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wissbegierige Studenten

Ein Hörsaal voller Studenten. Die meisten sind jung, doch an der Uni Göttingen beispielsweise wächst die Bedeutung der älteren Semester. Foto: Archiv
Internet nutzen, Geschichte verstehen
Von Ralf Blasig
Internet-Telefonie für Anfänger am Nachmittag.“ So oder ähnlich könnte vielleicht schon bald ein Kurs-Angebot der Goslarer Kreisvolkshochschule heißen. Die Kontaktpflege mit lieben Menschen per Computer gehört nach den Erfahrungen von Volkshochschul-Chefin Ute Lange zu den Themen, die die wachsende Gruppe der Senioren am meisten interessieren. „Das wird zunehmen“, ist sich die Leiterin sicher.
Schon heute spielen die Älteren für die Volkshochschule eine wichtige Rolle: Mehr als 20 Prozent der Kursteilnehmer sind älter als 65, Menschen ab 50 machen sogar 40 Prozent aus. „In Deutschland sind es 34Prozent“, sagt Lange. Fahrten und Kultur gehören zu den Lieblings-Angeboten der Älteren.
Einerseits sieht Lange mit der alternden und dabei schrumpfenden Bevölkerung ein beträchtliches Risiko auf die Volkshochschule zukommen. 250 Unterrichtsstunden pro Jahr drohten allein durch den Einwohnerschwund wegzufallen, rechnet sie vor. Mit neuen Wegen im Marketing will sie dagegen angehen.
Auf der anderen Seite verfügten viele Senioren über eine gute Bildung, sagt Lange. Dies spreche für ein großes Interesse an Angeboten wie denen der Volkshochschule. Unter dem Strich sei sie damit optimistisch, die Teilnehmerzahlen auch bei schwindender Bevölkerung stabilisieren oder sogar steigern zu können.
Welche Angebote die Volkshochschule den Älteren macht, wird die Zielgruppe zu einem guten Teil selbst bestimmen. „Ich habe halbjährlich eine Abstimmung mit den Füßen“, sagt Lange. Ständig sei sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern deutschlandweit auf der Suche nach neuen Ideen.
Dass sich Angebote für Ältere mit Erfolg etablieren lassen, zeigen die beiden vergangenen Jahre. Seit dem Start der Seniorenakademie sei die Zahl der Teilnehmer über 65 deutlich gestiegen, berichtet Lange. Das Themenspektrum ist breit: Vorträge zur Gesundheit gibt es ebenso wie Führungen durch das Energieforschungszentrum.
Bildung für Ältere bieten auch die Hochschulen im Harz und um den Harz – jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Während an der TU Clausthal bislang nur wenige Senioren studieren, gehören sie an der nahen Uni Göttingen zum Alltag.
Zwar bietet die Oberharzer Hochschule für 800 Euro pro Semester ein Seniorstudium an, nachgefragt wird es nach Angaben von Pressesprecher Christian Ernst jedoch so gut wie gar nicht. Ein wenig beliebter seien kostenlose Gasthörer-Scheine, mit denen Besucher einzelne Veranstaltungen besuchen können.
Als Grund für die Zurückhaltung der Senioren vermutet Ernst in erster Linie die technische Ausrichtung der Uni: „In eine Mathe-Vorlesung kann man nicht gehen, wenn man die letzte Mathematik in der Schulzeit hatte“, sagt er. Die meisten Älteren seien eher an geisteswissenschaftlichen Themen interessiert.
Dasbestätigt auch Bernd Ebeling, Sprecher der Georg-August-Universität in Göttingen. 630Studenten besuchen nach seinen Worten die Universität des Dritten Lebensalters, die ihren Schwerpunkt in Fächern wie Geschichte und Philosophie hat. Seit dem Start vor zwölf Jahren habe sich die Teilnehmerzahl verzehnfacht, sagt Ebeling. 65Euro pro Student fließen jedes Semester an die Hochschule.
Zu den Hörern an der Senioren-Uni kommen 61 Studierende über 55, die sich regulär an der Hochschule eingeschrieben haben und den vollen Beitrag von meist 500Euro pro Semester zahlen. Auch bei ihnen sei die Philosophische Fakultät mit Fächern von Geschichte bis Romanistik besonders beliebt, sagt Ebeling.
Angesichts des demografischen Wandels werde die Zahl der Älteren an der Uni wohl noch zunehmen, erwartet Ebeling. Die zusätzlichen Einnahmen stünden dabei allerdings nicht im Vordergrund, betont er. Kostendeckend seien die Gebühren ohnehin nicht. Der eigentliche Gewinn bestehe vielmehr darin, dass ältere Studierende ihre vielfältigen Erfahrungen einbringen könnten. Das sei auch für jüngere Kommilitonen interessant.
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