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Wenn Radlerauge umsonst sucht
Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet im Landkreis längst nicht überall Hilfen
Von Friedrich Metge

Wo geht’s lang? Ein Blick in die Karte bei gleichzeitiger Sicht auf den Brocken am Horizont.Foto: Epping
GOSLAR. Radeln ist gesund. Sehr gesund. Manchmal allerdings auch stressig. Beispielsweise dann, wenn man durch die Landschaft radelt und plötzlich nicht mehr weiter weiß, weil nirgendwo ein Hinweis auf das auserkorene Ziel zu finden ist. Wer sich auskennt, ist im Vorteil, wer aktuelles Kartenmaterial hat, auch. Für all die anderen gibt es Hinweisschilder. Sollte man meinen. Dem aber ist nicht so. Auf diesem Gebiet herrscht Nachholbedarf.
Ein Sonntag im Mai, 11.30 Uhr. Start zu einer Fahrradtour von Goslar nach Seesen-Winkelsmühle.
Bis Langelsheim ist das kein Problem. Es gibt ausgebaute Radewege, durch Astfeld fahren kaum noch Autos und der Wind weht aus der richtigen Richtung – von hinten.
Erste Irritationen
In Langelsheim dann die ersten Irritationen. Wo müssen wir abbiegen, um nicht auf die neue B82 zu gelangen. Nach kurzem Abstecher durch die Feldmark geht es zurück auf die alte B82 und dann kurz vor der „Neuen“ nach links über die Bahnbrücke hoch zum Waldrand, um über die ganz alte Bundesstraße nach Neuekrug zu radeln. Von dort führt der Radweg längs der B248 nach Seesen. Ein entgegenkommender schwer bepackter Radfahrer ist nicht ganz sicher, ob er noch auf dem richtigen Kurs Richtung Langelsheim ist. Schilder habe er nicht gesehen. Ein erleichterter Blick: Noch ist er auf dem rechten Weg.
Wir radeln weiter, biegen am Ortseingang Seesen nach rechts zur Winkelsmühle ab und müssen bedauernd feststellen: Gasthaus geschlossen. Nichts für den Magen, nichts gegen den Durst. Weiter geht es nach Bornhausen. Und das auf teils abenteuerlichen Pfaden, nämlich durch den Wald und auf der stillgelegten Bahnstrecke Seesen – Derneburg. Nur ist die in diesem Bereich nicht als Radweg ausgebaut. Das Gleis liegt noch, also wird geschoben. Irgendwie kommen wir dennoch nach Bornhausen.
Und landen wieder auf der alten Bahnstrecke. Nur dass sie von hier bis Rhüden als Radweg ausgebaut ist. Zwar suchen wir einen Weg abseits der Straßen nach Hahausen, der ist jedoch nirgends zu finden. Fahren wir eben nach Rhüden, auf dem ausgeschilderten Radweg haben wir leichtes Spiel. Von Rhüden hätten wir durchaus nach Hahausen fahren können, allerdings über die B82, die hier als Autobahnzubringer nicht gerade dazu animiert, sie als Radler zu benutzen. Zu viele und vor allem zu schnelle Autos.
Auf die Frage nach einer stressfreien Alternative für Radler gibt es keine Antwort. Wahrscheinlich existiert jene auch nicht. Eine Radwegbeschilderung jedenfalls ist nur Richtung Derneburg zu entdecken. Nur ist das nicht unser Ziel. Was bleibt, ist, sich wieder in den Sattel des Stahlrosses zu schwingen und bis Bornhausen auf der gleichen Strecke zurückzuradeln. Von Bornhausen dann durch den Wald (ausgeschildert) nach Hahausen.
Dort gibt es dann erneut Orientierungsprobleme. Aber der Zufall ist auf der Seite der Radler: Die gewählte Straße war die richtige. Wir sind in Neuekrug, können von dort auf bekanntem Terrain zurückradeln. Dumm nur, dass der Windweiter aus der bekannten Richtung weht. Jetzt also von vorne. Sechs Stunden und gefühlte 100 Kilometer später sind wir wieder in Goslar. Nachdem uns ein kleines Schild (!) über einen Berg geschickt hat. Obwohl es eine bequemere Route gibt.
Noch viel zu tun
Der Wunsch nach Essen und Trinken wird ergänzt durch den nach einer besseren Beschilderung, die dem Radler auch in freier Natur den richtigen Weg zeigt. Wer beispielsweise von Goslar nach Nauen radeln will, steht vor demselben Probleme. Viele Wege, aber kein Hinweis, welcher nach Lutter, Nauen oder Bredelem führt. Defizite gibt es noch reichlich und dementsprechend noch viel zu tun.
Mit diesem Beitrag beendet die GZ ihre kleine Serie zum Europäischen Tag des Fahrrads.
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