Goslar

Das Rathaus setzt Rotstift bei den Spielplätzen an

12.11.2009
Von Frank Heine

Das Rathaus setzt Rotstift bei den Spielplätzen an

GOSLAR. Neun Spielplätze sollen komplett verschwinden, fünf weitere teilweise zurückgebaut werden: Mit diesen Vorhaben will die Stadt Goslar ab 2011 rund 26.600 Euro an Pflegekosten einsparen – zur Konsolidierung des Haushaltes.

Der Ausschuss für Bürgerservice segnete den Plan bereits einmütig ab, wobei die CDU sich Änderungsanträge vorbehielt. Der Rat entscheidet endgültig am 25. November.

Ursprünglich hatte die Verwaltung auch noch den Spielplatz an der Gleiwitzer Straße auf ihrer Streichliste. Auf Antrag der SPD, dem CDU und FDP bei Gegenstimme der Linken folgten, erging jedoch die Empfehlung, diesen zu erhalten und besser auszuschildern. Die niedrige Besucher-Frequenz sei eher seiner versteckten Lage denn einer unattraktiven Ausstattung geschuldet, so die Argumentation.

Für Karin Jünke, die für die Verwaltung vortrug, war dies sicher nachvollziehbar, denn: „Zu anderen Zeiten wären auch andere Entscheidungen denkbar gewesen.“

So aber regierte der Rotstift, was Dr. Frank Schober (CDU) als „bedenklich“ einstufte. Fachbereichsleiter Burkhard Siebert ruderte deshalb auch wieder ein Stück weit zurück, bezeichnete die Finanzen „nicht als K.o.-Kriterium“ und verwies auf die umfangreichen Vorarbeiten inklusive Kinderbeteiligung.

In der Tat verdiente sich das abteilungsübergreifend agierende Team um Jünke großes Lob der Politik für „ausgezeichnete und objektive Vorarbeiten“ (Grüne Doris Juranek), so dass eine Vorlage herauskam, die „wir zu hundert Prozent tragen können“ (Linker Rüdiger Wohltmann).

In informativer und detailreicher Präsentation legte Jünke die Gründe dar, warum dieser und nicht jener Spielplatz weichen soll. Sie reichten von unattraktiven Spielgeräten über geringe Frequenz bis hin zur Dichte der Spielplätze in der Umgebung unter Einbeziehung auch jener Anlagen, die nicht der Stadt gehören.

An einer Gesamtschau fehlten lediglich die Spielplätze Münzstraße (separate Betrachtung soll folgen) und auf dem Steinberg, der erst neu – unter anderem mit dem Förderturm – gestaltet wurde.

Heinz Severitt (Bürgerliste) war insbesondere dessen Ausstattung offenbar zu teuer, weil das Geld an andere Stelle fehle und man die Spielplätze „in der Stadt vergammeln lassen“ habe. Eine Interpretation, die Siebert kategorisch als „falsch“ zurückwies.

Wie schwierig es aber offenbar ist, Sponsoren aus der freien Wirtschaft für Spielplätze zu gewinnen, mag Jünkes Erfahrung belegen. Die Stadt habe alle Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten angeschrieben und eine Patenschaft angeboten. Jünke: „Die Resonanz war Null.“

Gedruckte GZ: Welche Spielplätze auf der Streichliste stehen, lesen Sie in der Freitag-Ausgabe.

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Kommentare

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Jensen schrieb am 12.11.2009 22:51

Wäre es der 1. April könnte man von einem schlechten Scherz reden, so ist es nur trauriger Alltag in GS! Für jeden Schildbürgerstreich ist Geld da, Steine aus China werden importiert weil wir im Harz ja auch keinen Granit haben (Achtung Ironie) und für jeden Kunstmist wird Geld verpulvert! Mit schlechten Strassen muß sich der Goslarer schon seit langem abfinden, nun auch noch mit "zurückgebauten" Spielplätzen! Der Spielplatz am Steinberg ist ein Witz, wie sollen Kinder alleine dort hin kommen? Eine Fehlinvestition!?! 2005 gab es laut Wikipedia 43.119 Einwohner, 2008 waren es nur noch 41.785 ! Merkt eigentlich niemand im Rathaus das nicht immer am Bürger gespart werden kann? Es war mal schön in GS zu wohnen, mittlerweile wird überall abkassiert, sei es die erhöhte Hundesteuer oder Parkgebühren und so ist es wohl kein Wunder wenn immer mehr Leute wegziehen und sich eine Bürgerfreundlichere Stadt suchen!

