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Goslar
Neue Musik: Murmeln rollen über Pianosaiten
GOSLAR. Fünf Konzerte an drei Tagen – und alle beschäftigen sich mit noch lebenden Komponisten, die sich der Neuen Musik und ihren überraschenden, ungewöhnlichen Effekten verschrieben haben. Unter dem Titel „Linien – The Art of Metal“ ist das „Musik 21 Festival“ vom 19. bis 21. August zu Gast am Rammelsberg.
Samstagabend, 19.30 Uhr. Auf einer Bühne in der Schlosserei steht ein Flügel, das Instrument aus Holz und Metall. Pianistin Meryem Akdenizil agiert am und um ihn herum, entlockt Klänge per Tastendruck, per Streichen über die Saiten. Langer und kurzer Hall entsteht im hohen Raum, fein und fast scharf wie Glas. Dann lässt sie Murmeln über die Saiten rollen – kein Wunder, dass das Publikum die Ohren spitzt bei dieser Welturaufführung. Julia Rarisch heißt die 21-jährige Komponistin, sie spielt Bratsche und wird vom Konzertarbeitswochen- und Musikfestprofessor Hartmut Rohde unterrichtet. Aber sie setzt sich eben auch mit Klängen auseinander, schreibt das, was sie innerlich hört, auf, gestaltet das entstehende Material. Und kommt dabei auf ungewöhnliche Ideen – Murmeln im Flügel, eine Novität. Grundlage des Werkes ist ein Gedicht der Dresdnerin. Ein Satz darin steht wohl für den gesamten Bereich der Musik: „Aus Ahnung wird Erwartung, Gewohnheit, Enttäuschung?“.
Der Geschäftsführer des Bergbaumuseums, Achim Jahns, erläutert beim Pressegespräch den Ansatz: „In der Ausstellung ‚Vom Erz zum Blech‘ ist das Werden eines Instruments nachgezeichnet worden, nun kommt die künstlerische Auseinandersetzung dazu.“ Der künstlerische Leiter des Festivals, Stephan Meier, weist auf besondere Konzertbeiträge hin: „In Edgard Varèses ‚Ionisation‘ treibt ein Amboss dreizehn Schlagzeuger musikalisch an, das Werk ist wie geschaffen für diesen Ort.“
Insgesamt vereint das Fest für Moderne Musik über 80 Mitwirkende. Dazu gehört auch die Kreismusikschule – einige Ensembles sind mit dabei. Neben den Konzerten im Berg ist am Freitag, 20. August, auch ein Open-Air auf dem Steinberg-Spielplatz geplant. Weitere Informationen bietet die Touristinformation Goslar, die auch die Karten von 15 Euro an verkauft – das Open Air ist kostenlos.
Gedruckte GZ: Warum das Festival mit dem Internationalen Musikfest terminlich konkurriert, lesen Sie in der Freitag-Ausgabe.
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