Schladen

Samtgemeinde informiert über Haushalt: Pralinen versüßen bitteres Defizit

05.03.2010
Von Detlef Kühlewind

Samtgemeinde informiert über Haushalt: Pralinen versüßen bitteres Defizit

SCHLADEN. Nie war das Defizit der Samtgemeinde höher und die Aussicht düsterer. Doch als die Verwaltungsspitze am Donnerstagabend öffentlich über die finanzielle Situation informierte, erntete sie von den Bürgern keine Kritik – stattdessen gab es viel Verständnis und sogar Anerkennung.

Erst in der nächsten Woche berät der Samtgemeindeausschuss in nicht öffentlicher Sitzung den Haushalt der Samtgemeinde Schladen. „Das ist eine einmalige Chance für die Bürger, Einfluss zu nehmen, bevor das im stillen Kämmerlein abgekaspert wird“, sagte Samtgemeindebürgermeister Andreas Memmert.

Bereits zum sechsten Mal lud die Verwaltung in den Sitzungsraum ein, um nicht nur die Zahlen transparent zu präsentieren, sondern auch offen zu sein für Verbesserungs- und Einsparungsvorschläge.

Bevor Kämmerer Wilfried Karrenführer die düsteren Fakten präsentierte, bereitete Memmert das Publikum vor. „Wir servieren Ihnen bittere Kost. Das wollen wir Ihnen versüßen mit Hornburger Hopfenpralinen“, sagte Memmert und reichte die süße Nervennahrung herum – in der Hoffnung, sie möge Glückshormone freisetzen.

Die Schokolade muss gewirkt haben. Schließlich ertrugen die Besucher 40 Minuten lang tapfer alle Schreckensmeldungen. Über gestiegene Personalkosten und die erneut gesunkene Steuerkraft. Über das Defizit der Samtgemeinde einschließlich ihrer Mitgliedsgemeinden, das auf mittlerweile 12,6 Mio. Euro angewachsen ist. Und über die zunehmenden Kosten für den Schuldendienst. 455.000 Euro werden allein in diesem Jahr nötig sein, um die Zinsen zu bezahlen. Dieser Betrag entspricht ziemlich exakt der Summe aller Kürzungen, die bisher mit dem Ziel erfolgt sind, den Haushalt zu konsolidieren.

Vorschläge, was die Samtgemeinde tun kann, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise abzufedern, gab es keine. Und einfach nur den Zustand oder die Arbeit der Kommune kritisieren mochte auch niemand. Dafür beeindruckte die Bürger die Bilanz zu sehr, die Memmert abschließend gezogen hatte. An einer ganzen Reihe von Beispielen hatte der Hauptverwaltungsbeamte aufgezeigt, dass sich trotz des finanzielles Engpasses in Schladen einiges bewegt.

Memmert verwies auf Vorzeigeobjekte und Leuchttürme, erinnerte an Ärztehaus, Bioenergiedorf, Pfalz Werla und die anstehende Anbindung an das Breitbandnetz. „Für den Hochwasserschutzdamm haben wir 90 Prozent Förderung erhalten, dabei sollte es gar nichts sein“, sagte er – sein Publikum war sprachlos.

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