
Nachrichten aus dem Harz
Goslarsche Zeitung | Harzburger Zeitung | Harzer Tageblatt
Öffentliche Anzeigen für den Harz



- Über uns |
- Kontakt |
- Mediadaten |
- Sitemap |
- Login |
- Newsletter
Goslar
Rechnungsprüfungsamt: Neue schwere Vorwürfe gegen Rathausspitze
GOSLAR. Das Rathaus kommt nicht zur Ruhe. Noch sind die Disziplinarverfahren gegen Oberbürgermeister Henning Binnewies und den Ersten Stadtrat Klaus Germer in Hannover nicht abschließend behandelt, da legt das Rechnungsprüfungsamt (RPA) in Goslar nach.
Bei einer Sonderprüfung des Betriebshofs „Straßen und Grün“ ermittelten die Prüfer derart schwerwiegende Verstöße im bilanzrechtlichen Bereich, dass sie als Konsequenz auch ihren Schlussbericht für die Etatjahre 2006/07 mit einer mehrseitigen Ergänzung korrigierten: „Die Haushaltspläne 2006 und 2007 wurden nicht eingehalten.“
Die erhebliche Überschreitung der Haushaltsplanansätze waren denn auch der Grund gewesen, warum vier der sechs Ratsfraktionen über den Jahreswechsel 2009/10 die Sonderprüfung beantragt hatten. In dem seit 12. August im Rathaus vorliegenden Prüfbericht stellen die Kontrolleure unter anderem mehrfache Überschreitungen des vom Rat eingeräumten Liquiditätskredits für den Betriebshof fest. Eine Regelung zur Vermeidung der Überziehungen wurde laut RPA erst am 17. November 2009 nach seiner mehrmaligen Intervention getroffen: „Die Regelung war augenscheinlich auch dem Umstand geschuldet, dass nunmehr in der internen Diskussion nicht nur ein Verstoß gegen einen Ratsbeschluss, sondern auch der Strafrechtstatbestand der Untreue im Raum stand.“
Noch dicker kommt es in der Ergänzung des Schlussberichts für 2006/2007, der zeitgleich mit der Betriebshof-Sonderprüfung dem Oberbürgermeister vorgelegt wurde. FDP-Fraktionschef und Finanzausschussvorsitzender Christian Rehse mutmaßt offen, dass OB Henning Binnewies der Politik diese Ergänzung ursprünglich vorenthalten wollte: Ausweislich des Protokolls der Verwaltungsausschusssitzung vom 17. August habe der OB nur von einem RPA-Bericht gesprochen. Erst später, so erklärt Rehse, habe er im Gespräch mit RPA-Leiter Manfred Dorloff zufällig erfahren, dass es einen zweiten ergänzenden Bericht zum Finanzmanagement gebe und ihn am 24. August ausdrücklich per Mail im Rathaus angefordert.
Im zweiten Bericht hagelt es Ohrfeigen in Form von Bewertungen wie „wesentlicher Mangel“ oder „bemerkenswerter Mangel“. Den Höhepunkt bildet die Überprüfung der Einhaltung von Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung, die das Prädikat „besonders schwerwiegender, wesentlicher Mangel“ tragen. Dabei hält das RPA den Verantwortlichen vor, dass die Betriebshof-Bilanz von der Realität abweichend bewusst abgestimmt wurde, die Politik und auch die Prüfer somit mit falschen Zahlen bedacht wurden und der Oberbürgermeister die Vorgänge durch die Abgabe einer unwahren „Vollständigkeitserklärung“ abgesegnet hat.
Das RPA ermittelte, dass 2007 der städtische Bau-Fachbereich Betriebshof-Rechnungen an ihn von mehr als 344.000 Euro durch Liegenlassen hatte auflaufen lassen. Zudem wurde eine zunächst ordnungsgemäß eingestellte Aufwandsbuchung über 153.000 Euro wieder storniert und ins Folgejahr verschoben. Die Fehlsummen hatten zur Folge, dass der Betriebshof seinen Liquiditätskredit voll ausschöpfen (und später überschreiten) musste.
Das RPA hält fest: „Die offenen Rechnungen aus 2007 wurden als Ergebnis eines gemeinsamen Gesprächs des Finanzmanagements und STR (Erster Stadtrat, d. Red.) mit dem Fachbereich 3 vom 20.11.2008 nicht gebucht.“ Mit anderen Worten: In den Manipulationsvorgang waren nach dieser Darstellung neben Klaus Germer damit auch Kämmereileiter Rolf Liebelt (im September 2009 abgelöst) und als kommissarischer Fachbereichsleiter seit 1. Oktober 2008 Burkhard Siebert involviert. Bis dahin hatte Hans-Joachim Hütker den Fachbereich 3 geleitet, der dann nach hausinterner Vorruhestandsregelung aus dem Dienst ausschied. Zur Stornierung der bereits eingebuchten Forderung erklärt das RPA: „Dieses stellt einen nachträglichen, unzulässigen Eingriff in die Geschäftsbuchhaltung dar.“
Dass neben der Politik auch die Kontrolleure über die wahren Zahlen getäuscht wurden, formuliert das RPA so: „Dieser Umstand war bei der Prüfung des Jahresabschlusses 2007 nicht erkennbar und bekannt gemacht. Insoweit wurde ein Rechnungsergebnis ausgewiesen, das auf der nicht vollständigen und nicht ordnungsmäßigen Verbuchung aller Geschäftsvorfälle beruhte und nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprach.“
Die Verantwortung qua Amt weist das RPA dem Oberbürgermeister folgendermaßen zu: „Der Oberbürgermeister hat im Rahmen der Vorlage der Jahresabschlüsse 2006 und 2007 ausdrücklich erklärt, dass die verlangten und darüber hinaus für eine sorgfältige Prüfung notwendigen Nachweise und Informationen nach bestem Wissen und Gewissen vollständig und richtig vorgelegt worden sind.“ Die Sonderprüfung habe ergeben, dass dies nicht zutreffend war.
