Transport der Werke: Kraft und Köpfchen für Rileys Riesen

Durch welchen Eingang könnte diese Kiste passen? Im Mönchehaus steht eine Hand voll Helfer mit „tragenden Rollen“ bereit. Foto: Schenk

Von Sabine Kempfer

GOSLAR. Die Ankunft der Kaiserringträger-Werke im Mönchehaus-Museum für moderne Kunst ist jedes Jahr wieder ein besonderes Erlebnis – und der Transport eine der zentralen Aufgaben der Kaiserring-Vorbereitung. Gelöst wird auch sie von der Kaiserringbeauftragten Inge Langner.

Montagmorgen im Mönchehaus. In der Däle ist kaum noch ein Durchkommen, seit die Kunstspeditionen ihre gewichtige Ware abgeladen haben. 15 große Ölgemälde und 80 Papierarbeiten von Bridget Riley sind eingetroffen und harren darauf, enthüllt, an Ort und Stelle gebracht und dort aufgehängt zu werden.

Jeder Zentimeter zählt

Es sind die großen Werke, die solche Transport-Tage immer wieder spannend machen. Passen sie um die Ecken, durch die Türen oder durch den Garteneingang? Das Museumsteam ist flexibel – es hat auch schon Türen ausgebaut.

Natürlich sind die Formate vorher bekannt. Aber erstens kommen noch „kriegsentscheidende“ Zentimeter durch die Verpackung hinzu, zweitens weiß jeder, der schon einmal umgezogen ist, dass bei aller Vorausberechnung und Vorstellungskraft manche Dinge eben einfach ausprobiert werden müssen. Dieses Mal geht alles glatt – die Türen können bleiben.

Zu den Gesichtern, die Tage wie diesen begleiten, gehört das von Heike Billerbeck. Die freiberufliche Restauratorin aus Braunschweig macht die Transportabnahme, sie schreibt das „Zustandsprotokoll“. „Ihr entgeht nichts“, weiß Inge Langner. Das Protokoll fragt nach allen Arten von Schäden vom Kratzer über den Knick und die Beule über Wellen, Blasen und Risse bis hin zu Löchern, Vergilbungen, Verschmutzungen sowie Klebstoffresten, Schimmel und Wasserrändern – und damit ist die Liste noch nicht abgearbeitet. Billerbeck dokumentiert, in welchem Zustand die Werke eintreffen und in welchem sie das Haus wieder verlassen.

Was dazwischen passiert, verantwortet das Museum – ohne Versicherung könnte dort wohl niemand ruhig schlafen. Die Riley-Arbeiten kommen aus London, aus dem Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, aus Vaduz und Genf. Ein Großformat ist überseetauglich unter stoßfesten Wabenplatten verpackt, es war, wie die Hülle verrät, kürzlich in Washington, ist jetzt aber aus einer Privatsammlung in Europa dazu gekommen – der Sammler will, wie so oft, nicht genannt werden.

Beiladungen nutzen

Um die Transportkosten so gering wie möglich zu halten, arbeitet Langner mit einer Transportagentur zusammen, die alle Spediteure und Zollbestimmungen kennt, jede Möglichkeit einer (günstigeren) Beiladung nutzt, sich mit den Galeristen selbst in Verbindung setzt, verhandelt und am Ende das günstigste Gesamtpaket schnürt. Nicht zuletzt dem Verhandlungsgeschick der Kaiserringbeauftragten dürfte es zu verdanken sein, dass in Goslar noch nie Leihgebühren für die Werke der Kaiserringträger gezahlt werden mussten. Trotzdem muss mit jedem einzelnen Leihgeber ein Leihvertrag abgeschlossen werden. Der Leihgeber bestimmt den Wert der Versicherung – und hier gibt es dann nichts mehr zu verhandeln.

Dachrinne abgefahren

„Wir sind von Nagel zu Nagel versichert“, erläutert Langner die Generalpolice, die auch den Transport innerhalb Europas einschließt. Am anspruchsvollsten sind oft die letzten Meter. Die Speditionen wissen längst, wie groß die Lieferfahrzeuge sein dürfen, um durch die engen Goslarer Altstadtstraßen zu passen. Dass dabei mal etwas schief ging, ist 30 Jahre her. Langners Erinnerung daran ist noch frisch, denn sie saß mit im Wagen: „Das war bei Vasarely“, erzählt sie. Auf dem Weg von der Bäringer Straße in die Jakobistraße habe der Lkw eine Dachrinne und ein Stück vom Dach mitgenommen. „Plötzlich knirschte und krachte es, gleichzeitig habe ich geschrien“, erinnert sie sich.

Auch Zollprobleme gehören längst zu den Anekdoten, die immer wieder gerne erzählt werden: So wollte die Goslarer Zollstelle eine Lieferung von Fernsehapparaten als Wirtschaftsware verzollen. Das Mönchehaus musste erst den Beweis antreten, dass die technischen Geräte nicht gewinnbringend verkauft werden sollten, sondern dass sie Bestandteile der Installationen des Kaiserringträger 1991, Nam June Paik, waren.