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Helfer für die Wirtschaft

Wer sich selbstständig machen will, kann bei den Wirtschaftssenioren guten Rat bekommen. Auch die Gründer eines Pflegedienstes hat Fred Kedenburg schon unterstützt. Archivfoto: dpa
Wo guter Rat nicht teuer ist
Von Ralf Blasig
Experten wie Dieter Scholle haben eigentlich ihren Preis. Schließlich hat der ehemalige Personalchef des Salzgitteraner VW-Werks wertvolle Erfahrung weiterzugeben – so wertvoll, dass sie für die meisten Existenzgründer oder Kleinunternehmer unbezahlbar wäre. Doch bei Scholle ist guter Rat nicht teuer.
Seit er in Rente ist, berät der Goslarer als Mitglied der Wirtschaftssenioren kleinere und mittlere Firmen ehrenamtlich. Maximal 100 Euro am Tag kostet seine Expertise – für Fahrtkosten und Verwaltungsaufwand.
Direkt nach der Pensionierung hatte der VW-Manager eigentlich andere Interessen als die Wirtschaft. Mit Freunden stürzte er sich in die Restaurierung eines alten Hauses, nach einem intensiven halben Jahr war die Arbeit getan. Doch wer jahrzehntelang 12- bis 14-Stunden-Tage gewohnt war, der kann nicht einfach zuhause sitzen.
„Wenn man aus dieser Tätigkeit heraus den ganzen Tag für sich hat, dann fühlt man sich unbefriedigt“, sagt Scholle. Bei den Wirtschaftssenioren Region Braunschweig fand er eine neue Aufgabe – und ist sich sicher, schon den einen oder anderen Unternehmer vor Dummheiten bewahrt zu haben.
Besonders gut erinnert sich Scholle an eine junge Frau, die im Harz ein Blumengeschäft übernehmen wollte. Der Haken: Die Geschäftszahlen für das Vorjahr lagen nicht vor und für eine Liste der Lieferanten sollte sie eine beachtliche Summe an die Inhaberin zahlen. „Da stimmt doch etwas nicht“, warnte Scholle die junge Harzerin, die darauf hin sehr ins Grübeln kam.
Viel zu häufig tappen Existenzgründer nach Scholles Erfahrung in solche Fallen, die mit kundiger Beratung leicht zu vermeiden wären. Doch auch erfahrenen Unternehmern könne der Blick von außen helfen, Betriebsblindheit zu überwinden.
„Die sehen irgendwann ihre Mängel nicht mehr“, schildert der 71-Jährige seine Erfahrungen mit einigen Harzer Hoteliers. Er mache ihnen dann im Beratungsgespräch klar, dass mit gelben Fliesen aus den 70er Jahren nur schwer Gäste zu gewinnen seien. Gemeinsam wird ein Investitionsplan erarbeitet.
Zu den kritischen Ratgebern der Wirtschaftssenioren gehört neben Scholle auch Fred Kedenburg, heute 67 und 15 Jahre lang Direktor des Braunschweiger Hafens. „Ich konnte nicht einfach rumsitzen“, sagt er zu seinem Engagement nach dem Berufsleben. „In einen Sportverein wollte ich nicht, Wirtschaft sollte es schon sein.“
Sein Paradebeispiel für den Nutzen eines erfahrenen Gesprächspartners ist die Beratung jener Arbeitskollegen eines Pflegedienstes, die angesichts drohender Kündigungen ihr eigenes Unternehmen gründen wollten. Fast ohne Hierarchie sollte das Ganze funktionieren, alle sollten den Betrieb gleichberechtigt leiten, erinnert sich der Braunschweiger.
Schnell war Kedenburg klar, dass der Pflegedienst so zum Scheitern verurteilt wäre: „Es kann keine Firma von 15 Eigentümern geführt werden.“ Mit den Gründern entwickelte er ein Modell aus Geschäftsführung, Beirat und einfachen Mitarbeitern, mit dem das Unternehmen in den Wettbewerb startete. Ein Erfolg für Gründer und Berater.
Es ist dieses Gefühl, gebraucht zu werden und für etwas nütze zu sein, das Scholle wie Kedenburg an ihrem Ehrenamt als Wirtschaftssenior schätzen. Stress-Tage mit 15 Terminen am Stück wünschen sie sich nicht zurück.
Nur an eines mussten sich die beiden früheren Top-Manager nach dem Berufsleben erst gewöhnen: „Früher hat man das Sagen gehabt. Jetzt kann man nur noch etwas erzählen.“
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