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Seesen
Rösler als Ehrengast bei der Stiftung „Kirche in unserer Zeit“
SEESEN. Er ist der Minister aus Berlin, der derzeit wie kaum ein anderer im Fokus des Interesses steht: Bundesgesundheitsminister Dr. Phillip Rösler. Es geht um die so genannte Kopfpauschale im Gesundheitswesen – aber, so wird immer auch behauptet, um seinen eigenen Kopf.
Doch Rösler ließ als Gastredner keinen Zweifel: „Egal, was sie lesen. Ich werde noch sehr lange Gesundheitsminister bleiben“, kündigte er am Rande des 5. Stifterfest der Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ der Propstei Seesen an. „Und wenn es mir doch einmal zu viel wird, dann komme ich so wie hier nach Hause zum Auftanken.“
Nackt durch Berlin
Launig wagte er auf dem Kirchberger Rittergut den Einstieg in sein Thema Gesundheitspolitik. Erzählte davon, wie es so sei, wenn man in der Medienstadt Berlin sage, ohne Hut und Mantel raus gehen zu wollen und daraus dann werde, dass Rösler „nackt über die Friedrichstraße“ rennen wolle. Sein Chefarzt habe dabei übrigens früher zu ihm immer gesagt, bei einer OP sei er zwar nicht der Beste, aber der Lustigste.
Deutschland habe die beste Gesundheitsvorsorge – aber nicht wegen, sondern trotz des Systems, erklärte Rösler. Und dafür sorgten ausschließlich die „Leistungserbringer“, also die Ärzte. Das derzeitige Gesundheitssystem kennzeichne „kein fairer Wettbewerb, sondern die unfaire Konkurrenz“, erläuterte der FDP-Politiker. „Die besten Chancen hat der, der sich im komplizierten Regelwerk am besten auskennt.“ Rösler plädierte für eine „neue Kultur des Vertrauens“, um der Bürokratie im Gesundheitswesen entgegentreten zu können.
Gesundheit sei keine beliebige Ware, sondern ein hohes Gut. Solidarität sei im eigentlichen Sinne, dass der Starke den Schwachen helfe, oder eben der Gesunde den Kranken. Das sei die originäre Aufgabe einer Krankenversicherung. Aber dass wegen des gleichen Beitragssatzes höhere Einkommen mehr einzahlen, das bezeichnete Rösler als „tendenziell unsozial.“ Zwar müsse es in jeder Gesellschaft einen Ausgleich zwischen Arm und Reich geben, aber dafür sei das Steuersystem da und nicht die Krankenversicherung. Erneut sprach er sich dafür aus, die Beitragsfinanzierung auf eine einkommensunabhängige Pauschale umzustellen. Die Leute würden gerne einzahlen, wenn sie die Sicherheit hätten, dass auch ihnen später, wenn sie es benötigen, Geld für Leistungen zur Verfügung steht.
Christliche Ethik
Ganz klar wandte sich Rösler gegen Diskussionen um Priorisierung und Rationierung im Gesundheitssystem – und damit gegen die Frage, in wie weit Behandlungen für schwer kranke Menschen noch verordnet werden sollen. „Diese Frage ist für mich mit meiner christlichen Ehtik nicht zu vereinbaren.“
„Uns fehlt als Mensch die Akzeptanz für die Endlichkeit. Der Tod wird ausgeblendet“, hatte zuvor Prof. Jan R. Ortlepp, Chefarzt für Innere Medizin und Intensivmedizin der Seesener Schildautalklinik, angemerkt. „Es ist eine Illusion, dass alles, was medizinisch machbar ist, dass jeder Eingriff, der empfohlen wird, auch sinnvoll ist“, hatte er angefügt.
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