Neuenkirchen: Wo die Helfer freiwillig kommen

Von Andreas Gereke

Neuenkirchen: Wo die Helfer freiwillig kommen
Im Dorfzentrum finden sich viele Beispiele, wo die Neuenkirchener ehrenamtlich anpackten – so beim Bau des Kirchwegs. Foto: Gereke

Die Neuenkirchener haben etwas Großes vor: Vom Tiefpunkt aus wollen sie ganz nach oben. In der Gemarkung des Ortes liegt der tiefste Punkt des Landkreises Goslar – nur 100 Meter über dem Meeresspiegel liegt er. Er ist eine der Sehenswürdigkeiten und, wenn man so will, der Ausgangspunkt, von dem es für die Neuenkirchener ganz nach oben beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gehen soll.
Beim Vergleich der vier Teilnehmerorte fällt vor allem die Größe ins Auge: Während die drei Mitbewerber Einwohnerzahlen im vierstelligen Bereich haben, zählt Neuenkirchen gerade mal 247 Seelen. Und trotzdem sind sie dort fest von ihrer Zukunft überzeugt. Die Basis dafür bilden drei Elemente: die Zentralität, der Wohlfühlfaktor und die Gemeinschaft. „Unser Ort ist durch einen unheimlichen Zusammenhalt geprägt. Die Gemeinschaft strahlt über den Ort hinaus, und sie packt mit an, wenn es darauf ankommt“, berichtet Ortsbürgermeister Bernd Quadt.

Zentralität als Pfund

Werden freiwillige Helfer gesucht, muss man in Neuenkirchen nicht lange bitten. Während vielerorts schnell nach der Hilfe von oben, sprich von der Kommune, gerufen wird, richten sie in Neuenkirchen vieles selbst. Die Liste der realisierten Projekte ist lang: Sie reicht von der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses über die Errichtung einer barrierefreien Auffahrt zur Kirche bis hin zur Renovierung des Jugendraums.
Als weiteres Pfund wuchert Neuenkirchen mit der Zentralität: „Ich wohne gerne hier, es gibt nichts Besseres“, erklärt Quadt. Neuenkirchen sei optimal gelegen. Über die L500, „dem Rübenschnellweg und der Lebensader zwischen West und Ost“, so Quadt, erreiche man von Neuenkirchen aus schnellstmöglich die Metropolen des Landes. Vom Dorf aus ist auch ein Rundumblick möglich – er schweift nicht nur über große Anbauflächen. Die Neuenkirchener fördern auch den Naturschutz – sei es mit dem Anlegen einer Streuobstwiese oder dem Bau von Niststelen für Insekten.

In der Dorferneuerung

In Neuenkirchen sehen sie es nicht als tragisch an, dass es keine Schule am Ort gibt. Die Haltestelle für Schüler haben sie auf den Dorfplatz verlegt, über den nicht der Durchgangsverkehr rollt. Von dort würden die Kinder per Bus zur Schule gebracht. Das sei sicherer als manch Fußweg zur Schule. Auf dem Dorfplatz machen auch Schlachter oder Fischhändler mit ihren Mobilen Station.
Stolz sind sie in Neuenkirchen auf die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm. „Als einer von zwölf Orten in ganz Niedersachsen. Zehn Jahre haben wir darum gekämpft. Wenn wir etwas wollen, dann lassen wir nicht nach“, erklärt Alt-Ortsbrandmeister Klaus Stövesand im Brustton der Überzeugung. Und auch ohne Baugebiet können sie in Neuenkirchen Bauland anbieten – das Baulückenkataster der Gemeinde macht es möglich. „Bei der Bebauung arrangieren sich Altes und Neues nebeneinander gut“, findet der ehemalige Ortsvorsteher Hans-Hermann Krusekopf. Dabei setzen die Dörfler auf regenerative Energien – davon zeugen die zahlreichen Photovoltaikanlagen. Neuenkirchen punktet in den Augen der Bewohner auch mit seiner idyllischen Landschaft – und die Menschen bleiben. In den 80er Jahren war ein Filmteam im Ort, befragte Kinder, ob sie denn von Neuenkirchen weg wollten. Keines wollte – und mittlerweile erwachsen wohnen die damals Befragten noch immer in Neuenkirchen und haben nun selbst Kinder.
Krusekopf summt: „Nicht weit vom Harz in grünem Kleid, da hält mein Dörfchen sich bereit...“ Es ist die erste Zeile des Liedes „Oh, Du mein Neuenkirchen...“ – ja, dort sind sie bereit für den Wettbewerb.

 

DATEN & FAKTEN

Ort: Neuenkirchen
Kommune: Gemeinde Liebenburg
Einwohner: 247
1. urkundliche Erwähnung: 1131 (Vorgängerort Eilenrode)
Öffentliche Einrichtungen: Dorfgemeinschaftsanlage, Spielplatz mit Bolzplatz, Jugendraum, Kirche, Dorfstube als Museum
Vereine/Organisationen: Freiwillige Feuerwehr, Heimatkreis, Seniorenkreis, Frauenhilfe sowie viele Dorfinitiativen
Ortsbürgermeister: Bernd Quadt