Goslar

Dänen-Bohrung im Gosetal: „Wir alle sind hoffnungsfroh“

27.11.2009
Von Heinz-Georg Breuer

Dänen-Bohrung im Gosetal: „Wir alle sind hoffnungsfroh“

Auf seine Arbeit schauen im Moment alle: Bohrmeister Matti Alaverronen im Gosetal.

GOSLAR. Für die Zeit der Probebohrungen im Gosetal haben die Scandinavian Highlands und ihre deutsche Tochter Harz Minerals eine strikte Nachrichtensperre bei der Suche nach dem „Rammelsberger Zwilling“ verhängt. Doch der jüngste Satz des externen deutschen Beraters Dr. Eckerhart Walcher gilt: „Wir sind alle nach wie vor sehr hoffnungsfroh.“

Ex-Preussag-Chefgeologe Walcher wird auch ohne konkrete Teilergebnisseam Sonntag ab 11 Uhr in der Rammelsberg-Schlosserei wieder über den aktuellen Stand der beiden ersten von zehn genehmigten Probebohrungen der Dänen nach Erzvorkommen in der „Gosetal Anomalie“, einem Areal zwischen Alter Harzstraße, Haus Hessenkopf und B 241, berichten. Doch die Akteure sind wie die Bewohner nach wie vor weit entfernt von jenem „Goldrausch“, den die Zeitung „Die Welt“ den Goslarern vom „Rathaus über die Heimatzeitung bis zum Bäckerladen“ jüngst anhängen wollte.

Mag sein, dass derlei Wertungen von draußen der unreflektierten Magie der Zahlen entspringen, die „Highlands“-Firmenchef Sören Lund Jensen, Chef-Geologe Jeroen van Gool und Berater Walcher zu Beginn der Operation rausließen: Die Basis dafür legten Heliokopter-Flüge mit modernster TEM-Technik im Mai 2008. Damals wurde eine Fläche von 140 Quadratkilometern westlich des Rammelsbergs fotografiert. Wenn es im Gosetal etwas „Vergleichbares“ wie einst im Rammelsberg gibt, dann geht man – nach heutigem Marktwert – von einem Volumen von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar aus, Geophysiker rechnen noch optimistischer.

Wenn. Zum Vergleich: Der Rammelsberg wurde systematisch ausgebeutet in mehr als 1000 Jahren von 968 bis 1988 und dabei um 27 bis 30 Millionen Tonnen seiner Substanz erleichtert. Der Metallanteil von Kupfer (2 %), Blei (6 %), und Zink (14 %) lag bei über 20 Prozent, Gold und Silber kamen mit 1 bzw. 140 Gramm pro Tonne vor. Hinzu fanden sich rund 20 Prozent Baryt (Schwerspat). Walcher: „Das bedeutet, dass zu Rammelsberg-Zeiten allein über 40 Prozent der vorgefundenen Metalle und Minerale verkaufbar waren.“ Selbst wenn im Gosetal bei gleichartiger Qualität eine ganze Fraktion der vorgenannten Materialien ausfallen würde, wäre das Ganze noch wirtschaftlich.

Wenn die Lagerstätte mit jenem „Pfannkuchen“ am Rammelsberg vergleichbar wäre, der Walcher einst zu der Formel „halbe Strecke, doppelter Ertrag“ veranlasste. Es gab das Alte und Neue Lager, das sich jeweils in einer Länge und Tiefe von 650 Metern und in einer Breite von 400 bis 450 Metern erstreckte. Auf mindestens eine dieser „Linsen“ hofft man auch im Gosetal.

Würde man fündig, dann würde es jedoch nicht wieder 1000 Jahre halten – moderne Technologien bedingen kürzere Abbauzeiten und auch weniger Jobs. Wobei laut Walcher alles auch wieder von der Lage, Tiefe und Mächtigkeit der Funde abhängig wäre. Und wenn dann wirklich, nach langwieriger Umweltverträglichkeitsprüfung, in frühestens fünf bis sechs Jahren eine Abbaugenehmigung für die Dänen vorläge, blieben immer noch Abstriche vorzunehmen. Für die Skandinavier dürfte sich eine Förderabgabe an den Bodenschatz-Eigentümer Staat (in diesem Falle Land Niedersachsen) von rund zehn Prozent nach derzeitiger Rechtslage noch in Grenzen halten. Ganz in die Röhre, bis auf gewisse Entschädigungsleistungen, würden aber – von der evangelischen Kirche bis zur Sennhütte – die sechs bis acht betroffenen Grundstückseigentümer im Gosetal schauen: Ihnen gehört nur die Erde auf ihrem Grund und Boden . . .

drucken versenden Leserbrief schreiben
 

Kommentare

Die Kommentare geben nicht die Meinung der Zeitung wieder. Sie sind Einzelmeinungen der Leser, keine repräsentative Auswahl.


Jens Böhm schrieb am 01.12.2009 19:02

Guten Tag alle Zusammen, ich bin doch offensichtlich überrascht das sich die Dänenische Bergbaufirma bei Ihren Explortionsbohrungen Gosetal so mit Information zurück hält. Mein Interesse an diesen ersten Ergebnissen der Bohrungen sind sehr hoch. Da ich einer der Letzten ausgebildeten Bergmechaniker der Preussag im Harz auf der Grube Hilfe Gottes bin. Nun mehr ist mein Werdegang zwar ein anderer aber es wäre auch möglich zu späteren Zeitpunkt der Harz Minarals GmbH eine Hilfe beim eventuell zukünftigen Bergbau anzubieten. Auf jedenfall kann ich die Zurückhaltung nach so einem Pressewirbel nicht verstehen. MFG Jens Böhm

Diesen Kommentar der Redaktion melden