen auf den Dächern sowie dem Wasserkraftwerk Posthof könnten wir uns mit Energie selbst versorgen“, unterstreicht Möller. Zum Thema Energiewende passen auch die Überlegungen zum neuen Feuerwehrgerätehaus. Das wird gebaut – und es soll ein Plus-Energie-Haus werden, so lautet die Idee.

Einiges zum Wuchern

Naherholung und Umwelt spielen ebenfalls eine große Rolle in Othfresen: Berühmt sind die Kalkmagerrasenflächen rund um den Galgenberg sowie die renaturierte Gipskuhle. Ehrenamtliche Umweltschützer sorgen dafür, dass alles erhalten bleibt. „Nur noch 0,00028 Prozent, das entspricht 460 Hektar der Fläche von Niedersachsen, sind Kalkhalbtrockenrasen. Zehn Prozent davon liegen in der Gemarkung Othfresen“, erläutert Gernert. Um alles entsprechend auch genießen zu können, befinden sich laut Möller viele Ruhebänke im und um den Ort herum. Zukunft herrsche aber auch in Sachen Bauen. Dank eines Baulückenkatasters könne Bauwilligen auch ohne Baugebiet Land angeboten werden. Dank der Dorferneuerung haben die Othfresener einen tristen Parkplatz in einen schmucken Dorfmittelpunkt verwandelt. Groß geschrieben werde im Ort die Kinder- und Jugendarbeit, an der sich viele Vereine beteiligen. „Wir haben einige Dinge, mit denen wir wuchern können“, zieht Möller ein stolzes Fazit.

 

DATEN & FAKTEN

Ort: Othfresen
Kommune: Gemeinde Liebenburg
Einwohner: 2098
1. urkundliche Erwähnung: 950
Öffentliche Einrichtungen: Dorfgemeinschaftshaus, Sportplatz, Grundschule, Kindergarten (ab 1. August mit Krippenangebot), Sporthalle, Bauwagen (Heimerode) und Container (Othfresen) für Jugendliche, Gemeindehaus der evangelischen und der katholischen Kirche Vereine/Organisationen: Freiwillige Feuerwehr, FC Othfresen, MTV, RC Einigkeit, Kinderchor, Siedlergemeinschaft Heimerode (Auswahl von insgesamt 28 Vereinen) Ortsbürgermeister: Bernd Möller