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Kunden in der Pflege

Im Goslarer Haus Abendfrieden: Friseurin Marianne Gurke macht Lydia Bleich die Haare. Viele Seniorenheime suchen angesichts der wachsenden Zahl der Älteren Personal. Foto: Schenk
„Man muss alte Leute gern haben“
Von Ralf Blasig
Wenn Pflegemanager im Landkreis Goslar auf ihre Personalplanung schauen, dann treten ihnen gelegentlich Sorgenfalten auf die Stirn: Gute Mitarbeiter sind schon heute rar, und angesichts der alternden Bevölkerung wird der Bedarf in Zukunft sogar noch wachsen.
Was aus Arbeitgebersicht in erster Linie als Problem erscheint, eröffnet Arbeitnehmern jedoch große Chancen: „Auf absehbare Zeit wird niemand arbeitslos sein, der arbeiten will und einigermaßen flexibel ist“, sagt Dr. Johannes Dücker, der den ambulanten Pflegedienst Apo-Care betreibt.
Besonders viele zusätzliche Pflegekräfte würden bald in Goslar gebraucht, erwartet Dücker. Dort stehe der Alterungsprozess, den Bad Harzburg schon hinter sich habe, unmittelbar bevor. Noch stärker werde die Entwicklung später in Halberstadt und Quedlinburg sein: „Die Extreme laufen im Osten ab.“ In Halberstadt beispielsweise werde die Zahl der Hochbetagten über 80 bis zum Jahr 2025 von 2.100 auf 3.800 steigen.
Chancen für Arbeitslose sehen auch Martin Totz und Erhard Stahl, die Geschäftsführer des Goslarer Heims Abendfrieden, zu dem eine Altenbegegnungsstätte, eine Tagespflege und eine Seniorenwohnanlage gehören. Etliche Jobsuchende hätten bereits eine berufliche Perspektive in der Pflege gefunden, berichten sie. In Frage komme beispielsweise eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Auch an examinierten Kräften bestehe Bedarf, denn ihr Anteil müsse bei mindestens 50 Prozent liegen.
Ina Portugall, Chefin des Neuen Schützenhauses in Clausthal-Zellerfeld und des Stadthauses am Zwingerwall in Goslar, erwartet durch die steigende Zahl der Älteren eine höhere Auslastung und damit Wirtschaftlichkeit der Heime.
Ähnlich wie Dücker und ihre Kollegen vom Haus Abendfrieden weist sie aber zugleich auf die besonderen Anforderungen des Berufs hin. Körperlich und psychisch belastend sei die Arbeit, dabei mäßig bezahlt. Damit fertig zu werden, erfordere schon „eine gewisse Einstellung“. „Man muss auch noch nach 20Jahren im Beruf alte Leute gern haben können“, formuliert es Dücker. Wachsenden Bedarf erwartet er nicht nur in der Pflege selbst, sondern auch bei einer Reihe von Dienstleistungen, die Älteren bei abnehmender Leistungsfähigkeit das Leben erleichtern. Gartenarbeit und Spazierengehen mit dem Hund nennt er als Beispiele.
Ob sich Senioren Hilfe tatsächlich leisten können, hänge allerdings von ihrer finanziellen Situation ab, betont Abendfrieden-Geschäftsführer Totz mit Blick auf die verschiedenen Pflegeleistungen. Wer nicht ausreichend für das Alter vorsorgen könne, dem fehlten leicht die nötigen Mittel. Und ob der Staat einspringe, sei zweifelhaft – schließlich werde im Sozialen vor allem gespart.
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