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verlässliche Kinderbetreuer

Eine große Familie (von links): Großvater Reiner Burggräfe, Peter Burggräfe mit Sohn Silas Benedikt, Edelgard Schönheit, Elise Sander im Sessel, Jessica Burggräfe und Martina Stedtnitz. Foto: Schenk
„Einer von uns könnte nicht arbeiten“
Von Ralf Blasig
Eine Schaukel steht im Garten der Eilerts und Brinkmanns in Wolfshagen. Opa Hermann Eilert gibt Enkel Claas einen Schubs und der fliegt nach vorn. Hier hinter dem Haus sind die beiden oft. Denn damit ihre Tochter Michaela arbeiten kann, passen Opa Hermann und Oma Edith (beide 70) auf den Vierjährigen auf.
Gut ein Jahr war Michaela Eilert nach der Geburt zuhause. Dann zog es sie wieder an ihren Arbeitsplatz als Berufsberaterin für behinderte Jugendliche. 16 Stunden pro Woche arbeitet sie seitdem wieder bei der Arbeitsagentur und ist sich sicher: „Ohne meine Eltern hätte ich das nicht machen können.“
Betreuungsplätze für Kleinkinder seien rar und flexibler sei die Familien-Lösung ohnehin, sagt die
38-Jährige. Wenn sie beispielsweise eine Seesener Schule zur ersten Unterrichtsstunde besuche, dann müsse sie um sieben Uhr aus dem Haus. Mit den Öffnungszeiten einer Krippe sei das nur schwer zu vereinbaren. Und auch Ehemann Otto Markus Brinkmann, Berufsschullehrer in Goslar, könne sich morgens nicht um den Sohn kümmern. Da war und ist es ungemein praktisch, dass bei Bedarf immer jemand in der Nähe ist, der auf Claas aufpassen kann: In der oberen Etage des Fachwerkhauses lebt die junge Familie, direkt darunter wohnen die Großeltern.
Inzwischen geht Claas in den Kindergarten, und Oma und Opa sind wieder etwas häufiger allein. Missen möchten sie die Zeit mit ihrem Enkel nicht. „Es macht Spaß. Es ist keine Qual“, sagt Oma Edith und lacht. Gerne erlebt sie mit ihrem Mann, wie sich Claas um die Kartoffeln in seinem kleinen Stückchen Garten kümmert, besucht mit ihm Tante Rosa oder unternimmt einen Ausflug nach Hahnenklee. In der Nähe der Großeltern wird der Enkel selbst dann bleiben, wenn er in die erste Klasse kommt: Die Schule ist nur wenige Meter entfernt.
So wie bei den Wolfshägern ist die Kinderbetreuung auch bei Jessica und Peter Burggräfe aus Jerstedt Familiensache. Vier Generationen kümmern sich um den zweijährigen Silas Benedikt. Vormittags um neun bringt Jessica Burggräfe ihren Sohn für eineinhalb Stunden in den Kindergarten, damit er Kontakt zu Gleichaltrigen hat. Um zwölf fährt sie zur Arbeit in den St.-Andreas-Kindergarten Langelsheim. „Dann übernimmt meine Oma Edelgard Schönheit das Kind“, berichtet sie. Auch Silas Ururoma Elise Sander, 97, hilft mit, hat ein Auge auf den Jungen. Gegen 14 Uhr kommt die vierte Generation ins Spiel: Jessica Burggräfes Mutter Martina Stedtnitz fährt von der Arbeit im Dörntener Kindergarten „Pusteblume“ nach Jerstedt und passt auf den Enkel auf, bis ihre Tochter Feierabend hat.
Kinderbetreuung über mehrere Generationen habe in ihrer Familie Tradition, sagt Jessica Burggräfe. „Meine Uroma hat früher meinen Bruder und mich versorgt.“ Ohne diese Hilfe, meint die 27-Jährige, müsste sie entweder ihre Stelle im Kindergarten kündigen oder ihr Mann seinen Job als Kfz-Mechaniker aufgeben. „Einer von uns könnte nicht arbeiten. Aber in der heutigen Zeit kann man sich das eigentlich kaum erlauben.“
Silas tue die Zeit mit seinen älteren Verwandten gut, sagt Jessica Burggräfe: „Er ist selbstbewusst und hat sich toll entwickelt.“
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