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Weg vieler Schlesier endet in Döhren

Walter Hartwig aus Klein Döhren. Foto: Leifeld
Fast ein Jahr ist der Krieg vorbei, als die Familie von Walter Hartwig ihre schlesische Heimat verlassen muss. „Packt eure Sachen, morgen müsst ihr raus“, lautet im April 1946 die Anweisung der polnischen Kommandantur.
Mit Hand- und Pferdewagen geht es aus Schönwalde in die Kreisstadt Frankenstein, wo die Vertriebenen sich zu versammeln haben. Mit bis zu 40 Menschen in einem Viehwaggon setzen die Männer, Frauen und Kinder ihre Fahrt bis nach Kohlfurt fort. „Unterwegs gab es nur zu essen, was die Familien dabei hatten. Viele waren ausgehungert, einige starben“, berichtet der 83-Jährige Hartwig.
Weitere Tage vergehen, bis die Vertriebenen Mariental bei Helmstedt erreichen. Über Salzgitter-Immendorf führt sie ihr Weg schließlich nach Vienenburg, von wo aus sie in die umliegenden Orte verteilt werden.
Die Familie von Walter Hartwig verschlägt es nach Klein Döhren. Mit weit über 300 weiteren Flüchtlingen und Vertriebenen teilt sie dieses Schicksal, wie der ehemalige Schulleiter Manfred Watzlawik gemeinsam mit Hartwig sowie Wolfgang Fricke und Herbert Geisler herausgefunden hat. Sauber haben sie Namen und Herkunftsorte aufgelistet, so dass die Geschichte der neuen Klein und Groß Döhrener besonders gut dokumentiert ist. Aus Pommern kommen sie, aus Ost- und Westpreußen, dem Sudetenland und immer wieder aus Schlesien.
111 Namen sind auf einer der Listen erfasst, hinter 85 steht die Region am Riesengebirge. „Die Behörden wählten für die Vertriebenen den kürzesten Weg aus den ostdeutschen Gebieten in den Westen“, erklärt Watzlawik diese Ballung. Besonders Schlesier seien deshalb ins heutige Niedersachsen gekommen, Sudetendeutsche eher nach Bayern und Ostpreußen nach Schleswig-Holstein.
In Döhren lassen die vielen neuen Gesichter die Bevölkerung rapide anwachsen: 1.516 Einwohner zählt Groß Döhren Ende Oktober 1946, 369 davon gelten als Flüchtlinge oder Vertriebene. 263 Hilfesuchende erreichen Klein Döhren, das nun insgesamt 764 Bewohner zählt. „Zuende waren die Zuzüge zu diesem Zeitpunkt aber nicht, in den folgenden Jahren kamen noch viel mehr Deutsche aus den Ostgebieten“, sagt Watzlawik.
Bis zu einer Volkszählung im September 1950 ist ihr Anteil darum noch einmal deutlich gestiegen: Beinahe die Hälfte der 771 Einwohner stellen sie in Klein Döhren sowie jeden dritten Groß Döhrener. Nicht nur größenmäßig, auch in puncto Religion verändern sich die beiden Orte. „Die Flüchtlinge waren zum großen Teil katholisch, die Einheimischen meist evangelisch“, berichtet Watzlawik. „Schon im November 1944 durften die Katholiken darum in der evangelischen Kirche in Klein Döhren ihren Gottesdienst feiern.“
Folgen aus der gedruckten GZ:
Ankunft – Der Harz als Zufluchtsort
Flucht – was die Menschen über ihren Weg erzählen
- Folge 3: „Ich habe so viel Leid gesehen“
- Folge 4: „Kinder, die Russen kommen“
- Folge 5: Die Nehrung war voller Schlitten
- Folge 6: Die Bilder im Kopf werden bleiben
- Folge 7: „Ich bin mit Trümmern verwandt“
- Folge 8: Zuhause ist hier, die Heimat dort
- Folge 9: Frauen trugen die doppelte Last
- Folge 10: Dem Gustloff-Unglück entgangen
Unterbringung – der Wohnraum ist knapp
Städtebau – wie Kommunen ihr Gesicht verändern
Familien-Schicksale – Tragödien im engsten Umfeld
Arbeit – Flüchtlinge und Vertriebene in der Wirtschaft
Wohlstands-Gefälle – so lebten Flüchtlinge und Einheimische
Zwischenmenschliches – persönliche Beziehungen und kirchliche Hilfe
Politik – neue Kräfte in den kommunalen Räten
Kultur – Bereicherung durch die neuen Mitbürger
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