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objektiv schrieb am 13.11.2009 07:38

Ich denke auch, dass der Rückbau von Spielplätzen das demografische Problem in Goslar löst. (Achtung: Ebenfalls Ironie!) In dieaktuellen politischen Entscheidungen, würde auch ganz gut die Gebührenpflicht für Nutzer von Spielplätzen passen. Aber Achtung, den "Benutzerschein" gut sichtbar auf der Kinderjacke anbringen!

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Patrick K. schrieb am 13.11.2009 08:37

Tolle Aktion, wahnsinn. Und die Spielplätze, die nicht plattgemacht werden, dürfen nur von Kindern aus dem jeweiligen Stadtteil betreten werden. Siehe angebrachte Hinweistafeln am Bolzplatz Ohlhof... Die Kommunalpolitik hat jeden Handlungsspielraum verloren. Es ist Zeit für grundlegende Veränderungen!

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YetiF schrieb am 13.11.2009 09:45

Was ist denn eigentlich mit dem größten Kinderspielplatz den wir in Goslar haben, dem RATHAUS? - Wird das auch zurückgebaut???

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612er schrieb am 13.11.2009 10:55

Das passt zur Attraktivitätssteigerung Goslars und seiner Neu-Bürger-Initiativen. Der Abbau von vielen Arbeitsplätzen(Bundesgrenzschutz, Bundeswehr, Deutsche Bahn, Deutsche Post usw.) wird fast widerstandslos hingenommen. Die Einrichtung von Fachhochschule bzw. Izmir-Uni, bzw. BiTS wird nicht kämpferisch genug begleitet. Schulen im Stadt-Zentrum müssen weichen. Kitas fehlt es an Personal. Viele Spielplätze sollen abgebaut werden(Worüber die GZ auch noch euphorisch berichtet!!!). So lockt man keine jungen Familien nach Goslar! Übrigens: Ein Sparvorschlag(Motto;Mehr Eigen-Verantwortung). Gut betuchte Bürger in 1a-Wohnlagen übernehmen die Kosten für Unterhalt Straßen, Kanäle usw.selbst.

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plucky68 schrieb am 13.11.2009 13:51

Da platzt mir doch die Hutschnur!!! Diejenigen, die am wenigsten für die miserable und katastrophale Haushaltspolitik dieser Stadt verantwortlich sind (die KINDER), sollen jetzt - und nicht nur indirekt - für die leeren Stadtkassen "bezahlen". Eine Frechheit! Wie können sich solche Parteien heutzutage eigentlich noch schamlos als "sozial" und/oder "christlich" bezeichnen? Armes Goslar...

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objektiv schrieb am 13.11.2009 14:42

Das mit der Eigen-Verantwortung ist ne super Idee. ich werde von einem Teil der Steuern befreit und sorge für den Erhalt bzw. Unterhalt meiner Straße. Dann wäre bei mir vor der Tür alles in Ordnung und ich weiß wo mein Geld geblieben ist.

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Nuhel schrieb am 15.11.2009 19:20

Statt Spielplätze haben wir aber dann bunte Mülleimer und da hinein gehört die Verwaltung mit ihrem OB. Unsere Kinder sind bestimmt sehr glücklich, wenn sie statt zu spielen über chinesisches Pflaster laufen dürfen. Die Verantwortlichen der Stadt Goslar haben jede Bodenhaftung verloren. Es wird höchste Zeit für grundlegende Veränderungen.

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