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Experten-Interview: "Klimaschutz schont auch den Geldbeutel"

Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie
Vor einer doppelten Herausforderung stehen Politik wie Verbraucher in puncto Energie: Angesichts steigender Preise gilt es, den Verbrauch zu reduzieren und gleichzeitig den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken. Über den Zusammenhang zwischen beiden Zielen sprach GZ-Redakteur Ralf Blasig mit Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie.
Wir verbrauchen noch immer viel mehr Kohle, Öl und Gas, als unser Klima verträgt. Welchen Anteil haben daran die privaten Haushalte?
Rund ein Viertel der klimaschädlichen Emissionen entsteht in privaten Wohnhäusern. Dazu kommt noch der Ausstoß im Straßenverkehr - aus unser aller Autos.
Was raten Sie Verbrauchern, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen?
Schon bei den Elektrogeräten kann man viel erreichen. Zum Beispiel sollte man beim Kauf von Waschmaschine, Trockner und Kühlschrank darauf achten, dass die Geräte bei der Energieeffizienz in die beste Kategorie fallen. Bei der Beleuchtung sollte man Energiesparlampen oder LED-Produkte nutzen. Und der Stand-by-Betrieb des Fernsehers ist meist vermeidbar. Durch eine Steckdosenleiste mit Schalter kann man das Gerät leicht ganz vom Netz nehmen.
Wie steht es mit dem Wärmeverbrauch?
Der ist neben dem Strom ein weiteres großes Feld. Hier sollte man sich beispielsweise fragen: Muss die Wohnung wirklich geheizt sein, während ich bei der Arbeit bin? Verhindern lässt sich das etwa mit Zeitschaltuhren.
Wie viel Geld können Verbraucher sparen, die konsequent auf ihren Energieverbrauch achten?
Das hängt natürlich von der Ausgangslage ab. Wer bisher relativ großzügig verbraucht hat, der kann die Kosten ohne Probleme um mehr als die Hälfte senken. Wenn jemand schon sehr sparsam ist, dann sind die Möglichkeiten natürlich geringer. Fest steht: Kostenbewusstsein lohnt sich immer - gerade auch auf längere Sicht. Die Ausgaben für einen energieeffizienten Kühlschrank beispielsweise hat man nach drei bis vier Jahren wieder reingeholt. Klimaschutz schont auch den Geldbeutel.
In einem Modellprojekt berät Ihr Institut Bottrop im Ruhrgebiet beim Umbau zur grünen Stadt. Was soll dort geschehen?
Ziel ist es, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid binnen zehn Jahren um 50 Prozent zu verringern. Dies erfolgt in einem groß angelegten Versuch in einem Pilotgebiet, das etwa die Hälfte der Stadtfläche Bottrops umfasst. Privathaushalte gibt es dort ebenso wie Gewerbe und Industrie, insgesamt leben hier mehr als 60000Menschen.
Was genau haben Sie vor?
Eine so starke CO2-Einsparung ist nur mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen erreichbar. Lassen Sie mich zwei Beispiele geben: In dem gesamten Gebiet werden alte Heizungen durch neue und effizientere ersetzt. Und aus der örtlichen Kläranlage wird künftig ein Hybridkraftwerk, das mit Klärschlamm ebenso Energie erzeugt wie mit Windkraft. Finanziell unterstützt wird das Ganze übrigens von mehreren großen Unternehmen. Rund 100 Millionen Euro fließen allein in das Hybridkraftwerk.
Lässt sich das Vorhaben auf andere Städte übertragen?
Genau darum geht es. Bottrop soll zu einer Art Schaufenster werden, in dem andere sehen können, wie es geht. Zunächst gilt das für die anderen Städte im Ruhrgebiet, die sich ebenfalls um das Modellprojekt beworben hatten. Doch auch weit darüber hinaus können Kommunen von Bottrop lernen.
Funktionieren kann Klimaschutz allerdings nur weltweit. Fällt unser Verhalten da überhaupt ins Gewicht?
Von den globalen CO2-Emissionen entfallen zwar lediglich drei Prozent auf Deutschland. Doch entscheidend ist die Dynamik: Wir müssen Modelle entwickeln, die anderen zeigen, dass sich ein Land auch klimaschonend entwickeln kann. Wenn die Industrienationen nicht mit gutem Beispiel vorangehen, wie sollen wir dann die Entwicklungs- und Schwellenländer überzeugen? In Indien etwa liegt der CO2-Ausstoß pro Kopf bei einer Tonne im Jahr. In Deutschland sind es zehn Tonnen. Inder, Chinesen oder Brasilianer werden kein Abkommen unterschreiben, das dieses Ungleichgewicht zementiert.
In Deutschland wollen wir nicht nur das Klima schützen, sondern zugleich aus der Atomkraft aussteigen. Lassen sich diese Ziele überhaupt vereinbaren
Ja, unbedingt. Wenn wir nur die Einsparpotenziale in Industrie und Haushalten nutzen, sind damit alle Atomkraftwerke entbehrlich. Die eigentliche Herausforderung besteht im Ausbau der Leitungen und im Aufbau von Speicherkapazitäten.
Welche Rolle spielen dabei Pumpspeicherkraftwerke, wie auch eines im Harz geplant ist?
Die gehören wegen ihrer hohen Kapazität unbedingt in einen vernünftigen Mix zur Energiespeicherung. Gerade das Harzer Projekt ist auch technologisch interessant. Eine genaue Prüfung lohnt allemal.
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