„Primaria Goslar“ feiert Premiere

Viel Freiarbeit und Jahrgangsmischung: Die Braunschweiger Hans-Georg-Karg-Grundschule ist das CJD-Vorbild für die „Primaria Goslar“. Archivfoto: Heine

Von Frank Heine

GOSLAR. Sind fünf Schüler wenig oder viel? Fakt ist: Die „Primaria Goslar“ hat als einzige Goslarer Schule schon jetzt verbindliche Anmeldungen, weil die öffentlichen Einrichtungen ihre Termine erst im Juni anbieten. Ob der private Betreiber allerdings von Beginn an auf seine Kosten kommt, ist derzeit noch nicht abzusehen.

„Wir starten im Sommer auf jeden Fall“, sagt Frank Gottsand-Groß und nennt neben den fünf fixen weitere 19 Schüler, deren Eltern schon jetzt ernsthaftes Interesse an der neuen Ganztagsgrundschule zeigen. Das Einzugsgebiet reiche über Landkreis-Grenzen hinaus. „Es gibt in der Tat Eltern, die fahren extra für unser Angebot“, bestätigt der Sprecher des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) in Braunschweig.

Was macht dieses besondere Angebot aus? Die Braunschweiger CJD-Gesamtleiterin Ursula Hellert, als CJD-Pionierin seit 1977 in der Löwenstadt aktiv und auch für Goslar federführend, spricht gern von den „zwei Säulen Freiheit und Verantwortung“ und meint letztlich die Montessori-Prinzipien nach dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Wie in Braunschweig plant das CJD in Goslar mit Klassen, die dort aber Familien oder Stammgruppen heißen und zwischen 15 und 24 Schülern umfassen. Innerhalb dieser Gruppen wird jahrgangsübergreifend gearbeitet. Weitere Stichworte sind Hochbegabtenförderung, feste Teamarbeit zwischen Lehrern und Erziehern sowie ein lebenspraktischer Tag mit wöchentlicher Projektarbeit.

Gerade beim sozialen Lernen setzen die Verantwortlichen auf Arbeitsweisen über Nachahmung: „Insgesamt lernen Kinder in einer Weise voneinander, die kein Material und kein Erwachsener ersetzen kann“, heißt es in einer CJD-Schrift. In Braunschweig werden all diese Prinzipien bereits in der Hans-Georg-Karg-Grundschule umgesetzt. Das CJD betreibt dort außerdem ein Gymnasium, eine „International School“, ein Internat und eine musische Akademie.

Weil sich die „Primaria Goslar“ aber aus ihren Schülern heraus finanzieren muss, spielt eben auch das Geld eine große Rolle. Ein Wink mag schon sein, dass es mit Dirk Gähle aus Klein Mahner einen kaufmännischen CJD-Leiter in Braunschweig gibt, der neben Hellert das Sagen hat. Die Diskussion im Goslarer Rat schwankte denn im Januar zwischen inhaltlichen Argumenten, die das „höher schlagende Pädagogenherz“ der grünen Lehrerin Doris Juranek markierte, und finanziellen Ansätzen hin und her.

Die Linken sahen einen „Bildungszugang für alle“ nicht gegeben. Der Mehrheit reichte aber die Aussage der Verwaltung, dass sich die städtischen Kosten nach 20 Jahren amortisieren sollen. Gestartet wird deshalb in einem Provisorium auf dem Energie-Campus, das für zirka 40.000 Euro hergerichtet wird. Die Miete beträgt 765 Euro kalt für 255 Quadratmeter.