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Langelsheim
Wolfshäger Harald Peter diskutiert mit Guido Westerwelle über Hartz IV
Hartz-IV-Empfänger Harald Peter mit Dokumenten seiner Diskussion mit Guido Westerwelle. Foto: Schenk
WOLFSHAGEN/BERLIN. Begegnung der Gegensätze: Harald Peter, Hartz-IV-Empfänger aus Wolfshagen, trifft auf FDP-Chef Guido Westerwelle, der mit seinen Äußerungen über Hartz IV eine Grundsatzdebatte auslöste. Peters Fazit: „Ich war vom Politiker angenehm überrascht, aber wählen werde ich ihn nicht.“
Ein Leserbrief hatte den 56-jährigen Peter zu dem Gespräch mit Westerwelle gebracht. Der Wolfshäger verfolgt die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung – und Westerwelles Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger veranlassten ihn, zum ersten Mal in seinem Leben eine Leserreaktion zu verfassen. Die Redaktion des Boulevardblattes wählte ihn daraufhin für den von der Bild ausgerufenen „Hartz-IV-Gipfel“ aus – ein dreistündiges Gespräch mehrerer Hartz-IV-Bezieher mit dem Liberaldemokraten.
Peter wurmte, dass Westerwelle alle Hartz-IV-Empfänger über einen Kamm scherte, sie der „spätrömischen Dekadenz“ bezichtigte. „Natürlich, es gibt vielleicht zu genüge Empfänger, die nicht arbeiten wollen. Aber ich habe 38 Jahre lang gearbeitet. Ich versuche krampfhaft Arbeit zu finden, und ich schäme mich, Hartz IV zu kriegen“, sagt der gelernte Großhandelskaufmann. „Ich bin mir für keine Arbeit zu schade, auch wenn ich in meinem Heimatort die Straße fegen müsste“, betont er. Vier Monate lang hatte er jetzt einen Ein-Euro-Job am Bergbaumuseum Rammelsberg, verdiente sich im Monat 120 Euro dazu – die Stelle läuft am Freitag wieder aus. „Vier Monate war ich abgelenkt. Montag stehe ich wieder auf und habe vom Tag nichts zu erwarten. Das ist so deprimierend.“
Seit knapp drei Jahren ist er arbeitslos. Seine 50-jährige Frau leidet an Multipler Sklerose. „Vielleicht werde ich sogar schlechter behandelt als jemand, der sein Leben noch nie gearbeitet hat“, mutmaßt der Wolfshäger fast schon resignierend. Etwa bei Bewerbung 150 hat er aufgehört mitzuzählen.
„Bei den Stellenanzeigen lese ich schon heraus: Meine Qualifikation passt, aber mein Alter nicht. Irgendwann gibt man die Hoffnung auf“, sagt er. Hat der 56-Jährige den Punkt schon erreicht? „Noch nicht, aber der Optimismus wird weniger.“ Als Kaufmann habe ihn das Arbeitsamt zu einem Schweißerlehrgang geschickt. Der kostete 24.000 Euro. Aber da er keine Zeichnungen lesen konnte, um Aufträge schweißen zu können, konnte er auch nicht als Schweißer arbeiten. „Den weiteren Lehrgang, um den Schweißerschein auch nutzen zu können, wollte das Amt dann nicht bezahlen, weil es zu teuer war“, berichtet er. Jetzt ist die Schweißerlaubnis wieder erloschen. „Mit dem Papier kann ich mir den Hintern abwischen. Aber damals, während des ersten Lehrgangs, war ich ja raus aus der Statistik“, kommentiert er die Logik.
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