Helfer für Schulen und Kindergärten


Im „Raum der guten Lösungen“: die Streitschlichter Regine von Dobschütz und Hans-Peter Thiede im Gespräch mit Schülern. Foto: Schenk

„Wir sind Vertrauenspersonen“

Von Ralf Blasig

Wenn Goslarer Kinder in der Klasse oder auf dem Pausenhof in Streit geraten, dann wird gezankt wie überall anders auch. Eines jedoch ist an mittlerweile fünf Grundschulen der Stadt etwas anders: Nicht nur Lehrer, Eltern und Freunde helfen beim Schlichten, sondern auch die ausgebildeten Mediatoren der „Seniorpartner“ – eine Gruppe älterer Bürger im ehrenamtlichen Einsatz.

„Wir sind inzwischen Vertrauenspersonen“, sagt Regine von Dobschütz, treibende Kraft des Projekts in der Kaiserstadt. Wenn sie an der Schillerschule einmal in der Woche in ihrem „Raum der guten Lösungen“ warte, dann kämen die Kinder gern und freiwillig. Ohne weitere Zeugen könnten sie mit ihr und dem Kontrahenten reden, erzählen, was sie stört.

Um Schubsereien, um weggenommene Bälle, um Freundschaften geht es in diesen Gesprächen, die schnell eine halbe Stunde oder länger dauern können. „Wir reden mit ihnen, wie man mit erwachsenen Freunden redet“, beschreibt Regine von Dobschütz ihr Verhältnis zu den Schülern. Was ihr die Kinder erzählen, behalte sie für sich: „Sie können mit all ihren Sorgen kommen.“

Auch die Lehrer profitierten, ist die 68-jährige Goslarerin sicher: Während sich die Seniorpartner um die Streithähne kümmerten, könnten die Pädagogen weiter ihre Klasse unterrichten. Und wenn ein Problem gelöst sei, könnten die Kontrahenten wieder konzentriert zuhören.

Als große Hilfe sieht auch Schulleiterin Lucia Misch Seniorpartnerin Regine von Dobschütz, die die Schillerschule zusammen mit Hans-Peter Thiede betreut. Oft sei es wichtig für die Kinder, mit einer unabhängigen Person zu sprechen. Entsprechend gefragt seien die Ehrenamtlichen, sagt Misch: „Ich denke, dass sie fast ausgelastet sind.“

Gute Erfahrungen mit dem Miteinander von Schülern und Senioren hat auch die Werla-Schule in Schladen gemacht. „2020 – Mein Leben unter Rentnern“ lautete das Thema, das Jugendliche der achten und neunten Realschulklassen und ihre Lehrerin Tina Drenkelfort mit sechs Seniorinnen aus dem Betreuten Wohnen der Grotjahn-Stiftung zusammengeführt hat. Im vergangenen Jahr war das – und noch immer sind die Partner so begeistert, dass es bei nächster Gelegenheit eine Neuauflage des Projekts geben soll.

Viele Vorurteile auf beiden Seiten seien während der drei gemeinsamen Tage verschwunden, erinnert sich Tina Drenkelfort. Rücksichtslosigkeit hätten sich Alte und Junge zu Beginn gegenseitig vorgeworfen, dann aber sehr schnell gelernt, „dass Respekt das A und O ist“. Viele Jugendliche hätten sich zudem intensiv mit ihrer Zukunft, mit ihrem Leben in 20 Jahren auseinander gesetzt, sagt die Lehrerin.

„Sie waren sehr interessiert, haben viele Fragen gestellt“, beschreibt Jutta Bräunig (79) ihre Zeit mit den Schülern. Gesprochen haben die Generationen beispielsweise über Krieg und Entbehrungen, davon, wie Kinder auch unter schwierigen Bedingungen groß werden. „Da ist ganz viel Erfahrung, wie man mit Widrigkeiten zurecht kommen kann“, sagt Grotjahn-Mitarbeiterin Maike Aydin über die Senioren. Wie ein „Schatzkästchen“ sei das Wissen der Älteren.