Partner im Alltag

Frühstück im Mehrgenerationenhaus: Mariam Omayrat (rechts) schenkt Erna Gebert Kaffee ein. Mit am Tisch sind Projektleiter Frank Schmidt (weißes T-Shirt) und Gründerin Marion Deerberg (stehend in der Mitte). Foto: Schenk

„Ich fühle mich hier wie zuhause“

Von Ralf Blasig

Heißer Kaffee fließt in die bunt verzierte Tasse der alten Dame im schwarz-weißen Kleid. „Danke“, sagt sie, als die junge Frau mit Kopftuch eingegossen hat. Sie kennen sich gut: Erna Gebert (87), die hier alle nur Oma Erna nennen, und Mariam Omayrat, die an diesem Tag ihren 25. Geburtstag feiert. Mehrmals in der Woche plaudern, essen und arbeiten sie gemeinsam im Mehrgenerationenhaus in der Seesener Harzstraße.

Von Montag bis Samstag ist die Anlaufstelle geöffnet, um die 30Menschen treffen sich hier laut Projektleiter Frank Schmidt durchschnittlich am Tag. Das Ziel: Wer einsam ist, soll Kontakt finden, wer seine Fähigkeiten einbringen möchte, eine Beschäftigung bekommen.

So ist es auch bei Erna Gebert und Mariam Omayrat. Jeden Montag kommt die Seniorin, um für das Mehrgenerationenhaus zu bügeln. Reicht der eine Tag nicht, dann macht sie eben am Dienstag weiter. „Ich fühle mich hier wirklich wie zuhause“, sagt sie.

Mariam Omayrat kam einst als Ein-Euro-Jobberin in die Einrichtung, heute hilft sie aus freien Stücken. Auch ihre Familie komme inzwischen gerne her, sagt sie. Jeden Freitag erhalte ihre kleine Schwester kostenlos Nachhilfe von einem pensionierten Lehrer.

20 Jahre gibt es das Mehrgenerationenhaus in Seesen, seit 2007 wird es über ein Programm des Bundes mit 40.000 Euro jährlich gefördert. Auf zwei Etagen gibt es Küche und Esszimmer, Spiel- und Fernsehraum, einen Billardtisch und eine kleine Bibliothek.

Wer hierher komme, der gehöre zu einer Art Großfamilie, sagt Gründerin Marion Deerberg. Die Arten der gegenseitigen Unterstützung seien vielfältig: Kranken bringe man Essen nach Hause, Eltern könnten ihr Kind bei vertrauten Menschen lassen.

Gerade junge Familien profitieren nach Deerbergs Erfahrung von der Anwesenheit der Senioren, die alte Kinderspiele zeigen, von ihrer Jugend erzählen oder den einen oder anderen Erziehungs-Tipp geben. „Die Älteren haben einen Riesenschatz an Erfahrung, den sollte man nicht brach liegen lassen.“

Kontakt : Das Haus ist montags und mittwochs von 9 bis 14 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 18Uhr geöffnet. Es befindet sich in der Harzstraße 9. Telefon: (05381) 492131. Internet: www.mehrgenerationenhaeuser.de/seesen .