Interview mit Oberbürgermeister Henning Binnewies: Das Gelände an die Goslarer zurückgeben

 

Im Gespräch mit der Wirtschaft: Bei der symbolischen EFZN-Grundsteinlegung am 7. Dezember 2007 unterhält sich Oberbürgermeister Henning Binnewies mit den Goslarer Unternehmern Dr. Jochen Stöbich und Hans-Joachim Tessner (von rechts). Archivfoto: Schenk

Als Chance für die gesamte Stadt sieht Goslars Oberbürgermeister Henning Binnewies die Ansiedlung des Energieforschungszentrums Niedersachsen (EFZN) in der ehemaligen Bundesgrenzschutz-Kaserne am Stollen.  Er spricht im GZ-Interview mit GZ-Redakteur Frank Heine über den Stellenwert der Energieforschung, erhoffte Firmenansiedlungen und einen alten Goslarer Namen, der in jüngster Zeit rund um den Rammelsberg wieder häufiger Erwähnung findet.

Herr Binnewies, Goslar hat für das EFZN viel Geld in die Hand genommen und ins Gebäude investiert – eine gute Anlage?

Eine hervorragende Anlage. Wenn wir uns angucken, wo in Zukunft die Forschungs-, Entwicklungs- und die industriellen Schwerpunkte liegen, dann ist das mit Sicherheit im Bereich der Energie. Und wenn wir sagen, unsere Rohstoffe in Deutschland sind in den Köpfen, dann macht es Sinn, genau in Bildung und genau an der Stelle an der Basis auf der einen Seite mit der TU Clausthal und in den Schulen zu investieren, aber auch bei den Übergangstechnologien – also im Bereich industrienaher Forschung, bei der Forschungsergebnisse auf kürzestem Weg an den Markt gebracht werden.

Erklären Sie mal den Goslarern kurz, warum die Entwicklung am Stollen für die Stadt so wichtig ist.

Weil wir es mit einem natürlich eingebetteten und gewachsenen Standort zu tun haben und wir auf Ressourcen der TU Clausthal zurückgreifen können. Weil Industrie und Gewerbe Interesse haben, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und sich aktiv einzubringen. Und weil wir hier einen Standort haben, den wir vor vielen, vielen Jahren gekauft haben und den wir nun endlich mit Leben füllen können.

Aber wie bringen Sie den Goslarern das EFZN gedanklich näher und die Goslarer öfter aufs Gelände?

Indem wir dort mehrere Veranstaltungen im Jahr anbieten. Das geht am 17. Juni los mit der Eröffnung der Energiemesse. Aber zuerst mal, indem wir ganz einfach die Türen geöffnet haben. Es ist ja ein Gelände, das jahrzehntelang der heimischen Bevölkerung entzogen war. Wir werden dort heimische Firmen haben, die sich nach und nach ansiedeln. Und wir werden mit einem Bistro, einer privaten Grundschule und später mit einer Kindertagesstätte dort ein Gelände haben, das quasi an die Goslarer zurückgegeben wird.

Das Technologie- und Gründerzentrum Goslar (TGZG) wurde 2007 im Nebenhaus aus dem Boden gestampft, um Zeichen für das EFZN zu setzen. Was passiert jetzt mit dem Gebäude – teilweiser Leerstand?

Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Leerstand kurzfristig eintreten wird, das Ganze sich aber anschließend genauso schnell wieder füllen wird.Wenn die Forschungsintensität im EFZN-Zentralgebäude zunimmt, wird auch die Zahl der Aus- und Neugründungen steigen. Genau hier liegt die Thematik der Innovation: von der Forschung in die Wirtschaft hinein. Innovation braucht eben einmal die Nähe zur Forschung, aber ganz besonders die Nähe zur Wirtschaft.

Das Stichwort Privatschule fiel schon. Abgesehen von der Primaria Goslar, die jetzt ein Jahr später kommen soll als geplant: Wen hätten Sie noch gerne am Stollen angesiedelt? Ein zarter Hinweis: Neben der Iserlohner Privathochschule BiTS geistert gerade der Name Siemens durch die Stadt.

Nun geistert der Name Siemens ja schon seit Jahrhunderten durch diese Stadt. Mit dem Namen Siemens ist hier immer Erfolg verbunden gewesen und immer auch die Hoffnung auf weiteren Erfolg. Insofern ist die Idee, die Professor Beck ins Spiel gebracht und zur Diskussion gestellt hat, natürlich eine Idee, die Tradition und Fortschritt in einer Stadt verbindet, die Heimat von Siemens gewesen ist – und dann auch bei der Fort- und Weiterbildung wieder werden soll. Das ist unsere feste Absicht.

Ich sehe aber auch eine ganze Reihe anderer Goslarer Firmen, die nicht nur Interesse an Räumlichkeiten bekundet haben, sondern mit denen wir erst vor Kurzem Mietverträge unterschrieben haben und die sich dort oben ein Standbein sichern wollen, um eben diese Nähe zur Forschung zu haben.

Mal weg vom EFZN: Wenn der designierte Bundespräsident und Niedersachsens Noch-Ministerpräsident Christian Wulff am 17. Juni nach Goslar kommt und Sie als Gastgeber einen Wunsch frei hätten – was soll Hannover Goslar Gutes tun?

Weitere Forschungseinrichtungen aus dem Energiesektor hier in Goslar ansiedeln, damit wir wirklich ein Zentrum werden für die Energieforschung. Denn nur dies macht wirklich Sinn: nicht überall ein Bisschen, sondern wenn, dann richtig und konzentriert auf die Energieforschung. Das wäre mein Wunsch.