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Herzberg

Aufbauarbeit von Weißrussland bis Madagaskar
Wenn Bernd Jüncke einen Einsatz beginnt, dann weiß er: Es ist Aufbauarbeit zu leisten. Seit zehn Jahren arbeitet der erfahrene Entwicklungshelfer ehrenamtlich für den Senior-Experten-Service (SES), eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die weltweit Hilfe zur Selbsthilfe anbietet.
In Weißrussland war er schon, in Togo und immer wieder in Madagaskar. Die Insel im Indischen Ozean mit ihrer Mischung aus chinesischen, indischen und europäischen Einflüssen begeistert Jüncke seit seinem ersten Besuch vor 36 Jahren.
Vor allem die Bescheidenheit und die Fröhlichkeit der Menschen faszinieren den 64-jährigen Herzberger. „Sie lachen, sie sind mit dem zufrieden, was sie haben“, sagt er. Dennoch: Einkommen von unter 50 Euro im Monat bedeuten für viele bittere Armut.
Zu den größten Problemen zähle die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 60 bis 70 Prozent, berichtet Jüncke. Mit seinem Einsatz für eine bessere Berufsausbildung will er dazu beitragen, sie zu verringern. Jünckes Arbeit ist Teil eines Projekts der Handelskammer Hamburg mit dem Ziel, das deutsche System der dualen Ausbildung in Madagaskar einzuführen. Verantwortliche von 300 Ausbildungsbetrieben wurden bereits trainiert und fast 1.000 Arbeitskräfte ausgebildet, bilanziert die Handelskammer.
Zu Jünckes Schwerpunkten gehört die KFZ-Ausbildung. Einen Tag theoretischen Unterricht erteilt er seinen Schülern pro Woche, den Rest der Zeit verbringen sie nach deutschem Vorbild im Betrieb. Dort ist dann auch Jüncke zu finden, gibt Tipps für die Praxis. „Wir bilden die Gesellen aus, die die Ausbildung in den Firmen übernehmen“, sagt er.
Immer wieder erlebt Jüncke Probleme, die typisch sind für die Aufbauarbeit. In den vergangenen 30 Jahren sei in Madagaskar kaum etwas getan worden für die Ausbildung, kritisiert er. Fehlende Bücher und fehlende Geräte seien die Folge. „Im Grunde genommen ist es ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt er über das Projekt von Handelskammer und SES. Entmutigen lassen will sich Jüncke jedoch nicht. „Das wenige, was ich tun kann, macht mir Spaß“, sagt er.
Hoffnung dürfte Jüncke machen, dass er immer mehr Mitstreiter findet: Fast 1.400 Fachleute im Ruhestand haben im vergangenen Jahr beim SES begonnen, 7.709 Senior-Experten gab es Ende 2008. Der größte Teil arbeite als Entwicklungshelfer, sagt der ehrenamtliche SES-Sprecher Horst Engelhardt. Von den Aufbauprojekten geht aus seiner Sicht sogar ein doppelter Nutzen aus: Neben dem Einsatzland profitierten zum Teil deutsche Unternehmen – etwa in Form von Aufträgen für den Anlagenbau.
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