Goslar

Stadtforst in desolatem Zustand

08.09.2010
Von Friedrich Metge

Stadtforst in desolatem Zustand

GOSLAR. Zerfurchte Waldwege, verrottete Ruhebänke, vom Verfall bedrohte Schutzhütten. Wer durch die Goslarer Stadtforst wandert, stößt an vielen Orten auf Missstände.

Ob am Steinberg, am Rammelsberg, auf dem Sydekum, im Ammental oder an der Granetalsperre, der Zahn der Zeit nagt an den Ruhe- und Schutzeinrichtungen. Hinzu kommen zerstörte Wanderwege, auf denen Transportfahrzeuge beim Holzeinschlag tiefe Spuren hinterlassen haben.

Werner Reichel, der häufig im Wald unterwegs ist, hat den Verfall fotografisch dokumentiert. Mit unzähligen Aufnahmen: „Unweit des Aussichtsturmes auf dem Steinberg präsentiert sich die Schutzhütte in einem völlig desolaten Zustand, die Balken sind verfault, das Innere der Hütte ist verdreckt.“ Gerade, weil dort auch viele Touristen unterwegs seien, sei das besonders schlimm, ärgert sich Reichel.

Ein Stück weiter unten, am Parkplatz „Unter den Eichen“, verfaule ein Tisch mitsamt seinen Bänken, der Holzrahmen einer Info-Tafel vergammele immer mehr.

Ortswechsel: Die Schutzhütte am Blauen Haufen. Fast verborgen hinter hochgewachsenem Strauchwerk bietet sie laut Reichel „einen verheerenden Anblick“. Die Wände seien besprüht, die Latten der Bank herausgerissen.

Die Schutzhütten sind das eine, die Wege dorthin das andere. Immer wieder beschweren sich Wanderer, dass die Wege im Zug von Forstarbeiten kaputt gefahren und erst spät oder gar nicht wieder hergerichtet werden. So sorgte der kleine Pfad vom Maltermeister Turm in Richtung Herzberger Teich/Kinderbrunnen für Kritik.

Der sei mit Schotter aufgefüllt worden, der das Gehen nicht nur erschwere, sondern auch gefährlich mache. Man müsse aufpassen, dass man nicht dauernd umknicke, bemerkt ein Wanderin: „Wir waren froh, als wir endlich den unbehandelten Teil des Pfades erreicht hatten.“

Mit der Kritik konfrontiert, teilte die Stadt Goslar mit, die Hütten würden repariert oder erneuert. Dabei werde die Stadtforst vom Harzklub unterstützt. So sei die Hütte im Ammental fast fertig, die Waldschrathütte solle durch einen Neubau ersetzt werden. Dafür seien Mittel aus der Bingo-Lotterie beantragt worden. Bei der Hütte am Ramseck wolle der Harzklub noch in diesem Jahr das Dach erneuern. Nur an der Steinberg-Hütte werde nichts mehr repariert: Sie wird abgerissen.

Die kritisierten Waldwege sollen nach Abschluss der jeweiligen Forstarbeiten wieder in einen „forstlich nutzbaren Zustand gebracht werden, so dass sie auch für Wanderer wieder begehbar sind“.

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Kommentare

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Serenus Zeitblom schrieb am 08.09.2010 20:43

Seltsam, dass der Zustand nun so desolat sein soll?! Wer ist denn der Zuständige oder Verantwortliche für Stadtforst? Vor einem Jahr klang das noch anders, siehe Auszug aus der Pressemitteilung der Stadt Goslar vom 9.10.2009 im Rahmen des Finanzkrise: ... "Die massiven Vorwürfe gegen den Ersten Stadtrat Klaus Germer weist OB Binnewies energisch zurück: „Klaus Germer hat in den letzten Jahren viele Aufgaben erfolgreich wahrgenommen. Den Bereich der Stadtforst hat er nach Jahrzehnten, in denen nur Verluste eingefahren wurden, saniert und in die Gewinnzone geführt.“ Man muss sich schon entscheiden, ob man Wirtschaftswald oder Naherholungswald haben möchte. Beides gleichzeitig zu verwirklichen, ist bei ca. 70% Anteil von Steilhanglagen nicht einfach. Ständiger Vandalismus an Hütten und sonstigen Einrichtungen ist sehr ärgerlich, weil aus Kostengründen leider nicht ständig hinterherrepariert werden kann. Für Touristen und Wanderer leider ein unglücklicher Umstand.

