Oberharz

Zellbach: Variante „Doppel-Einbahnstraße“ findet wenig Begeisterung

07.03.2010
Von Bettina Ebeling

Zellbach: Variante „Doppel-Einbahnstraße“ findet wenig Begeisterung

CLAUSTHAL-ZELLERFELD. Es geht nicht recht voran mit dem Zellbach. Zwar lägen die Zahlen des Planungsbüros der Verwaltung inzwischen vor, jedoch müsse erst noch die beitragsrechtliche Seite geklärt werden, berichtete Fachdienstleiter Hermann Josef Reinartz dem Umwelt- und Bauausschuss der Bergstadt.

Eine entsprechende Anfrage werde die Verwaltung in den nächsten Tagen Fachanwalt zuleiten, mit dem sie in Straßenbaufragen zusammenarbeitet. Derweil schlagen die Wogen zwischen Anliegern, Ratsmitgliedern und der Verwaltung über den Ausbauumfang und die daraus zu erwartenden Beitragsanteile bereits Wellen. Insbesondere aus der SPD/FDP-Gruppe, die im Januar einen Fragenkatalog zum Thema Zellbach an die Stadt gestellt und in der vergangenen Woche die Antworten erhalten hatte, kommt geharnischte Kritik.

Noch eine Mauer?

Die von der der Verwaltung offenbar favorisierte „große doppelte Einbahnstraßen-Lösung“ stehe „im direkten Gegensatz zu den Bürgerwünschen“, so SPD-Ratsherr Dr. Horst Vaupel. Für ihn liegt zum einen die Ursache für den desolaten Zustand der „hohen Seite“ darin, dass dort seit Jahrzehnten zu schwere Fahrzeuge, wie etwa die der Müllabfuhr, fahren. Außerdem zweifelt der Diplomingenieur die Ergebnisse der im Mai 2009 angestellten Probebohrungen an. Denn seiner Kenntnis nach stehe hinter dem bröselnden inneren Unterbau noch eine Betonmauer, die von den Bohrungen der Materialprüfungsanstalt Hannover nicht erfasst worden sei.

Recherchen dazu legte er dem Umwelt- und Bauausschuss (UBAC) vor. Bei der letzten grundlegenden Sanierung der Straße im Jahre 1957 habe die hohe Seite eine „im Mittel 60 Zentimeter“ dicke und bis 1,60 Meter hohe Stützmauer aus Kies-Stampfbeton erhalten, die also hinter der Vormauerung stehe. Deren Breite sei damals nicht dokumentiert worden; ein seinerzeit am Bau Beteiligter habe sie auf etwa einen Meter geschätzt. Die Probenehmer aber hätten nur bis maximal 85 Zentimeter tief gebohrt.

Schwerer noch wiege, dass die Verwaltung irgendwann (der genaue Zeitpunkt sei nicht bekannt) die Gewichtsbeschränkung der oberen Fahrbahn von 1,5 auf 3,5 Tonnen heraufgesetzt und darüber hinaus noch mit dem Zusatzschild „Anlieger frei“ an der Zufahrt von unten her versehen habe – ein „Unding“, so Vaupel.

Tragfähigkeit relativiert?

Folgerichtig sei die Fahrbahn von da an mit Achslasten befahren worden, die bei dem „lausigen Untergrund“ wie dem Mörtel des Vormauerwerks unweigerlich zur Zerstörung – in diesem Fall zur „Zersandung“ des Kiesbetons – führen mussten. „Ein Verwaltungschef sollte wissen, dass man die Tragfähigkeit einer Straße nicht durch einen Verwaltungsakt erhöhen kann“, so Vaupel, ebenso wenig könne man etwa die Höhenbegrenzung einer Brücke mittels „Anlieger frei“ relativieren. Die Kosten dafür könne man jedenfalls nicht jetzt den Hauseigentümern der Straße auferlegen.

Frist nur bis Herbst

SPD/FDP-Fraktionssprecher Volker Taube zeigte sich verwundert darüber, dass „erst so eine Eile“ geherrscht habe und nun „so viel Zeit“ sei. Dies sei heute auch nicht mehr der Fall als zum Anfang der Planung, sagt Fachdienstleiter Reinartz, zumal der Gutachter nur für ein Jahr die Verantwortung über das Provisorium mit der Mauersicherung durch „Big Packs“ übernehme. Diese Frist laufe im Herbst ab.

Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass die Maßnahme noch 2010 über die Bühne geht. Darüber, dass die von Vaupel angesprochene Betonmauer existiere, gebe es in den Unterlagen des Rathauses keinerlei Hinweise, so Reinartz. „Weitere Proben jetzt im Schnee hätten auch keinen Zweck.“

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