wertvolle Mitarbeiter


Gefragt: Physik-Professor Dieter Mayer von der TU Clausthal. Foto: Bertram

Der Professor und die Kosmetikerin

Von Ralf Blasig

Die Forschung ist Dieter Mayers Leben. „Ich wüsste gar nicht, was ich machen sollte, wenn ich nicht mehr arbeiten würde“, sagt der Physik-Professor von der TU Clausthal. Mit Zahlentheorie und Quantenchaos beschäftigt sich Mayer, ein international renommierter Experte. So anerkannt ist der Forscher, dass seine Arbeit auch über die übliche Pensionsgrenze hinaus öffentlich finanziert wird. Er ist damit ein Paradebeispiel für jene gefragten Älteren, auf die nicht wenige Arbeitgeber auch angesichts des demografischen Wandels gerne zurückgreifen. Möglich wird die Karriere-Verlängerung des Goslarers durch das Förderprogramm der Niedersachsen-Professur, aus dem ausgewählte Wissenschaftler über das 65. Lebensjahr hinaus bezahlt werden.

An der TU ist man froh, Mayer für drei weitere Jahre behalten zu können. „Es wäre ein Verlust gewesen“, sagt Sprecher Christian Ernst. Mit seinem Ruf hätte Mayer im Ausland problemlos eine Stelle bekommen, vermutet er. Nun jedoch könne er weiter in Clausthal arbeiten, Forschungsgelder einwerben und Studenten betreuen.

Auch Mayer ist froh, wie bisher den Geheimnissen der Physik nachspüren zu können. „Alle meine Forschungsprogramme laufen weiter“, sagt er. Zwar erwachse aus seiner Grundlagenarbeit kein unmittelbarer Nutzen. Früher oder später gebe es aber immer eine Anwendungsmöglichkeit. Aus der Zahlentheorie beispielsweise könnten sich Wege erschließen, EC-Karten sicherer zu machen.

Das Wissen anderer Professoren nutzt die Universität ebenfalls gern über das Pensionsalter hinaus – wenn auch in kleinerem Rahmen. Viele Wissenschaftler hätten zunächst noch ein Büro in ihrem alten Institut, leiteten einzelne Lehrveranstaltungen, berichtet Ernst. Für die Forscher ergebe sich damit ein sanfter Abschied vom Berufsleben und auch die TU profitiere: Bis ein Lehrstuhl wieder besetzt sei, vergehe oft viel Zeit. Da sei es von Vorteil, wenn der alte Professor noch präsent sei.

Auf die Qualitäten einer erfahrenen Kraft setzt auch ein weiterer Arbeitgeber im Oberharz: das Hotel Njord in Hahnenklee. Seit rund einem Jahr arbeitet dort die 61-jährige Sonja Streb als Kosmetikerin. „Sehr kompetent, sehr erfahren“, habe die Seesenerin gleich gewirkt, sagt Hoteldirektor Markus Brandenburg.

Bei der Auswahl hätten das Alter der Bewerberin und der Zuschuss von der Arbeitsagentur nur eine untergeordnete Rolle gespielt, erinnert sich Brandenburg. Längst zeige sich aber, dass Strebs Lebenserfahrung förderlich für den Umgang mit vielen Kunden sei. „Ich glaube, dass man im Alter ein bisschen souveräner ist“, sagt Brandenburg. „Mit 60Jahren hat man natürlich schon einiges erlebt.“

Streb selbst fühlt sich gut aufgenommen. „Es sagt nie jemand alte Tante zu mir“, berichtet sie schmunzelnd. Wenn man einen Beruf gern ausübe, dann sei es auch in ihrem Alter kein Problem sich zu integrieren: „Ich habe sehr viel Glück gehabt.“