Eine Grundschule voll er Flöhe – aber nur theoretisch

Zauberkünstler sind faszinierend. Dressierte Flöhe ebenfalls. Kuriositätenkünstler Marco Assmann war daher ein wunderbares und unterhaltsames „Objekt“ für Kinder fragen der Kenner. Im Mai hatten Kinder der Klassen 4a und 4b der Grundschule Langelsheim die Gelegenheit, sich als echte Zeitungsinterviewer zu beweisen.

Akribisch haben sie sich auf diesen besonderen Tag vorbereitet. Sie haben Informationen zu Flöhen gesammelt und natürlich zu dem Kuriositätenkünstler Marco Assmann aus Lautenthal. Der 38-Jährige widmet sich ganz den alten Jahrmarktskünsten und reist mit seinem Floh-Circus, der im 18. Und 19. Jahrhundert sehr verbreitet war, in ganz Europa herum.

In Langelsheim machte er zwar ohne seine krabbeligen Gefährten Station, aber ein paar Zaubertricks hatte er parat – aber erst, nachdem die Schüler ihren Wissensdurst gestillt hatten.

 Jan-Nicklas: Macht Ihr Job Spaß?
Ich habe den tollsten Beruf der Welt.

Cathrin: Arbeiten Sie nur mit Flöhen oder auch mit anderen Tieren?
Ich habe auch noch zehn Papageienvögel. Von klein bis ganz groß. Dann noch einen Chihuahua, der zählen kann und andere kleine Kunststücke vorführt. Und ich habe ein Zwergschwein. Das ist aber mittlerweile in Rente.

Nathalie: Was hat sie dazu bewegt, den Floh-Circus aufzumachen?
Ich fand es schon immer toll, Leute zu verblüffen. Ich will das Staunen erhalten.

Tom: Was hält Ihre Familie davon?
Meine Frau findet das total toll. Und ohne meine Frau ginge das auch alles gar nicht.

Nathalie: Macht Ihre Frau auch beim Circus mit?
Nein, die ist Professorin an der Uni.

Daniel: Haben Sie sich schon mal Tricks ausgedacht?
Dauernd. Ich habe auch viele alte Tricks wieder entdeckt, neu entwickelt und verändert.

Justin: Sind die Reisen für die Flöhe nicht zu aufregend?
Nein. Die reisen ja ganz entspannt und ruhig im Dunkeln. Da wäre es auf einem Igel oder einem Hund viel wackeliger.

Daniel: Ist auch schon mal was in die Hose gegangen?
So direkt noch nicht. Aber etwas geht ja immer schief. Ich habe mich mal mit einer Schere geschnitten und einmal habe ich vor dem Trick ein Ei in meiner Jackentasche zerdrückt.

Nathalie: Haben Sie oder die Flöhe Lampenfieber?
Ich ja, aber die Flöhe … manchmal glaube ich, dass sie auch welches haben. Das muss ja auch so sein.

Lucas: Haben Ihre Eltern auch schon gezaubert?
Nein. Die hatten damit nichts zu schaffen. Ich bin ein Quereinsteiger.

Franziska: Wo haben Sie das mit den Flöhen gelernt?
Das war schwierig. Früher dachte ich, dass mit den Flöhen müsste ein Zaubertrick sein. Ich habe dann ganz viele Bücher gelesen. Wenn ich in London im Urlaub war, habe ich alte Dokumente durchgesehen, um mehr darüber zu erfahren. Denn es war natürlich kein Trick, es sind echte Flöhe, die da etwas vorführen.

Dann bekam ich einen Anruf von einem Freund, der in England eine winzige Kutsche gesehen hatte, wie ich sie suchte. Ich bin dann auch nach England geflogen und habe da einen alten Flohzirkus aufgekauft. Und da war auch ein Flohdraht dabei. Den braucht man, um die Flöhe an die Kutsche oder das Hochseil zu binden.

Ich habe dann eine Tierärztin angerufen und ihr von dem Flohzirkus erzählt. Ich sagte, ich wisse, wie es theoretisch ginge, aber mir würden noch die Flöhe fehlen. Nach einiger Zeit rief sie an und sagte: „Ich habe einen verflohten Hund“ – danach hatte ich tatsächlich meine ersten acht Flöhe. Mit den Flöhen in einer Box habe ich mich draußen auf die Terrasse gesetzt und versucht, sie in Draht zu wickeln. Bei Dreien hat es geklappt, fünf Flöhe sind geflohen. Und einer der drei Flöhe hat dann tatsächlich die Kutsche gezogen. So fing das damals an.

