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Kunden im Einzelhandel

Einkaufen in Bad Harzburg: Zu Peter Besche kommen besonders viele ältere Kunden. Foto: Blasig
Bringdienst und kleine Portionen
Von Ralf Blasig
Mit einem halben Liter Frischmilch, Toast und zwei kleinen Flaschen Sekt hat die grauhaarige Kundin ihren Wagen in der Nähe des Obstregals geparkt. Dicht neben ihr steht Peter Besche, beugt sich etwas hinunter und zeigt ihr dann den Süßstoff, nach dem sie Ausschau hält.
Eigentlich ist es purer Luxus, was Besche da macht, denn Zeit ist knapp, die Personalkosten sind hoch und besonders kostbar sind die Minuten eines selbstständigen Unternehmers. Für Besche, der in der Bad Harzburger Innenstadt einen Edeka-Markt betreibt, ist jedoch klar: Der Einsatz lohnt sich.
Die Hälfte seiner Kunden ist über 65 Jahre und gerade für diese wachsende Gruppe spielen Service und kleine Hilfestellungen nach Besches Erfahrungen eine wichtige Rolle. „Das Wichtigste bei den alten Kunden ist, dass man viel Personal hat“, sagt er. Es sind viele Kleinigkeiten, mit denen sich Besche auf sein besonderes Publikum eingestellt hat: mit dem Anspruch, die Waren bei Bedarf vom Regal zu holen; mit telefonischer Annahme auch kleiner Bestellungen; mit der Möglichkeit, den Einkauf nach Hause bringen zu lassen; und letztlich mit einem Warenangebot, das den Bedürfnissen älterer Kunden angepasst ist.
„Bei uns findet man keine Alcopops“, nennt Besche als Beispiel. An den süßlichen Mischgetränken seien seine Kunden so gut wie gar nicht interessiert. Dafür gibt es mehr Sekt in kleinen Flaschen, Nudelpakete von einem halben Pfund und Süßigkeiten nach dem Geschmack der Älteren. „Wir waren fast die Letzten, die Sprengel-Schokolade verkauft haben“, erinnert sich Besche. Erfunden hat der Unternehmer den besonderen Service für die Älteren nicht, schon für seinen Vorgänger seien Senioren eine wichtige Zielgruppe gewesen, berichtet er: „So etwas kann nur wachsen. Sie können nicht einen Laden aufmachen und sagen: Ich bin jetzt der alte Laden.“
Betriebswirtschaftlich, sagt Besche, komme er mit den vielen älteren Kunden gut zurecht. Zwar achteten auch Senioren auf den Preis. Andererseits bevorzugten sie aber etliche Produkte mit einer hohen Gewinnspanne, aus der er die vergleichsweise große Zahl an Mitarbeitern finanziere. Auf mittlere Sicht sieht sich Besche ohnehin auf dem Erfolgsweg: „Die Kundengruppe wächst.“
„Hochinteressant für den Einzelhandel“, findet wenige Kilometer weiter in Goslar auch Dirk Schneevoigt vom Vorstand der Kaufmannsgilde die Zielgruppe der Senioren. „Sie wird in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen“, sagt er.
Für ihn zeichnen sich die älteren Kunden durch hohe Kaufkraft einerseits und hohe Ansprüche andererseits aus. Entsprechend gut müsse der Service sein. Fachkundige Beratung, Sitzgelegenheiten und ein Getränk zum Einkauf nennt Schneevoigt als Beispiele.
Gerade der Service sei es auch, mit dem Goslar gegenüber der Konkurrenz punkten könne. Hinzu kämen das Kulturangebot und die Innenstadt, in der gerade nicht eine Einkaufspassage neben der anderen stehe. Von diesen Stärken könnten aus Schneevoigts Sicht kleine Fachhändler profitieren, gerade ältere Kunden auch in Nebenstraßen locken: „Goslar als Einkaufsstadt hat eine große Gelegenheit.“
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