Langelsheim: Die alten Neubaugebiete reichen noch

Baustelle in der Ringstraße: Die Nutzung des Grundstücks für Gewerbe und Wohnen verhindert Leerstand im Zentrum. Foto: Kusian-Müller

Von Ralf Blasig

Ein Qualitätsproblem beobachtet Bürgermeister Henning Schrader auf dem Langelsheimer Wohnungsmarkt. „Bei den Wohnungsgesellschaften im Stadtgebiet ist nach unserer Kenntnis von einem Leerstand von 10 bis 20 Prozent auszugehen“, berichtet er. Schwer an den Mann zu bringen seien vor allem Objekte, die nicht den heutigen Ansprüchen angepasst worden seien. Für kleine Wohnungen ohne Balkon beispielsweise fehlten oftmals die Interessenten.

Der Verwaltungschef rät den Eigentümern zum Investieren, spricht jedoch auch offen über das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung, das sich ebenfalls auf den Wohnungsmarkt auswirke. „Wie andere Kommunen auch haben wir zu wenig Geburten“, sagt Schrader. Zwar ziehe Langelsheim mit seinen vielen Arbeitsplätzen in der Industrie immer wieder neue Bürger an, dennoch werde die Einwohnerzahl wie in der ganzen Region stetig zurückgehen.

 Abgefedert werden die Folgen dadurch, dass die Wohnflächen pro Kopf wachsen. Nach Todesfällen lebe der verbliebene Partner häufig allein in der zuvor zu zweit genutzten Wohnung, nennt Schrader ein Beispiel.

Zudem stellen jüngere Mieter nach seinen Erfahrungen deutlich höhere Ansprüche an ihre Unterkunft als die Nachkriegsgeneration. „Wir haben in der Beziehung etwas anderes kennen gelernt“, sagt der 62-Jährige. Trotz bescheidener Ansprüche – gerade in der Versorgung Älterer sieht Schrader angesichts ihrer wachsenden Zahl Verbesserungsbedarf.

„Ausbaufähig ist das betreute Wohnen“, räumt der Bürgermeister ein. Schließlich wollten die Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Neubaugebiete mit freien Plätzen gibt es im Stadtgebiet noch in Wolfshagen und Bredelem, an neue Areale ist Schrader zufolge vorerst nicht gedacht. Sinnvoller sei der Verkauf bestehender Häuser, um Leerstand in den Ortskernen zu vermeiden.

Wie dies funktionieren könne, zeige eine große Baustelle in der Langelsheimer Ringstraße: Auf dem Grundstück eines alten Hauses entstehe dort nach dem Auszug des Besitzers ins Altenheim eine Immobilie für Gewerbe und Wohnen. Solche Projekte im Stadtzentrum haben aus Sicht des Bürgermeisters gleich einen doppelten Vorteil: Zum einen werde unschöner Leerstand vermieden, zum anderen könnten die vorhandenen Straßen sowie Leitungen für Wasser und Abwasser genutzt werden.