Der Herr der wilden Katzen


Luchse sind faszinierende Tiere. Der Herr der schleichenden Raubkatzen, Ole Anders, Koordinator des Luchsprojektes Harz, war der ideale Ansprechpartner für die vielen Fragen der Viertklässler der Glückauf-Schule in St. Andreasberg.

Mandy: Haben Sie Kinder?
Ich hab noch keine Kinder, aber unser erstes Kind ist unterwegs. Das könnte noch diese Woche kommen.

Yannick: Welche Hobbys haben Sie?
Ich bin Jäger und Fotografieren macht mir unheimlich viel Spaß. Wenn man Tiere fotografiert, ist das ja so ähnlich wie auf Jagd gehen, weil man auch im Wald ruhig sein und lange warten muss, bis man ein tolles Tier vor den Fotoapparat kriegt. Ich gehe auch ab und an noch mal joggen und ich lese total gerne.

Alicia: Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Als ich so alt war wie ihr, wollte ich Förster werden. Mein Vater ist auch auf die Jagd gegangen und sein Vater war auch Förster. Das fand ich früher schon toll. Hat ja auch fast geklappt. Ich hab dann Forstwirtschaft studiert, aber dann sind es die Luchse geworden.

Charlotte: Seit wann arbeiten Sie im Nationalpark?
Seit dem Jahr 2000. 1996 bin ich in Göttingen mit dem Studium fertig geworden. Und dann hab ich geschaut, irgendwie Geld zu verdienen. Dann war es ein großer Zufall, dass hier im Nationalpark im Harz dieses Luchsprojekt gestartet wurde, seither bin ich dabei.

Lukas: Warum arbeiten Sie im Nationalpark?
Ich fand das schon immer extrem spannend. Lange bevor ich jetzt im Nationalpark Harz Geld verdient habe, bin ich früher schon immer durch Nationalparks auf der ganzen Welt gereist. Ich war schon in Amerika, Polen und in Afrika. Ich fand das schon immer spannend, Natur Natur sein zu lassen und sie sich wirklich so entwickeln zu lassen, wie die Natur von sich aus sein möchte. Das sich anzuschauen und die Tiere zu beobachten, fand ich so spannend, dass ich ganz froh war, in einem Nationalpark mitten in Deutschland arbeiten zu können.

Aron: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten?
Dass sie so abwechslungsreich ist. Zum Beispiel kann ich morgens mit einer Klasse von supernetten Kindern unterwegs sein und Fragen beantworten und am Nachmittag, wenn man Glück hat, vielleicht irgendwo einen Luchs fangen. Oder gucken, was die Luchse gerade machen. Man weiß nie, wenn man morgens aus dem Bett steigt, was einem an dem Tag passiert.

Dustin: Wie ist das Luchsprojekt entstanden?
Das hat lange gedauert, bis es losgegangen ist. Das hat schon vor vierzig Jahren angefangen. Der Luchs gehört hier eigentlich her, aber durch uns Menschen ist er vor 200 Jahren ausgerottet worden. Da hat man sich Gedanken gemacht, ob das sinnvoll wäre, den Luchs hier wieder anzusiedeln. Über 40 Jahre haben sie sich gestritten, ob das geht oder nicht. Am Ende hat der Nationalpark, die Landesjägerschaft und die Landesregierung von Niedersachsen das Projekt gemeinsam umgesetzt.

Felix: Warum mögen Sie Luchse?
Luchse sind sehr elegante und schöne Tiere, aber eben auch sehr kraftvoll und sie sind selbst auch Jäger. Luchse jagen viel besser und sind in diesem Gebiet viel cleverer als ich, Ich finde es sehr interessant, sie zu beobachten ihnen bei der Jagd zuzugucken.

Denise: Wie viele Luchse leben im Harz?
Das ist eine ganz schwierige Frage und wahrscheinlich die einzige, bei der ich keine klare Antwort geben kann. Wir versuchen gerade, das herauszufinden. Wir haben 24 Luchse ausgewildert. Die haben sich aber mittlerweile vermehrt. Einige sind durch Unfälle oder Krankheiten ums Leben gekommen. Das alles tun sie aber im Wald. Die Luchse, die im Harz geboren werden, kommen ja nicht vorbei und sagen: „Hey! Ihr seid ja das Einwohnermeldeamt für Luchse und ich wollte eben sagen, dass es mich hier jetzt gibt.“ Deshalb müssen wir ganz schön pfiffig sein, um das herauszufinden. Wir gucken jetzt, wie groß ein Revier für einen Luchs ist. Dann rechnen wir das auf den Harz hoch und gucken, wie viele da sein könnten.

Verena: Wo im Wald leben Luchse?
Eigentlich fast überall. Sie sind nicht sehr anspruchsvoll. Während des Tages legen sie sich irgendwo hin, wo sie weit sehen können, aber selbst nicht gesehen werden. Felsklippen finden sie zum Beispiel total klasse.

Selina: Was fressen Luchse?
Luchse sind reine Fleischfresser. im Harz ernähren sie sich überwiegend von Rehen und Hirschen.

Alexander: Wie groß und wie schwer kann ein Luchs werden?
20 Kilo ist recht normal für einen Luchs. Wenn man den Schwanz dazu rechnet, ist er so etwa 1,20 Meter lang und die Schulterhöhe ist 60 Zentimeter. Fast so wie ein Schäferhund. Mandy: Sind Luchse gefährlich?
Nein, wir haben ja schon 11 Jahre Luchse hier im Harz. Es wurden bisher keine Leute angegriffen oder so etwas. Es ist ja schon schwierig, einen zu Gesicht zu bekommen.

Mandy: Kommen Luchse freiwillig zu den Menschen?
Eigentlich nein. Manchmal kommen die Menschen zu den Luchsen. Wenn jemand um die Wegbiegung kommt und dann hat sich ein Luchs in die Sonne gelegt, kann es sein, dass der Luchs eine gewisse Zeit da sitzen bleibt. Auf diese Art kann man sogar ziemlich nah an einen ran. Aber der Luchs kommt eigentlich so gut wie nie zu den Menschen.

Können Luchse in Farben sehen?
Ja, die können Farben sehen. Das ist aber schwer herauszufinden, welche Farben die sehen können. Luchse haben aber unheimlich gute Augen, viel besser als wir. Die leben ja davon, dass sie so gut sehen können und Geschwindigkeiten einschätzen können.