Pedalers kleine Helfer: Fahrräder mit elektrischer Trethilfe sind auf dem Vormarsch

Von Andreas Rietschel

Fahrräder mit elektrischer Trethilfe sind auf dem Vormarsch

Vor Dir der Berg. Gleich beginnt die Steigung in Richtung Oberharz, sie verheißt Dir Qualen. Wäre da nicht dieser kleine Zerberus an der Radnabe, der Dir viele Mühen abnimmt. Während andere gleich aus dem Sattel müssen und mühsam ihr Körpergewicht in die Pedale wuchten, überholst Du sie im Sattel sitzend , grinsend und leichten Fußes. Dank eines Pedelec. Denn mehr und mehr Pedaler treten heute munter mit Motor.
Für den klassischen Fahrradfahrer mag das glatter Betrug sein, ja Verrat am Ehrenkodex aller Pedalritter, die nur die eigene Muskelkraft als Fortbewegungsmittel anerkennen. Für Menschen aber, die gerne ein wenig komfortabler unterwegs sind, ist es eine wunderbare Hilfe. Eine Hilfe, die offenbar auch mehr und mehr Nachfrage erfährt. Denn der Markt ist mittlerweile riesig. Bis Ende 2010 wurden in Deutschland nach Auskunft des Zweirad-Industrie-Verbandes 200 000 E-Bikes verkauft. Seit Jahren gibt es Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.
Preislich gibt es abgesehen von Discounter-Angeboten deutlich unter 1000 Euro nach oben keine Grenzen. Das Gros des Angebotes bewegt sich aber um die 2000 Euro. Für dieses Geld bekommt man heute in der Regel gute Qualität von Markenherstellern mit entsprechenden Garantien. Was können Pedelecs, die auch als E-Bikes bezeichnet werden? Die Elektromotoren sind mittels Sensor an die Pedale gekoppelt und unterstützen damit des Radlers raumgreifenden Tritt. Und nur dann, wenn er tritt, unterstützt Motorkraft den Radfahrer beim Treten. Und dies in regelbarem Umfang.
Dabei sind mittlerweile respektable Entfernungen möglich. Tourenradler, die im Eco-Modus (also nur mit leichter Motorkraftunterstützung) unterwegs sind, können mit einer Akkuladung bei gemäßigtem Tempo und eher sanft gewelltem Gelände durchaus 80 bis 90 Kilometer zurücklegen. Der notorische Bergkraxler hingegen wird mehr Motorunterstützung brauchen, sein Radius verkleinert sich entsprechend.
Und mehr noch: Bei den meisten Rädern gibt es die Möglichkeit, einen Ersatz-Akku zu erwerben, mit dem man den Streckenradius verdoppeln kann. Die Preise sind noch recht unterschiedlich, so zwischen 300 und 900 Euro muss man dafür ausgeben.
Gängig sind derzeit drei Motorentypen. Der Mittelmotor (Bosch hat gerade ein recht effizientes Modell mit einer Auflagezeit von nur 2,5 Stunden auf den Markt gebracht) gilt als für das Fahren ausgewogen. Der Heckmotor (von Bionx beispielsweise) arbeitet in einigen Modellen mit Rekuperation (also mit der Rückgewinnung von Energie bei Bergabfahrten) und hilft so durch die Wiederaufladung des Akkus die Fahrzeit zu verlängern.
Hinzu kommen noch Frontmotoren und die Möglichkeit, sein Fahrrad mit einem Elektromotor nachzurüsten. Was natürlich preiswerter ist als eine Neuanschaffung, aber nicht bei jedem Fahrradmodell möglich. Wer es schneller haben will, kauft sich ein E-Bike. Während Pedelec überwiegend durch E-Motoren mit einer 250 Watt-Leistung ausgerüstet sind, haben E-Bikes stärkere Motoren bis Tempo 45 km/h, die zulassungspflichtig sind. Neben der Betriebserlaubnis samt notwendigem Versicherungskennzeichen muss der Fahrer mindestens einen Mofa-Führerschein besitzen. Wohl aus diesem Grund sind E-Bikes auf dem Zweiradmarkt weniger nachgefragt als Pedelecs. Der Markt für Fahrräder mit Trethilfe umfasst mittlerweile mehrere hundert Modelle aller namhaften Hersteller. Sie kommen vor allem aus Deutschland, den USA, Holland Großbritannien und der Schweiz.
Den Status eines Fahrrads besitzen Pedelecs jedoch nur, so lange das Aggregat den Fahrer mit einer maximalen Leistung von 250 Watt unterstützt, diese bei Tempo 25 endet und keine Leistung liefert, sobald nicht mehr in die Pedale getreten wird. Anders sieht es hingegen bei den S-Pedelecs aus, die diese Werte überschreiten und bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometer unterstützen.
Dann ist neben dem Kennzeichen ein Führerschein, Klasse M notwendig. Eine Helmpflicht gibt es im Übrigen nicht, ist aber aus Sicherheitsgründen zu empfehlen. Die Stromkosten für ein Pedelec werden in etwa mit zehn Cent pro Akkuladung angegeben, sind also gegenüber dem Autoeinsatz auf Kurzstrecke unschlagbar günstig. Die Reichweite beträgt damit zwischen 35 und 80 Kilometern. Einen vielleicht nicht unwichtigen Unterschied gibt es noch. Da mancher Radfahrer von „mobilen Telefonaten“ nicht lassen kann, sollte er bedenken: Pedelec-Fahrer sind Radler und müssen, sofern erwischt, 25 Euro bezahlen. S-Pedelec- und E-Bike-Fahrer werden hingegen mit 40 Euro zur Kasse gebeten und bekommen Punkte in Flensburg.

 

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