Kommentare
Die Kommentare geben nicht die Meinung der Zeitung wieder. Sie sind Einzelmeinungen der Leser, keine repräsentative Auswahl.
Also doch. Wird Zeit, dass die verantwortlichen Herrschaften zum Teufel gejagt werden. Mit wird ganz übel beim lesen...
Diesen Kommentar der Redaktion melden
Kein Unternehmen kann sich eine Buchprüfung mit solchem Ergebnis erlauben. Die Anteilseigner hätten der Geschäftsführer persönlich und von Hand rausgeworfen. Kein Wirtschaftsprüfer hätte je einen Abschluß erstellt, man hätte das Siegel ganze einfach verweigert und von der Bafin hätte es gleich noch heftige Geldstrafen gehagelt. Jedoch in der Politik, da müssen wir die Vorwürfe erst noch genauestens untersuchen. Da wird einem doch wirklich schlecht, wenn ich lese, das nachträglich in den Abschlüssen des Vorjahres rumgebucht wurde. Das geht gegen jedes Ehrgefühl eines anständigen Buchhalters, was dort passiert ist. Der OB ist nur der Dumme, weil er es unterschrieben hat(ahnung hat er sowieso keine, von dem, was ihm vorgelegt wird) aber den, der die Buchungen veranlaßt und auch ausgeführt hat, sollte man sofort rauswerfen. Wer gegen die GOB's verstößt, hat in der Buchhaltung nichts zu suchen.
Diesen Kommentar der Redaktion melden
Ich stehe da jetzt eigentlich etwas ratlos vor dem Artikel. Ich kann nicht einordnen, ob diese Vorwürfe aussergewöhnlich oder sozusagen normal sind. Aber generell ist wohl festzuhalten, dass die Haushaltsführung in Goslar nicht dem üblichen Standard entspricht. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Stadt und die Politik, sondern auch auf die allgemeine Stimmungslage der Bevölkerung. Warum soll ich als Unternehmer alles 100% haben, wenn die Stadt so ein Chaos verursacht. Warum kommt die Stadt mit Auflagen bezüglich irgendeines Aufstellers, wenn sie selber keinerlei Ordnung beherzigt. Die völlige Willkür hat Einzug gehalten und wenn man die gesamten Artikel und Meldungen der letzten Monate zusammen Revue passieren lässt, kommt der Eindruck auf, dass die Blender und Selbstbediener bei völliger fachlicher Ahnungslosigkeit die Macht in Goslar übernommen haben! Hauptsache, die Frisur sitzt und der Dienstwagen läuft!
Diesen Kommentar der Redaktion melden
Es ist mir inzwischen egal, welchen Schaden dieser OB der Stadt Goslar zufügt. Offensichtlich fehlt es in der Stadt an Köpfen, die in der Lage sind, diesem Trauerspiel ein Ende zu bereiten. Ich frage mich, warum sich nicht endlich der wichtigste Wegbereiter dieser Stadt zu Wort meldet. Herr Schenning, bitte melden.
Diesen Kommentar der Redaktion melden
Wieso können sich das die entsprechenden Herren überhaupt leisten ? Ich verliere durch solche Handlungen meinen Glauben in die Politik. Jeder normale Sterbliche wäre längst zu einer Haftstrafe oder hohen Geldstrafe verurteilt worden , wenn er dies so gemacht hätte. Wieso hier nicht ? Ich begreife es einfach nicht !
Diesen Kommentar der Redaktion melden
Weitere Artikel aus dieser Rubrik
- Glas trifft Türsteher: „Ich sah aus wie ein Zombie“
- Bücherei der Grundschule Hahndorf wieder eröffnet
- Prüssner tritt nicht mehr an
- Wohnstift Wachtelpforte: Strafanzeige gegen Volksbank-Chefs
- Penny-Markt wird nicht geschlossen
- Rohrbruch: Haus ist unbewohnbar
- 88-jährige Frau auf offener Straße beraubt
- Uli Stein fotografiert sein Goslar
- Leerstand am Rand der Toplage
- Kämmerer-Posten: Ostfriesin contra Rheinländer
Nachrichten aus der Region
Meist gelesen











