Goslar

SPD-Votum zum Abwahlantrag: Fünf andere Fraktionen enttäuscht

08.03.2010
Von Frank Heine

SPD-Votum zum Abwahlantrag: Fünf andere Fraktionen enttäuscht

GOSLAR. Mit Bedauern und Unverständnis, teils aber auch mit scharfer Kritik haben die übrigen fünf Goslarer Ratsfraktionen am Montag auf das SPD-Votum vom Wochenende reagiert. Die Genossen wollen wie berichtet einen Abwahlantrag gegen Oberbürgermeister Henning Binnewies (SPD) vorerst nicht unterzeichnen.

„Unser Vertrauen gegenüber dem Oberbürgermeister und seinem Vertreter Klaus Germer ist restlos aufgebraucht, das haben wir schon mehrfach betont“, wiederholt Christian Rehse für den SPD-Ratspartner FDP. Seiner Einschätzung nach gelte dies auch für die Mitarbeiter im Rathaus und die große Mehrheit der Goslarer Bürger.

An dieser Situation ändere auch die parteiinterne Entschuldigung des Verwaltungschefs vom Samstag nichts, als Binnewies vor allem in puncto Betragen Besserung gelobte. „Wie soll das funktionieren?“, fragt Rehse, „von allein geht das nicht.“ Immerhin: „Wenn er sein Auftreten bedauert hat, belegt das ja, dass vorher einiges schief gelaufen ist.“

„Unglaubwürdig“

„Die SPD stellt ihre Partei-Interessen über das Wohl und den Willen der Goslarer Bürger“, sagt CDU-Chef Carlos Mateo. Er bezeichnet das Ergebnis der vierstündigen Sitzung als „unglaubwürdig“ und „nicht zu überbietende Unfähigkeit, eine Entscheidung zu treffen“.

Die von der SPD viel beschworene Bürgernähe werde „aus Angst vor Machtverlust“ vermieden. „Eine Bürger-Entscheidung über das SPD-Mitglied Henning Binnewies fürchtet die Goslarer SPD wie der Teufel das Weihwasser“, fasst Mateo zusammen.

Ähnlich wie der CDU-Vorsitzende argumentiert auch Henning Wehrmann für die Bürgerliste: „Die SPD stellt Parteiräson über das Interesse der Stadt.“ Für Goslar sei das SPD-Votum eine schlechte Entscheidung. Wehrmann fürchtet, dass der „Schrecken ohne Ende“ weitergeht: „Ein Ende mit Schrecken wäre allemal besser gewesen.“

Auf der anderen Seite kalkuliert er ganz kühl: „Wenn sich die Situation stabilisieren sollte, gibt es bei der Kommunalwahl 2011 neue Mehrheiten.“ Ziel müsse es dann sein, „die SPD so klein zu kriegen, dass man auf deren sieben Stimmen für einen Abwahlantrag nicht angewiesen ist.“

„Anderswo wären schon längst Köpfe gerollt“, ist der Linke Rüdiger Wohltmann überzeugt. „Die Leute fragen sich doch mittlerweile schon, was man sich sonst noch alles erlauben kann.“

Das Votum vom Samstag überrasche ihn dennoch nicht. „Wie zu erwarten war, setzt die SPD auf Zeit“, meint Wohltmann, „ich wage aber zu bezweifeln, dass sie sich damit einen Gefallen tut.“

„Beratungsresistent“

„Der Oberbürgermeister hat sich sonst noch nie entschuldigt“, zweifelt auch Jochen Baldauf (Grüne) an, dass Binnewies den Praxistest erfolgreich absolviert. „Das Stichwort lautet doch beratungsresistent, wie soll das besser werden?“, fragt der Fraktionsvize und bestätigt wie andere auch: „Es gibt einen völligen Vertrauensverlust.“

Allein schon der Maulkorb-Erlass zu Beginn der Binnewies-Amtszeit – nur die Ebene ab Fachbereichsleiter darf Ratsmitgliedern Auskunft erteilen – zeige doch, wie die Rathaus-Spitze ticke. Für die SPD werde das Thema zu einer Hängepartie. Wie die Partnerschaft zur FDP auf dieser Basis funktionieren solle, sei ihm schleierhaft. Baldaufs Fazit: „So wird der Knoten bestimmt nicht gelöst.“

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Kommentare

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Manfred Mund schrieb am 09.03.2010 00:00

Dieser Zyniker, Blender und Täuscher hat bei den Sozialdemokraten nichts, aber auch gar nichts mehr zu suchen. ER DIENT NICHT DER AUFKLÄRUNG, SONDERN DER VERDUMMUNG. Bitte, nehmt doch endlich die Vereinsbrille ab und schickt ihn in die Wüste. Für die, die sich um diesen Abkassierer Sorgen machen, sei gesagt, dass er mit seine Pension nicht verhungern wird.

