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Liebenburg
Kämmerer Hans-Walter Schlinger geht in Rente
LIEBENBURG. Manch anderer mag es so kurz vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ein wenig gelassener angehen lassen – nicht so Hans-Walter Schlinger, Kämmerer von Liebenburg. Er ist im letzten Jahr seiner Tätigkeit noch einmal richtig durchgestartet.
Es ist der erste Haushalt nach doppischem Modell, der am Dienstagabend auf der Liebenburger Ratssitzung verabschiedet werden soll. Schlinger wollte ihn unbedingt noch selbst fertigstellen. Dass dafür noch einmal jede Menge Überstunden aufgelaufen sind, stört ihn nicht.
„Als ich im Oktober 1984 vom Sozialamt auf den Posten des Kämmerers wechselte, war das ein Wurf ins kalte Wasser. Ich musste innerhalb weniger Wochen einen Haushaltsplan auf die Beine stellen. Damals habe ich mir geschworen, es selbst einmal anders zu machen“, sagt er.
Verschiedene Aufgaben
Der 60-Jährige ist Verwaltungsmensch durch und durch. Im April 1966 hat er seine Ausbildung beim Landkreis Goslar begonnen, dann hat er im Sozialamt und später im Bauamt des Landkreises gearbeitet. In die Gemeinde Liebenburg ist der gebürtige Heißumer 1977 zurückgekehrt – zuerst wiederum ins Sozialamt, von dort in die Kämmerei. „Diese Wechsel haben mir gut getan“, sagt er heute, „ich habe nicht nur verschiedene Aufgabengebiete kennen gelernt, sondern auch zwei unterschiedliche Behörden.“
Sein logisches Denkvermögen und sein Organisationstalent hätten ihm geholfen, sich überall „reinzufuchsen“ – besonders im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung. „Damals hatten wir vier Bildschirme und einen ,Zentralrechner‘ – heute würde man ,Server‘ sagen – mittlerweile sind es vier Server und 35 Rechnerarbeitsplätze.“ Als Leiter der Kämmerei sei er für das Gesamtsystem der EDV verantwortlich gewesen.
Auch als Dozent hat Schlinger Erfahrungen gesammelt. Von 1991 bis 1995 brachte er angehenden Verwaltungsbeamten aus dem wiedervereinten Deutschland bei, was sie für ihre Aufgaben wissen mussten. Er sei streng gewesen, behauptet er von sich, doch er selbst habe während seiner Ausbildungszeit auch strenge Lehrer gehabt – „und besonders von diesen viel gelernt.“
Ratssitzung ergänzt
Vor acht Jahren hat er gemeinsam mit seiner Frau Margot seinen Ruhestand geplant. Anstatt sechs Jahre lang halbe Tage zu arbeiten, hat er die vergangenen drei Jahre lang voll durchgeklotzt. Jetzt beginnt die Passivphase seiner Altersteilzeit. 2011 tritt er endgültig ins Rentenalter ein.
Als Bürgermeister Hubert Spaniol ihn informierte, dass seine Verabschiedung der einzige Punkt auf der Tagesordnung sein sollte, bat Schlinger ihn darum, die Sitzung um den Haushaltsentwurf 2011 zu ergänzen: „Ich wollte doch nicht, dass der Rat nur meinetwegen zusammenkommt.“
Kann jemand, der 44 Jahre lang in der Verwaltung gearbeitet hat (davon 34 Jahre in Liebenburg), überhaupt von seiner Arbeit lassen? Problemlos, meint Schlinger. Er habe seinem Nachfolger Lutz Krusekopf angeboten, dass er sich jederzeit an ihn wenden könne, wenn dieser Hilfe brauche – er selbst aber werde nicht wöchentlich im Rathaus anrufen, um zu fragen, wie die Geschäfte laufen. Statt dessen: Reisen – „öfter und ganz ohne Termindruck.“
Kommentare
Die Kommentare geben nicht die Meinung der Zeitung wieder. Sie sind Einzelmeinungen der Leser, keine repräsentative Auswahl.
Wieder nichts gegen Herrn Schlinger persönlich, jedoch wird das hier langsam zur Regel, dass Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen mit Zeitungsbericht in den Ruhestand lobgehudelt werden. (s. Herr Schlieben in Vienenburg) Wo sind denn die Berichte über die vielen anderen, die sich ihr Leben lang krummgearbeitet haben? Vielleicht sollte sich die GZ mal jeden Monat exemplarisch einen Arbeitnehmer herauspicken und die Leistungen würdigen, die er vielleicht ausserhalb eines Rathauses in einem Vorharz-Dorf geleistet hat?
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@ harzfreund gebe dir vollkommen recht! vielleicht sollte die goslarsche auch mal einen leserbeirat gründen...
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"... nicht so Hans-Walter Schlinger, Kämmerer der Stadt Liebenburg." Danke für die neu erworbenen Stadtrechte. Wusste ich noch garnicht und stand auch nicht in der GZ!!! Im übrigen schliesse ich mich den Kommentaren meiner Vorgänger an.
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Hallo harzfreund, sehe das ähnlich. Schlinger selbst ist ok. Habe mit ihm die Verwaltungsschulbank gedrückt. Warum nicht einmal ein Artikel über einen Hausmeister, über einen Dachdecker oder über einen Zeitungsausträger? Wahrscheinlich lesen wir demnächst einen Artikel über das Ausscheiden des Leiters des Einwohnermeldeamtes der Gemeinde XYZ. Wichtig wäre, die Leser darüber zu informieren, was Schlieben und Schlinger künftig monatlich an Geld zur Verfügung haben. Aber bei solchen Themen kneift die GZ. Sie berichtet lieber über den Handtuchwechsel auf den Toiletten der Stadt Vienenburg oder aber darüber, dass in Kunigunde Schmidts Kater gejungt hat.
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Das ist grundsätzlich das Problem der GZ. Bloss niemandem wehtun und keine Fakten auf den Tisch. Recherche und "investigativer" Journalismus = NULL. Lieber druckt man langweilige Berichte ab, die niemanden ausser den Betroffenen interessieren "Guck mal: ich bin in der Zeitung!"
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