Klassenbesuch: Ein Leben auf zu großem Fuß

Die Erde gibt uns so viel, geben wir ihr etwas zurück: Bei (v.li.) Verena, Celina, Leona und Jasmin ist die Botschaft des Energiesparens angekommen. Celina hat beispielsweise aufgemalt, was sie alles zu den Stromfressern zählt. Foto: Picker

Wer Energie spart, der spart Geld – und entlastet unseren Planeten. Denn die Erde hat längst nicht so viel zu geben, wie wir ihr nehmen. Und so steuern wir Menschen auf eine große Pleite zu. Im Portemonnaie merken wir sie schon: Energie wird teurer. Aber auch ökologisch könnten wir bald richtig arm dran sein. Denn viele unserer Energiequellen sind nun einmal endlich. Energie – darüber hat sich die Klasse 5d der Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld Gedanken gemacht. Schulleiter Oliver Bollmann hatte sich bei der GZ-Energieserie beworben und den Zuschlag bekommen. Für die Realschüler steht daher ein eher untypisches Schulfach auf dem Stundenplan. Untypisch ist auch die Lehrerin dazu: Margrit Zawieja, Energieberaterin der Verbraucherzentrale, hat die Aufgabe, das umfassende Thema Energie in 90 Schulminuten zu pressen.

Bewusster Umgang

Es ist ohne Frage ein schwieriges Thema. An der Haupt- und Realschule wird aber schon viel getan, um Energie zu sparen. Die Schüler bekommen davon allerdings oft nichts mit, und brauchen sich nicht großartig um Heizung oder offene Fenster zu kümmern. Dafür gibt es Technik. Gerade deshalb ist es aber besonders wichtig, das Bewusstsein für Energieverbrauch und -verschwendung zu schärfen. Denn selbstverständlich ist Energiesparen noch nicht. Energieverbrauchen dagegen schon. Strom, Wasser, Wärme – diese Schlagworte fallen den Fünftklässern spontan zum Thema ein. Wofür sie Energie verbrauchen, wissen sie auch: Handy, Dusche, Akkuschrauber, Fernseher, Playstation, Stichsäge… Und in der Schule kommen noch Kopierer und Licht dazu. Auch Energiequellen fallen den Schülern ein: Windkraft, Wasserkraft, Gas und Öl etwa.

Nahrung und Energie

Aber Energie ist mehr: „Wir brauchen Energie, um Sachen herzustellen“, sagt die Energieberaterin. Und auch, „um Sachen zu transportieren“, ergänzt Zawieja. Aber auch Nahrung sei Energie. Diese Form von Energie soll für die Doppelstunde ein sehr wichtiger Faktor sein. Denn die meiste Energie steckt in der Nahrungsmittelindustrie. Das ist vielen der Schüler nicht bewusst. „Wie ist das denn mit Milch?“, fragt Zawieja. Kühe geben Milch, wissen die Schüler. Und Kühe brauchen etwas zu fressen. Mit dieser Energiezufuhr kann man eine Kuh mehrmals melken. „Und wie ist das mit Fleisch?“ Wieder so eine Frage von der Energieberaterin, die die Schüler stutzen lässt. Wieder ist da die Kuh, wieder muss sie fressen – aber man kann sie nur einmal schlachten und zu Fleisch verarbeiten. Mehr Energie für weniger Nahrung. Zawieja malt einen großen Fuß an die Tafel. „Das ist der Energie-Fußabdruck eines Menschen“, sagt sie. Sie malt einen weiteren Fußabdruck, der viel kleiner ist als der erste. Er verdeutlicht den Abdruck, den wir Menschen haben dürften. Den, den die Erde abdecken könnte. „Jeder Mensch in Deutschland verbraucht zu viel Energie“, sagt Zawieja und zeigt auf den großen Kreidefuß. Vier Fußballfelder – so riesig soll er sein, unser Fußabdruck.

Schuldenberge

Fleisch beansprucht bei dieser Betrachtung des Energieverbrauchs den größten Anteil. Käse, Obst oder Gemüse verteilen sich auf die Größe der einzelnen Zehen. Strom und Heizung sind ein großer Bereich der Ferse, aber der Fußballen geht komplett für Fleisch drauf. „Was macht ihr, wenn das Taschengeld nicht reicht“, fragt Zawieja in die Runde. Finger schnellen nach oben. „Leihen“ lautet die Antwort. So macht der Mensch es auch mit der Energie: „Wir machen Schulden“, sagt Zawieja. Aber so könnten die Menschen nicht ewig weiter leben. Was also tun? „Weniger Fleisch essen“, sagt Fabian. Licht aus machen und öfter mit dem Fahrrad fahren, schlagen die Fünftklässler vor. „Wasser sparen“, sagt Verena. Bei der Frage, wie viel Wasser jeder pro Tag verbraucht, überlegen die Schüler. „20 Liter“, schätzt Marco. Es sind 130 Liter, klärt die Energieberaterin auf. Eine Menge, die sich hier im Raum wohl kaum einer vorstellen kann.

Kleinigkeiten helfen

Die Schüler suchen noch nach weiteren Möglichkeiten, die Erde zu schonen – und da gibt es einiges, für das man keinen großen Aufwand betreiben muss: Elektrogeräte ganz ausschalten und nicht auf Stand-by stellen; die Heizung nur um 1 Grad Celsius runter drehen; Müll trennen; Papier beidseitig beschreiben; das Frühstück in Brotdosen mit zur Schule nehmen, Mehrwegflaschen kaufen; defekte Sachen reparieren und nicht gleich wegwerfen. Es gibt viele Wege, Geld und vor allem Energie zu sparen. Denn wer lebt schon gern auf Pump? Die 5d jedenfalls nicht.pic