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Fußball schrieb am 09.03.2010 13:11

Diesem SPD-Volksverdummer sollte in einem Verfahren auch die Pension gestrichen werden. Welcher SPD-Politiker im Rat der Stadt derartige Machenschaften unterstützt ist ebenfalls für die Stadt Goslar nicht mehr glaubwürdig, wenn man in der Politik überhaupt noch davon sprechen kann. Seinen letzten Dienstgang sollte dieser Herr B......... besser auf Schusters Rappen zurücklegen.

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Nuhel schrieb am 09.03.2010 13:31

Die beiden vorstehenden Kommentare treffen den Nagel auf den Kopf. Jetzt stellt sich mir die Frage, warum die FDP nicht die Konsequenzen zieht und die Zusammenarbeit mit dieser entscheidungsfeigen SPD aufkündigt. Damit könnten notwendige Maßnahmen auch erzwungen werden. Ich vermute aber, dass es auch der FDP nicht ausschließlich um die Sache geht, sondern in erster Linie unbedingt an der Macht zu bleiben. Also, auch hier kein Handeln zum Wohl der Stadt und deren Bürger. Wenn darüber hinaus jemand glaubt, dass sich der "Sonnenkönig" ändert, dem sei gesagt, er kann sich freuen, denn bald kommt der Osterhase...

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HarzerBursche schrieb am 09.03.2010 14:16

Die Demokratie ist die Verzweiflung darüber, daß es keine Helden gibt, die dich regieren; und Befriedigtsein darüber, daß man sich mit ihrem Fehlen abfinden muß. Thomas Carlyle, (1795 - 1881), schottischer Philosoph, Historiker, Essayist, Geschichtsschreiber und sozialpolitischer Schriftsteller

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Goseteufel schrieb am 09.03.2010 17:20

Damit hat nun leider auch die SPD verspielt. Jetzt sind wir Bürger an der Reihe. Es ist an der Zeit auf die Straße zu gehen und Henning I. aus der Stadt zu treiben!

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Strelizia schrieb am 09.03.2010 21:00

Das Brustgetrommel und Spiessrutenlaufen, ins Leben gerufen von Herrn Mateo (CDU) hat der Goslarer Orstverein der SPD nicht unterstützt! Wir orientieren uns an rechtsstaatlichen Prinzipien: jemand gilt so lange als unschuldig, bis ihm das Gegenteil bewiesen wird. Somit muss sich die Goslarer Lynchjustiz noch etwas gedulden.

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Rosewwood schrieb am 10.03.2010 07:32

@ Strelizia: Es geht hier nicht um rechtsstaatliche Prinzipien, sondern um einen Vertrauensverlust. Führungskräfte in Unternehmen werden schließlich nicht nur nach ihrer Fachkompetenz, sondern auch nach ihrer sozialen Kompetenz bewertet. Und die dürfte bei genannter Person eher gegen Null tendieren, was nach so vielen "Abmahnungen" wohl ein hinreichender Kündigungsgrund wäre.

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Leo schrieb am 10.03.2010 14:45

@Strelizia Ein Abwahlverfahren und Bürgervotum als "Goslarer Lynchjustiz" abzutun spricht wohl für Dein sehr spezielles Demokratie-verständnis. Natürlich ist der Grund, an Herrn Binewies festzuhalten, auch nur die rechtsstaatliche Orientierung der Goslarer SPD. Als SPD-Wähler darf ich jetzt einfach mal herzlich lachen... Sorry Strelizia, aber Du solltest ab und zu mal die Parteibrille absetzen.

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Wolle42 schrieb am 10.03.2010 17:38

Da sollte sich die Goslarer SPD die Ausssage des 1. Bundeskanzlers Konrad Adenauer zu Herzen nehmen: "Jede Partei ist für das Volk da und nicht für sich selbst". Denn, wenn sie das getan hätten, hätte zumindest eine geheime Abstimmung stattfinden müssen. Davor hatte man aber große Angst, wäre doch möglicherweise ein anderes Ergebnis herausgekommen.

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Strelizia schrieb am 15.03.2010 20:25

@alle wer mein Posting nicht verstanden hat, der hat auch nicht verstanden, wie die Demokratie funktioniert. Was Ihr macht ist, jemanden zu verurteilen, der noch nicht einmal angeklagt wurde, das nenne ich Lynchjustiz. Demnächst holt ihr wohl noch die Guiloutine raus ála französische Revolution. Ihr solltet NICHT Hören-Sagen vertrauen, dann enden wir nämlich dort, wo Deutschland 1945 war. Aber typisch, den Populisten von der CDU hinterherlaufen. Was Herr Mateo da letzte Woche in der GZ über die Ortsvereinssitzung der SPD gesagt hat, waren nur Mutmassungen, die falsch waren. Das kann ich mit gutem Gewissen sagen, denn ich war bei der Sitzung dabei.

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