Aragon: Wie viele Flöhe braucht man für einen Circus?
Ich brauche welche für die Kutschen und je einen für den Fußballtrick, das Hochseil und das Karussell. Mit etwa fünf bis sechs Flöhen könnte man also eine Show machen. Manche Flöhe können natürlich auch mehrere Sachen gut.

Cathrin: Wie schmeckt eine Glühlampe?
Ah, ein anderes Thema. Sie schmeckt nach Glas. Ich war letztens im Fernsehen und habe am Ende diesen alten Trick vorgeführt. Früher gab es tatsächlich sogenannte Glasesser. Ich habe dann eine Glühlampe gegessen. Das geht auch mit Gläsern. Aber bitte nicht nachmachen!

Tom: Wie viele Kunststücke können ihre Flöhe?
Insgesamt können die vier Tricks. Kutsche ziehen, Hochseiltanz, Fußball spielen und Karussell fahren.

Lucas: Können die auch was gleichzeitig machen?
Manchmal mache ich Kutschenrennen.

Justin: Ist das eigentlich ein Beruf, den man erlernen kann, bilden Sie auch aus?
Es ist eher eine Berufung als ein Beruf. Eine Ausbildung gibt es dafür nicht. Aber es gibt viele Leute, die sich dafür interessieren und dann nachfragen, so wie ich es gemacht habe.

Franziska: Wie sind Sie so berühmt geworden?
Ich mache sehr viele Auftritte. Das ist viel Arbeit. Man kommt dann erst in die Zeitungen und irgendwann auch ins Fernsehen. Ich bleibe halt immer am Ball.

Sina: Haben Sie berühmte Leute kennengelernt?
Ja, ein paar. Aber das sind auch nur Menschen.

Daniel: Haben Sie Konkurrenz?
Ich glaube nicht. Es gibt ja nicht so viele, die so etwas machen. Ich gehe meinen eigenen Weg. In Europa bin ich der einzige mit einem reisenden Floh-Circus. In München gibt es noch einen, aber der tritt nur in München auf.

Nathalie: Wie gehen die Tricks, die Sie machen?
Willst du das wirklich wissen?

Nathalie: Ja.
Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?

Nathalie: Ja.
Ich auch … Nein, solche Zaubertricks muss man einfach ganz oft üben. Irgendwann klappen sie dann.

Lilly Mae: Wie viele Shows haben Sie schon gemacht?
Gute Frage … Da muss ich mal rechnen. Ich mache so etwa 50 Auftritte als Zauberer und 50 mit dem Flohzirkus. Das sind dann jeweils so bis zu sechs Shows an einem Tag. Ich mache das ja seit zehn Jahren hauptberuflich. Vielleicht waren es so um die 3500 Shows.

Aragon: Können Sie davon leben?
Seit 2002 lebe ich davon. Davor habe ich das nur so nebenbei gemacht.

Cathrin: Wo treten Sie überall auf?
In ganz Europa. Kopenhagen, Mallorca, Monte Carlo, Frankreich, Spanien und natürlich Deutschland. Ich bin auf Kultur- und Straßenfesten, auf nostalgischen Jahrmärkten und im Varieté-Theater oder auch auf privaten Feiern.

Tom: Müssen Flöhe stark sein?
Flöhe können das 160 000-fache ihres Gewichtes ziehen. Um das zu schaffen müssten wir mehrere Lkws bewegen. Sie springen auch über das 150-fache ihrer Größe. Wir müssten dazu über den Kölner Dom springen. Das wären 300 Meter.

Justin: Stellen Sie Ihre ganzen Sachen selbst her?
Ja, viele. Manche lasse ich auch herstellen. Die Kutschen lasse ich von Goldschmieden oder Uhrmachern fertigen. Die Fackeln zum Feuerschlucken mache ich zum Beispiel auch selbst.

Franziska: Wo leben die Flöhe?
In kleinen Kunststoffdosen in einem Koffer im Flohzirkuswagen.

Lennart: Jucken Flöhe nicht?
Mich juckt es nicht mehr oder nur ganz selten. Es gibt ja auch dieses Phantomjucken. Das haben viele, wenn sie die krabbeligen Flöhe sehen. Für mich ist das aber normal.

Sina: Worauf muss man bei den Kutschen achten?
Alles muss ganz leicht sein und sich einfach bewegen lassen.

Justin: Muss man die auch ölen?
Ja, natürlich. Man macht das mit Nähmaschinenöl.

Adrian: Können Sie sich teleportieren?
Ich mich selbst nicht und Dinge nur in Gedanken. Ich zeig euch nachher einmal, wie ich Sachen verschwinden lasse.