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uweburgmann schrieb am 08.09.2010 21:16

Die Waldschrathütte ERSETZEN?? Och nöö, da hängen so viele Erinnerungen dran. Kann man da nicht reparieren? Rudi Koch, Waldschrat, verstorben 14.02.1989 im Alter von fast 72 Jahren und seine ebenfalls verstorbene Gattin Ursula, würden sich im Grabe umdrehen.

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612er schrieb am 08.09.2010 22:48

Hatte vor ein paar Jahren Horst Woick aus Bad Harzburg (Der immer die HARZ-Überquerungen organisierte) im Wald getroffen. Der meinte erschüttert, man merkt es sehr, sehr deutlich wenn man vom Staats-Forst(Land Niedersachsen) in den Stadt-Forst Goslar kommt. Und auf dem Steinberg gibt es weder ein Hotel/Restaurant und bald noch nicht einmal mehr eine Schutzhütte. Und dann eben noch der kaputte Wald. Kein Wunder, dass immer mehr Touristen usw. in den Ostharz nach Sachsen-Anhalt fahren. Da gibt es auch noch die Harzquer- und Brockenbahn, während hier alle Bahn-Linien in den Harz voreilig abgerissen wurden und selbst das geschichtsträchtige Bahnbetriebswerk in Goslar(Dr. Christiane Bauer:"Leider haben wir in Goslar keine historische Dampflok") endgültig beseitigt wurde.

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vollekanne schrieb am 09.09.2010 10:12

traurig aber was soll man von diesen lügenbaronen halten ???

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Serenus Zeitblom schrieb am 09.09.2010 11:54

@612er: Sie haben vollkommen Recht. Der Unterschied zwischen Stadtforst Goslar und Staatsforst Stadt Goslar ist auch für Laien ohne vertiefte Kenntnisse der Forstwirtschaft sichtbar und deutlich erkennbar. Der Wald kann nichts dafür. Es ist eben eine Frage des Managements. Aber derjenige Verantwortliche in GS, der das Finanzmanagement der Stadt seit Jahr und Tag gegen die Wand gefahren hat (kann man ja jeden Tag in der GZ nachlesen), zeichnet gleichzeitig auch seit Jahren für den Bereich Stadtforst verantwortlich. Noch Fragen?? Den weiteren Ausführungen zur Bahngeschichte als touristischen Anziehungspunkt kann ich voll zustimmen.

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Scaniatrucker schrieb am 09.09.2010 12:01

@612er da gebe ich dir vollkommen recht. Bin schon immer lieber in den Ostharz gefahren. Mag zwar sein das es dort auch ecken gibt die nicht so rosig ausschauen aber im grossen und ganzen ist es da noch Natur pur.

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HarzerJung schrieb am 09.09.2010 21:24

Warum nimmt man für den Aufbau von Schutzhütten denn keine Hartz4 Empfänger (1€ Job),statt sie in Altersheime zu stecken, wo sie gelernten Pflegekräften die Arbeitsplätze wegnehmen?Das wäre jedenfalls eine Sinnvollere und vor allem Gemeinnützigere Arbeit als das was eben mit den 1 € Jobern gemacht wird

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kassandro schrieb am 10.09.2010 00:21

@Scaniatrucker: Die im Ostharz haben sich zwar den Namen "Landkreis Harz" ergaunert und wollen jetzt auch noch den "Oberharz" klauen, aber der purste Harz ist und bleibt der echte Oberharz.

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Wolle42 schrieb am 10.09.2010 14:19

Wenn man dann fast alle Forstleute rausschmeißt und die Fachaufsicht einem Verwaltungsmann überträgt, kann es doch gar nicht anders aussehen. In der Landesforst werden trotz der Holzernte und des Waldumbaus unter Berücksichtigung der Belange des Tourismus Gewinne eingefahren. Warum geht es in der Stadforst Goslar nicht.

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ich_denke_also_bin_ich schrieb am 12.09.2010 13:35

HarzerJung, macht man doch schon. Und so werden schön Arbeitspläze bei Stadt und Forst erledigt...

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