Region Harz

Mordfall Rimbach: Gedichte des Opfers beschlagnahmt

22.07.2010
Von Heinz-Georg Breuer

Mordfall Rimbach: Gedichte des Opfers beschlagnahmt

BAD HARZBURG. Neuerliche Wendung im Mordfall Heike Rimbach: Anfang Juli hat der Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer beim Landgericht Magdeburg, Hans-Joachim Kupfer, im Zuge von Nachermittlungen eine Hausdurchsuchung und Beschlagnahme bei der Mutter des Opfers in Bad Harzburg durchführen lassen.

Kupfer ist derzeit ebenso erkrankt wie der Chef-Ermittler, der Halber- städter Oberstaatsanwalt Helmut Windweh. Ein Gerichtssprecher bestätigte aber den Vorgang als solchen. Konkreter wurde die Sprecherin der Anklagebehörde, die Magdeburger Oberstaatsanwältin Silvia Niemann. Bei der Aktion, bei der sich die Mutter Maria Rimbach „äußerst kooperativ“ verhalten habe, seien zwei unter dem Namen des Opfers verfasste und handgeschriebene Gedichte im Original mitgenommen worden, die vorher nur als Kopie bei den Akten waren. Sie befinden sich jetzt zur Begutachtung durch einen Schriftprobenvergleich im Landeskriminalamt (LKA).

Die in Magdeburg erscheinende „Volksstimme“ berichtet in dieser Woche, dass die Schriftstücke möglicherweise entstanden sind, als die 19-Jährige schon tot war. Das würde die Frage aufwerfen, wer ein Interesse und die Möglichkeiten für eine Fälschung gehabt hätte. Heike Rimbach war Ende August 1995 von ihrem Stiefvater auf dem Dachboden des elterlichen Hauses, der ehemaligen Schäferei in Lüttgenrode, tot aufgefunden worden. Das strangulierte Opfer war dermaßen zugerichtet, dass die Ermittler von einer Beziehungstat ausgingen. Zu Beginn waren so auch Heikes Vater und ihre beiden Brüder ins Visier geraten.

Ein späteres Gutachten eines Profilers führte aus, dass die Tat wahrscheinlich von mindestens zwei Personen begangen wurde, die aus dem sozialen Umfeld des Opfers stammen mussten. Im Herbst 2009 sah hingegen die Mutter endlich ihren jahrelang gehegten Verdacht bestätigt, dass Heikes damals 20-jähriger Ex-Freund der Täter war. Der Mann, der 1995 ein Alibi für die Tatzeit von einem Arbeitskollegen bekommen hatte, wurde auf offener Straße in Bad Harzburg verhaftet, als er seine kleine Tochter vom Kindergarten abholen wollte. Neuerliche Untersuchungen mit verfeinerten DNA-Analysen hatten über Blutreste auf einem Schuh erneut den Verdacht auf ihn gelenkt. Über die Jahre hinweg hatte es von verschiedenen Seiten Kritik an der Ermittlungstätigkeit der Behörden und auch eine Beschwerde gegen Staatsanwalt Windweh gegeben.

Im Dezember wurde der Beschuldigte aber nach einem spektakulären Haftprüfungsverfahren wieder aus der U-Haft entlassen und auf freien Fuß gesetzt, weil nach Auffassung der 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts kein „dringender“ Tatverdacht gegeben war. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Mordanklage erhoben, für die ein „hinreichender“ Tatverdacht genügt.

Ob und wann das Hauptverfahren eröffnet wird, steht in den Sternen. Ein Sprecher des Landgerichts erklärte am Donnerstag, angesichts der Erkrankung des Vorsitzenden und der Nachermittlungen gebe es keinen Zeitplan. Auf keinen Fall würde eine Entscheidung fallen, bevor nicht die beschlagnahmten Schriftstücke durch das LKA ausgewertet seien.

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