Goslar

Okeraner Schützen kommt die Musik abhanden

06.09.2010
Von Heinz-Georg Breuer

Okeraner Schützen kommt die Musik abhanden

OKER. Geschichte wiederholt sich nicht? Zum zweiten Mal nach 1984 droht den Okeraner Schützen der Verlust des Spielmannszugs, der dem Vernehmen nach mehrheitlich um „Asyl“ bei der Hahndorfer Feuerwehr nachsuchen will. Erneut sind Zerwürfnisse der Grund, wobei die Darstellungen der Beteiligten weit auseinandergehen.

Schützenvogt Jörg Ihde erklärte am Montag auf GZ-Anfrage, von der jüngsten Entwicklung weitgehend überrascht worden zu sein. Vor Monaten habe es ein Treffen zwischen Schützenvorstand und Zugführung gegeben, bei dem es um ein Konzept ging, mit dem man dem „in die Jahre gekommenen Musikzug frischen Wind einhauchen“ wollte. Dabei sei „überraschend“ die Höhe des Mitgliedbeitrags kritisiert worden.

Als Zugführer Hans-Joachim Rowold vor knapp vier Wochen andeutete, der Spielmannszug könnte komplett austreten, sahen Ihde und sein Vorstand die Zeit zum Handeln gekommen. Obwohl von einem Komplett-Austritt derzeit keine Rede sein könne („alle sind das längst nicht“) fasste der Vorstand in der vorigen Woche weitreichende Beschlüsse: Sofortige Einstellung des Spielbetriebs, Einfrieren der Kasse, Aufforderung an diejenigen, die zum 31. Dezember gekündigt haben, das Eigentum der Schützengesellschaft wie Instrumente und Bekleidung herauszugeben.

Und, so betont Ihde, die Aufforderung an Rowold bzw. seine Stellvertreterin Carina Peters, ab 1. Januar 2011 mit dem verbliebenen Rest sowie anzuwerbenden Neueintritten einen neuen Musikzug aufzustellen. Für den 17. September ist eine außerordentliche Generalversammlung anberaumt.

Zugführer Rowold und Vogt Ihde treffen am Dienstag noch einmal zu einem Gespräch zusammen. „Eigentlich wollte ich mich raushalten bis zur Generalversammlung“, meinte Rowold am Montag zur GZ, ließ dann aber doch einiges durchblicken. 19 von 24 Musikzug-Mitgliedern (bis auf eine Familie) wollen demnach weg, weil es bei ihrem Jahresbeitrag (Männer 88 Euro, Frauen 72 Euro) „zu teuer ist, Musik zu machen“. Das Problem sei seit Jahren bekannt.

Ob nun Massen-Austritt oder Rausschmiss – das könne man nehmen, wie man wolle, meint Rowold. Jedenfalls seien die Übungsräume abgeschlossen worden. Nicht bestätigen wollte Rowold, dass die abtrünnigen Spielleute unter das Dach der Hahndorfer Ortswehr gehen wollen, um dort den Ende vorigen Jahres aufgelösten Fanfarenzug zu ersetzen. „Über tausend Ecken“ habe er auch von dem Gerücht gehört, erklärte dazu Ortsbrandmeister Jens Warnecke, „aber offiziell ist noch niemand an uns herangetreten.“

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Kommentare

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YetiF schrieb am 07.09.2010 10:09

Ein Spielmannszug ist ein gewaltiges Aushängeschild, was eigentlich jeder Verien gerne haben möchte. Umso interessanter finde ich die Reaktion des Herrn Ihde. An seiner Stelle hätte ich versucht die Spielleute zu halten. Und wenn das Problem der Jahresbeitrag ist, dann wird der für die Mitglieder des Spielmannszuges eben reduziert. Das wird beim Goslarer Schützenverein genauso gehandhabt. - Ansonsten gilt auch hier: Einfach mal ein bißchen mehr miteinander reden und ein bißchen weniger bockeln ("wenn ihr gehen wollt, dann schmeiß ich euch raus" (häää?)) war für ein verträgliches Miteinander noch nie schädlich.

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studie schrieb am 07.09.2010 14:53

Drollig finde ich ja die naive Einstellung, das sofort 19 neue Musiker vor der Tür stehen werden, die schon aufeinander ab-/eingestimmt sind. Ich würde ja mal herzlich lachen, wenn Herr Rowold und Fr. Peters ihnen was husten würden. Wenn das alles kein Problem sei und die Leute doch alle gehen könnten bzw rausgeworfen werden, ohne das es Probleme bereitet, dann kann Herr Ihde es doch auch allein organisieren. Hahndorf würde sich bestimmt auf einen aufeinander abgestimmten fast kompletten Spielmannszug freuen.

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niesfisch schrieb am 07.09.2010 16:18

Statt einem drohenden Exodus entgegen zu wirken, wird einfach jetzt schon jetzt der gesamte Zug vor verschlossene Türen gesetzt - das nenne ich unternehmerisches Geschick und Handeln mit Weitblick. Die Spielleute selbst hätten bei einem Austritt eine Kündigungsfrist einhalten müssen und könnten so ihren verbliebenen Verpflichtungen nachkommen - was natürlich im Vorstand niemanden interessiert. Man hätte die Zeit bis zum Jahresende wirklich besser nutzen können, um irgendwie aus der Miserie herauszukommen. Und alles andere als fair ist das natürlich gegenüber den wenigen Spielleuten, die bleiben möchten. Die "Abtrünnigen", wie es in der GZ hieß, sollten sich ihre anteiligen Jahresbeiträge zurückholen. Bei 19 Leuten sind das immerhin grob geschätzt etwa 600 Euro, die der Verein berappen dürfte. Nach dieser Aktion auf jeden Fall eine Summe, die zum Verschenken eindeutig zu hoch ist.

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Rexi schrieb am 08.09.2010 19:56

Echt der Hammer! Da wird der Spielmannszug vor die Tür gesetzt und dann soll "mal schnell" ein neuer gebaut werden! Ist sicher gaaanz einfach und Pfingsten ist alles wieder im Lot. *kopfschüttel* Von Oker aus ist übrigens Clausthal-Zellerfeld auch in 15 Minuten zu erreichen. Hier kann ich Euch auch gerne musikalisches Asyl anbieten, was sicher nicht verstaubt und altbacken ist. Viele Grüsse Christian Rex Musikzug Funny Melody www.funny-melody.com

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knuddelkeks schrieb am 09.09.2010 09:33

ui....wir gehen nach Hahndorf???????????????????????????? soso...na da wissen wieder andere mehr als die Spielleute selber.... Jedenfalls sollte man vielleicht auch erwähnen, dass sogar die Mitglieder Hausverbot erteilt bekommen haben, die gar nicht vorhatten auszutreten...was sich nun aber auch erübrigt hat...desweiteren sollte man sich auch bei den Vereinen und Institutionen entschuldigen dass wir unsere Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können weil uns das Spielen untersagt worden ist.

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