Landrat Manke radelt in die Politik

Großes Kinder-fragen-Kenner-Interview im Kreistagssaal: Worthschüler befragen Stephan Manke, den Landrat des Landkreises Goslar, zu Beruf, Politik, Familie und Hobbys. Der 43-Jährige antwortet geduldig und zeigt den Kindern sein Büro.

Raphael Hermanns: Wie lange sind Sie Landrat?
Die Wahlperiode ist acht Jahre. Danach werde ich entscheiden, ob ich wieder antrete.

Florian Keil: Kann man den Beruf des Landrats ehrenamtlich machen?
Nein, das erfordert zu viel Zeit.

Robin Hübsch: Braucht man ein gutes oder ein sehr gutes Zeugnis, um Politiker zu werden?
Man kann auch mit einem schlechten Zeugnis Politiker werden.

Robin Hübsch: Was muss man studieren, um Politiker zu werden?
Eigentlich muss man gar nichts studieren. Wenn du 16 Jahre alt bist, kannst du dich schon zur Wahl für den Rat der Stadt Goslar aufstellen lassen.

Erwin Holzmann: Sitzen Sie viel am Computer?
Ja.

Robin Hübsch: Gibt es für den Landrat bestimmte Arbeitskleidung?
Nein.

Felicia Lea Seita: Gibt es auch Besprechungen, die nicht im Kreishaus stattfinden?
Ja, ich bin viel unterwegs – im Landkreis, aber auch in Hannover oder in Berlin. Ich bin bei anderen Bürgermeistern im Büro, in Schulen oder Firmen.

Felicia Lea Seita: Wie viele Leute sind bei den Besprechungen dabei?
Das ist unterschiedlich. Mal nur einer oder auch mal 20 Leute.

Michel Zietz: Haben Sie viel Kontakt zu Ihren Mitarbeitern?
Ich rede viel mit ihnen, wir haben regelmäßig Besprechungen. Aber unter den 700 Mitarbeitern gibt es auch welche, die ich gar nicht kenne.

Michel Zietz: Haben Mitarbeiter von Ihnen schon mal eine Straftat begangen?
Bestimmt. Ich würde mich wundern, wenn nicht. Aber ich weiß es nicht.

Jan-Pierre Struck: Worin unterscheiden sich Ihre Aufgaben zu denen von Goslars Oberbürgermeister Henning Binnewies?
Grundsätzlich sind unsere Aufgaben ähnlich, betreffen aber andere Bereiche. Er ist für die Straßen der Stadt zuständig, ich für die  Straßen im Landkreis.

Florian Keil: Wofür gibt der Landrat das meiste Geld aus?
Den Großteil des Haushaltes des Landkreises wird im sozialen Bereich ausgegeben, das sind 60 Prozent. Das Geld ist beispielsweise für Leute, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen, aber auch, um behinderte, alte oder kranke Menschen gut unterzubringen.

Anna Jankowski: Entscheiden Sie, ob etwas Neues gebaut wird?
Das mache ich nicht alleine. Das entscheidet der Kreistag. Aber ich mache Vorschläge.

Robin Hübsch: Ich spiele im Goslarer Musikzug. Wenn wir einen Raum in einem Jugendzentrum mieten wollten, gehen wir dann zu Ihnen?
Nein, das macht die Stadt Goslar. Aber wenn euch das Geld dafür fehlt, dann könnt ihr zu uns kommen.

Michel Zietz: Wie viele verschiedene Arbeitsfelder gibt es im Landkreis?
Das kann ich gar nicht sagen. Aber es gibt viele verschiedene Berufe, wie Straßenwärter, Hausmeister und Sekretärinnen. Es gibt aber auch Berufe der Studienrichtungen Jurist, Bauingenieur, Wasserwirtschaft und Naturschutz.

Felicia Lea Seita: Haben Sie jemanden, der Sie vertritt?
Ja, ich habe einen Stellvertreter wenn ich krank, im Urlaub oder nicht im Haus bin.

Felicia Lea Seita: Haben Sie auch schlechte Tage als Landrat?
Ja, das ist wie bei allen anderen Menschen auch. Es gibt Tage an denen bin ich unzufrieden mit mir selbst, mit Entscheidungen, mit dem was in der Zeitung steht.

Anna Jankowski: Haben Sie schon mal Angela Merkel getroffen?
Getroffen ja, aber nur aus der Entfernung. Ich habe nicht mit ihr gesprochen. Das war auf einer Veranstaltung in Berlin – einer Versammlung aller Landräte Deutschlands. Dort hat Frau Merkel eine Rede gehalten.

Erwin Holzmann: Reisen Sie als Landrat in ferne Länder?
Nein. Das weiteste war unser Partnerlandkreis in Polen.

Robin Hübsch: Sprechen Sie auch polnisch?
Nein. Aber der polnische Landrat  spricht deutsch, weil er eine Zeit lang in Deutschland war. Es sind aber auch Übersetzer dabei.

Richard Fricke: Muss man viele Sprachen können?
Da ich hauptsächlich in Niedersachsen unterwegs bin, komme ich gut mit deutsch aus. Englisch ist hilfreich, aber das ist in vielen anderen Berufen auch so.

Philip-Shahin Sadeghian: Ist das Gebäude hier immer offen?

Während der Öffnungszeiten kann jeder kommen, zu Veranstaltungen auch manchmal am Abend.

Richard Fricke: Haben Sie als Landrat eine Chauffeur?

Für längere Strecken habe ich jemanden, der fährt, damit ich hinten im Auto am Laptop arbeiten kann.

Filipe Alexandre Manke Almeida: Welche war die längste Strecke, die Sie gefahren sind?
Das war an den Bodensee.

Diego Moura Chacon: Fahren Sie ein normales Auto oder eine Limousine?
Einen Audi – ein normales Auto mit ein bisschen mehr Platz.

Robin Hübsch: War Politiker immer Ihr Traumberuf?
Nein, als Kind habe ich mir das nicht vorgestellt. Ich habe lange gebraucht, um mich zu entscheiden. Als Anwalt zu arbeiten hat mir auch viel Spaß gemacht.

Anna Jankowski: Können Sie uns Berufe nennen, in denen man viel Geld verdienen kann?
Es ist nicht wichtig, viel Geld zu verdienen, sondern Spaß im Beruf zu haben. Nur, wenn man gerne zur Arbeit geht, kann man auch gut sein.

Robin Hübsch: Würden Sie aufhören, wenn Sie im Lotto gewinnen würden?
Nein. Ich denke, es wäre falsch, sich auf die faule Haut zu legen wenn man viel Geld erbt oder gewinnt. Das wäre ein paar Wochen lang witzig, aber dann auch langweilig.

Felicia Lea Seita: Was wollten Sie als Kind werden?
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich so wie viele, Lokführer oder Pilot.

Robin Hübsch: Werden viele Leute Politiker?
Aus meiner Sicht zu wenige. Denn es ist wichtig, dass sich viele Leute engagieren.

Jan-Pierre Struck: Wie viele Politiker darf es höchstens geben?
Im Kreistag sitzen 48. In anderen Gemeinden ist das anders, das hängt von der Größe ab. Im Rat der Stadt Goslar sind es 41 Politiker. Und dann gibt es noch viele Politiker in den Parteien. Aber für die Gremien ist die Anzahl im Gesetz festgeschrieben.

Chantal Scheibel: Gibt es eine Altersbegrenzung für Politiker?
Als Landrat neu gewählt werden darf man nur bis 65 Jahre. Im Amt sein darf man bis 68 Jahre. Für Ehrenamtliche gibt es keine Begrenzung.

Philip-Shahin Sadeghian: Sie sind in der SPD. Verstehen Sie sich mit Leuten aus der CDU?
Ja, wir haben ein gutes Verhältnis. Manchmal sogar ein besseres als zu SPD-Kollegen.

Felicia Lea Seita: Gibt es eine Partei, mit der Sie sich nicht gut verstehen?
Man hat ja immer mit Menschen zu tun und da gibt es immer Leute, mit denen man sich besser und schlechter versteht.

Loure-Jane Krischok : Haben Sie Haustiere?
Nein. Früher, während der Studienzeit, hatte ich einen Hund. Aber jetzt habe ich kein Tier, weil mir die Zeit fehlt.

Jan-Pierre Struck: Was gefällt Ihnen an Goslar?
Goslar ist überschaubar, man kann vieles zu Fuß erreichen. Man ist schnell in der Stadt und auch schnell im Grünen.

Loure-Jane Krischok: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich spiele mit meinen Kindern, gehe gerne spazieren, manchmal fahren wir auch mit dem Segelboot. Ich bin gerne in der Natur.